Lebensmittelqualität

Dipl. oec. troph. Angelika Kinskofer-Dörr aus Gießen

Lebensmittelqualität - Unterschiede erkennen und richtig auswählen!

Exotische Früchte und Gemüsesorten haben naturgemäß eine lange Reisezeit hinter sich. Sollte man deshalb auf diese Produkte verzichten?

Die Nachteile langer Transportwege und deren Auswirkungen auf die Qualität haben wir schon besprochen. Der Gesichtspunkt der Umweltbelastung durch Erzeugung und Transport wurde noch nicht erwähnt und rückt heute zunehmend in den Mittelpunkt. Man muss nicht unbedingt auf exotischen Produkte verzichten, da dadurch auch Abwechslung auf den Teller kommt und viele dieser Früchte sehr schmackhaft und vitaminreich sind. Es kommt aber darauf an, ob die Früchte per Schiff oder Flugzeug transportiert werden. Von Flugtransporten aus Übersee ist abzuraten, da sie die Umwelt durch hohen CO2-Ausstoß stark belasten. Wer die Umwelt weniger belasten möchte, sollte auf exotisches Obst zurückgreifen, das mit dem Schiff transportiert wird. Per Schiff werden meist Ananas, Bananen, Mangos und Früchte aus Südeuropa gebracht. Viele der selteneren Obstarten aus Südamerika oder Neuseeland werden mit dem Flugzeug transportiert. Da sollte man sich den regelmäßigen Konsum dann doch überlegen und nach bestehenden Alternativen suchen, wenn es auch andere Angebote gibt. Außerdem sind auch die Arbeitsbedingungen bei der Obsternte in fernen Ländern oft fragwürdig, es sei denn, es stammt aus Fair Trade-Handel. Um zu erkennen, aus welchem Land die Frucht kommt, genügt ein Blick auf das Etikett, das diese Angaben enthalten muss und manchmal wird auch angegeben, ob es sich um Flugware handelt.

Es gibt sehr viele Ökosiegel und Biosiegel. Auch machen Berichte über "Mogelpackungen" die Runde, d.h. der Verbraucher hat den Eindruck, dass nicht Bio "drin" ist , wo Bio draufsteht. Welche Siegel sind verlässlich?

Seit 1993 sind die Worte "Bio" und "Öko" gesetzlich geschützt. Die EG-Öko-Verordnung regelt genau, wann sich ein Lebensmittel "Bio" oder "Öko" nennen darf. Dafür gibt es das EU-Bio-Logo - stilisiertes Blatt mit 12 Sternen auf rechteckigem grünem Grund - das deutsche Bio-Siegel oder, zusätzlich, die Zeichen und Namen der neun Anbauverbände wie z.B. Demeter, Naturland, Bioland, Gäa, etc. auf den Lebensmitteln und für Wein Ecovin. Das bedeutet, dass Bauern und Verarbeiter neben der EG-Öko-Verordnung auch die Richtlinien des jeweiligen Verbandes einzuhalten haben, die in manchen Dingen noch strenger sind. Nur diese Produkte, die nach den jeweiligen Verordnungen erzeugt, verarbeitet und kontrolliert wurden, dürfen sich als  Bio- oder Öko-Ware ausweisen. Dazu müssen bei verarbeiteten Produkten dann 95 Prozent aus ökologischem Landbau stammen, damit das Produkt die Kennzeichnung biologisch, ökologisch oder aus biologischem oder ökologischem Anbau tragen darf. Ist der Anteil geringer, dürfen die Ökozutaten nur im Zutatenverzeichnis aufgeführt werden.

Bezeichnungen wie "aus kontrolliertem Anbau" oder "aus umweltschonender oder integrierter Landwirtschaft" sind Marketing-Tricks, die ein Bio-Produkt vortäuschen. Das Kontrollsystem schließt alle Verarbeitungsstufen ein, z.B. neben dem Landwirt auch die Mühle und den Bäcker. In Deutschland werden die Bio-Betriebe einmal im Jahr besucht und kontrolliert, die Kontrolle umfasst alle vorgeschriebenen Dokumentationen, aber auch Proben auf eventuelle Rückstände. Auch die Bio-Lebensmittel aus dem Ausland unterliegen der Kontrolle. Diese arbeitet eventuell nicht immer so gut wie in Deutschland, aber der größte Teil der Bio-Lebensmittel wird korrekt angebaut. Verständlich, dass der Verbraucher wenn er "Bio" kauft, wissen will, ob auch "Bio" drin ist, vor allem, wenn er einen höheren Preis dafür bezahlen muss.

Wenn er sich an den eben genannten Bio-Siegeln und Verbands-Zeichen orientiert, wird er in der Regel auch die gewünschte Bio-Qualität erhalten, da Bio-Lebensmittel viel gründlicher kontrolliert werden als konventionelle. Dadurch hat der Verbraucher eine relative Sicherheit. Die Kontrollbehörden fanden gelegentlich auch in Bio-Lebensmittel schon  Rückstände, die nicht dort hingehörten, was sicher zur Verbraucherverunsicherung bei Bio-Lebensmitteln führte. Leider gab und gibt es auch auf dem Bio-Markt hin und wieder schwarze Schafe, die bis an die Grenzen des Erlaubten gehen oder versuchen, ein funktionierendes Kontrollsystem zu betrügen, wobei es sich bei den Beanstandungen wohl meist um Bioware aus dem Ausland handelte. Daher gibt es offenbar keine 100prozentige Sicherheit, trotz Kontrollen. Dennoch wäre es unfair, wegen einiger Weniger allen Bio-Erzeugern zu misstrauen.

Wie lauten also Ihre Tipps und Tricks für den richtigen Einkauf?

Wenn es auch nicht jedem möglich ist, dauernd und ausschließlich Bio-Lebensmittel zu kaufen, so ist es doch empfehlenswert, wo es geht, mehr auf die Herkunft zu achten oder auch bestimmte Gemüse oder Kartoffeln, heimisches Obst, wie Äpfel, z.B. von Streuobstwiesen, saisonal und aus der Region zu kaufen. Dabei spielt es nicht immer die Rolle, ob es aus Öko-Anbau stammt oder nicht. Wem außer dem Gesundheitswert auch der Umweltaspekt wichtig ist, sollte verstärkt Bioware kaufen.

Zugreifen sollte man auch, wenn  Lebensmittelmärkte ab und zu heimisches Obst oder Kartoffeln aus regionaler Erzeugung anbieten. Außerdem ist der Einkauf in größeren Mengen oft deutlich günstiger.

Wer bei Fleisch, Eiern und Milchprodukten den Gesundheitswert mit Qualität und Genuss verbinden möchte, sollte am besten beim Erzeuger direkt kaufen, wenn das in näherer Umgebung möglich ist und sich auch mal den Hof und die Haltungsbedingungen vor Ort anschauen. Ansonsten gibt es auf heimischen Wochenmärkten oder auch in manchen Verbrauchermärkten Fleischer, die tierische Produkte in hoher konventioneller oder Bio- Qualität anbieten und wo die Herkunft transparent gemacht wird, z.B. Lamm oder Ochse aus Weidehaltung.

Wer Wert auf gute Qualität legt und Bio-Produkte aus Gründen des Gesundheitswertes oder aus Nachhaltigkeitsgründen kauft, muss auch etwas höhere Preise bezahlen wollen, insbesondere bei Fleisch aus Öko-Landwirtschaft. Höherer Arbeitsaufwand und geringerer Tierbesatz, sowie gute Verarbeitung sollen auch wertgeschätzt und bezahlt werden.

Bei Obst und Gemüse, aber auch allen anderen Bio-Produkten, bieten die verschiedenen Verbandszeichen sowie das einheitliche EU-Bio-Siegel eine Orientierung, ob man echte Bio-Ware erhält. Oft sind hier die Preisunterschiede gar nicht mehr so groß.

Auch Diskounter bieten immer mehr Produkte zumindest in EU-Öko-Qualität an, was man durchaus unterstützen sollte. Wer immer nur billig einkaufen will, kann nicht unbedingt Qualität erwarten, was die vielen Lebensmittelskandale eindeutig zeigen.

Wer sich gesund und nachhaltig ernähren möchte, sollte mehr auf pflanzliche Produkte und weniger stark verarbeitete Grundlebensmittel zurückgreifen und weniger fleisch- und wurstbetont essen. Zuletzt sollte nicht vergessen werden, dass gute Lebensmittel auch frisch zubereitet werden und in Ruhe und mit Genuss verzehrt werden sollten!

Frau Kinskofer-Dörr, herzlichen dank für dieses Interview!


Quellen:

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