Allergie Impfung

Prof. Dr. Stefan Vieths, Vizepräsident und Leiter der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen

Allergie Forschung: Wie wirkt eine Impfung bei Nahrungsmittelallergien?

Wie lange hält der Impfeffekt im Allergie Modell bei der Nahrungsallergie an?

In einer früheren Studie zu diesem Impfvirus konnten wir zeigen, dass die Impfwirkung bei Mäusen über 24 Wochen anhält, wenn man zweimal impft. Angesichts der Lebensdauer einer Maus ist dies ein sehr langer Zeitraum. Versucht man diesen Wert auf die Lebensdauer eines Menschen zu extrapolieren, weist dies auf einen Impfeffekt von mehreren Jahren hin.

Welche Bedeutung haben die Ergebnisse Ihrer Untersuchungen für die weitere Entwicklung von Allergie-Impfstoffen?

Grundsätzlich hat man im Modell eine Gruppe geimpfter Mäuse und eine Gruppe nicht geimpfter Mäuse und vergleicht die jeweilige Reaktion nach einer Sensibilisierung auf Hühnereiweiß. Bei unserem Allergiemodell zeigten 50 Prozent der geimpften Tiere trotz Sensibilisierung keinerlei allergische Symptome. Das ist eine relativ hohe Quote, die aber aus Sicht der Arzneimittelzulassung für eine prophylaktische klinische Behandlung noch nicht ausreichen würde.

Man muss hier auch immer den Nutzen dem Risiko gegenüberstellen. Das von uns genutzte Impfvirus hat in Studien am menschlichen Organismus auch Nebenwirkungen gezeigt, wie dies bei allen Impfstoffen der Fall ist. Eine Schutzwirkung von 50 Prozent bei einem einzigen Allergen wäre deshalb nicht akzeptabel. Wir streben einen Effekt von 90 Prozent oder höher an.

Für einen Einsatz des Impfstoffes zur Allergieprävention wäre es außerdem eine Voraussetzung, dass man die im Kleinkindalter wichtigsten Allergien mit einer einzigen Impfung abdecken könnte. Dann könnte man zum Beispiel die Kinder allergischer Eltern, die eine hohe Atopieneigung aufweisen, nicht nur gegen eine Hühnereiweiß-Allergie, sondern gleichzeitig auch noch gegen eine Allergie gegen Kuhmilch, Weizen, Erdnuss, die wichtigsten Pollen, Milben etc. impfen. Bei Kindern aus Familien, in denen Allergien nie aufgetreten sind, wäre eine Allergie-Impfung dagegen nicht notwendig.

Eine wichtige Frage, die noch anhand von Studien am Menschen überprüft werden müsste, wäre, ob die Allergie-Impfung auch die generelle Allergieneigung unterdrückt. Es wäre ja nicht sinnvoll, wenn die konkret geimpften Allergene keine Allergien mehr auslösen könnten, dafür  aber andere Sensibilisierungen entstehen würden. Wir müssen also sicherstellen – und dies gilt es in zukünftigen Allergiemodellen – abzuklären, dass wir eine Immunmodulation des Abwehrsystems erzeugen, die auch die generelle Neigung unterdrückt, andere Allergien zu entwickeln. Beim therapeutischen Ansatz sieht das natürlich anders aus. Hier besteht ja bereits eine Allergie und man kann einen jeweils allergenspezifischen Impfstoff entwickeln. Bis zur Anwendung am Menschen ist es  jedoch noch ein längerer Weg.

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