Allergie & Unverträglichkeit bei Kindern

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter des Allergie-Centrums der Ruhr-Universität Bochum (ACR)

Allergie & Unverträglichkeit bei Kindern: Unterschiede, Symptome, Therapien

Wie erfolgt denn dann die Diagnose einer nicht IgE-vermittelten bzw. einer echten IgG-vermittelten Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Eine klare Diagnose ist ganz wichtig, um letztlich eine echte Allergie herauszufinden und die nötigen Diätmaßnahmen ansetzen zu können. Ob wirklich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit besteht, ermittelt man, indem man zunächst das verdächtige Nahrungsmittel für etwa 2 Wochen weglässt. Bessern sich darunter die Beschwerden, ist der Verdacht bestätigt und man provoziert die Patienten unter standardisierten Bedingungen mit dem speziellen Nahrungsmittel (Provokation). Zeigen sich unter der Provokation erneut die Symptome und man findet entsprechende spezifische IgE-Antikörper, ist der Beweis der Nahrungsmittelallergie erbracht. Finden sich trotz positiver Reaktion keine IgE-Antikörper im Blut, kann es sich um eine IgG-Antikörper-vermittelte Reaktion handeln, die man dann bestimmen sollte – aber auch nur dann!

Gibt es Risikofaktoren bei Kindern, die allergische Erkrankungen begünstigen?

Die normale Entwicklung des Immunsystems bewirkt, dass im Laufe der Reifung des Immunsystems eine IgE-Produktion abgestellt wird und sich eine klinische und immunologische Toleranz gegen das bestimmte Allergen/Nahrungsmittel ausbildet. Durch diese Regulation des Immunsystems wird eine möglicherweise vorliegende erhöhte IgE-Produktion wieder herabgesetzt. Bei einigen Kindern reicht diese Regulation aber nicht aus oder fehlt vollständig, so dass sich hier eine Allergie entwickeln kann. Risikofaktoren hierfür sind besonders genetischer Art, wenn also die Eltern oder Geschwister bereits eine Allergie und/oder Asthma und/oder Neurodermitis aufweisen, also eine Familienanamnese für atopische Erkrankungen besteht.

Heißt das, dass bei kleinen Kindern die Entwicklung von Sensibilisierungen, also die Produktion von IgE-Antikörpern, Teil eines ganz normalen Reifeprozesses ist?

In der Tat ist es so, dass sich unterhalb des normalerweise messbaren Bereiches bei vielen Kindern zu Beginn ihres Lebens eine IgE-Produktion gegen bestimmte Nahrungsmittel feststellen lässt, die dann aber wieder verschwindet. Das ist Teil einer normalen physiologischen Entwicklung. Es findet sich aber auch bei vielen Kindern eine IgE-Produktion in geringem Maße, d.h. in der Größenordnung der RAST- Klassen 1 und 2, ohne dass diese Kinder Symptome entwickeln. Für die Eltern ist es deshalb wichtig zu wissen, dass der Nachweis von IgE-Antikörpern im Blut nicht mit dem Nachweis einer echten Nahrungsmittelallergie gleichzusetzen ist. Ein positiver IgE-Test belegt lediglich eine Sensibilisierung und sollte alleine nicht der Anlass sein, eine Diät durchzuführen.

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