Allergie Impfung

Prof. Dr. Stefan Vieths, Vizepräsident und Leiter der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen

Allergie Forschung: Wie wirkt eine Impfung bei Nahrungsmittelallergien?

Wie funktioniert das Impfen gegen eine Nahrungsmittelallergie mit dem Impfvirus Vacciniavirus Ankara (MVA)? Was passiert im Körper?

Im Allergiemodell erfolgt die Impfung dadurch, dass der Impfstoff den Mäusen zwei Mal in einer geringen Dosis in die Bauchhöhle injiziert wird. Bei den Studien, die mit dem MVA-Virus (Modifiziertes Vacciniavirus Ankara) am Menschen durchgeführt werden, wird der Impfstoff unter die Haut injiziert.

Das Virus hat einige besondere Eigenschaften. Es ist ein Vaccinia Virus und gehört zur Familie der Pockenviren, hat sich aber über viele Zellpassagen genetisch verändert und löst keine Erkrankung mehr aus. Es ist nicht abgeleitet vom Auslöser der Pocken beim Menschen, dem Variola Virus. Wenn MVA Menschen oder Mäusen injiziert wird, kann es zwar in Zellen eindringen, aber das Virus kann sich dort nicht vermehren. Normalerweise nutzen Viren die Zellmaschinerie um neue Viren zu produzieren und weitere Zellen zu infizieren. Dazu ist dieses Virus aber nicht mehr in der Lage, denn es ist nicht mehr permissiv - ein sehr wichtiger Sicherheitsfaktor! Das Virus kann sich also nicht ausbreiten, sondern lediglich in die Zellen eindringen.

In das Virus haben wir das Gen für das Hühnereiweiß Ovalbumin integriert. Wenn es dann in die Zelle eindringt, stellen die Zellen Virusproteine her – und damit auch das Hühnereiweiß. Dieses wird von der Zelle als Antigen auf der Oberfläche präsentiert. Wir nutzen das Virus also als Transportmittel, mit dem wir das Allergen in die Zelle bringen, um eine Immunantwort zu provozieren und somit eine Immunisierung gegen das betreffende Allergen herzustellen. Das Virus wird genutzt wie eine Art "Fähre" mit deren Hilfe wir dafür sorgen, dass die genetische Information für das Allergen in die Körperzelle hineinkommt. Diese genetische Information für das Allergen wird jedoch nicht in die genetische Ausstattung der Maus oder des Menschen eingebaut. Vielmehr wird das Allergenprotein lediglich für eine gewisse Zeit von den Körperzellen hergestellt und dann ist dieser Effekt wieder vorbei. Die Immunantwort kann nur in dieser Zeitspanne erfolgen.

Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen Allergie Impfung und der Spezifischen Immuntherapie (SIT)?

Bei Allergien gegen Pollen, Insektengifte etc. kann man mit der Spezifischen Immuntherapie gegen die auslösenden Allergene hyposensibilisieren. Dabei wird das jeweilige Allergen in steigenden Dosierungen verabreicht, bis ein gewisser Level erreicht ist, der höher ist, als bei einem möglichen Allergenkontakt. So erreicht man die Hyposensibilisierung gegen das betreffende Allergen.

Unsere Idee bei der Allergie-Impfung ist, dass wir lediglich die genetische Information des Allergens mit Hilfe des Virus in den Körperzellen einbringen und nicht das Allergen selbst. Von den Zellen wird dann kein Allergen ausgeschieden, so dass dieses in Blut oder Körperflüssigkeiten gar nicht präsent ist. Das Allergen wird dem Immunsystem durch das in die Zelle eingedrungenen Virus lediglich präsentiert, um dann eine Abwehrrektion zu erzeugen. Diesen Effekt nutzen wir therapeutisch aus – das Allergen kommt erst gar nicht  an die Stelle, an der es eine allergische Reaktion ausgelösen kann. In der klinischen Anwendung wird es ein wesentlicher Punkt sein zu zeigen, dass Nahrungsmittelallergiker unter der Impfung tatsächlich keine allergischen Reaktionen bekommen können.

Zurzeit laufen viele Studien mit Lebensmittelallergikern zur oralen Toleranzinduktion, also zu einer Spezifischen Oralen Immuntherapie gegen Nahrungsmittelallergene. Aktuell sieht es aber so aus, dass die Therapie bei einem gewissen Prozentsatz der Betroffenen keine Wirkung zeigt, z.B. bei der Allergie gegen Erdnüsse. Auch lassen sich offenbar keine Langzeiteffekte erzielen – nach einer gewissen Allergenkarenz treten erneut allergische Reaktionen auf. Damit ist die Therapie für die Betroffenen kaum als dauerhafte Lösung geeignet.

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