Allergie Impfung

Prof. Dr. Stefan Vieths, Vizepräsident und Leiter der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen

Allergie Forschung: Wie wirkt eine Impfung bei Nahrungsmittelallergien?

Bei Allergien gegen Nahrungsmittel ist es aktuell nur möglich, das Allergen zu meiden bzw. ggf. die Symptome medikamentös zu behandeln. Die im Bereich der Atemwegsallergien und Insektengiftallergien sehr erfolgreich angewandte Spezifische Immuntherapie (SIT) hat sich bisher bei den Nahrungsmittelallergien nicht in gleichem Maße als erfolgreich erwiesen.

Forschern des Paul-Ehrlich-Instituts ist es jetzt erstmals gelungen, einen Schritt weiter zu gehen und die Allergie erst gar nicht zum Ausbruch kommen zu lassen. In einem Allergiemodell  konnte mit Hilfe von modifizierten Impfviren die Entstehung einer Allergie gegen Hühnereiweiß verhindert werden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Stefan Vieths, Vizepräsident und Leiter der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, über die Wirkungsweise der Allergie-Impfung.

Herr Prof. Vieths, Sie haben mit Hilfe eines Allergiemodells untersucht, ob durch eine Impfung gegen Hühnereiweiß eine Allergieentstehung verhindert werden kann. Zunächst die Frage: Was ist ein Allergiemodell?

Für unsere Versuche an Mäusen haben wir ein künstliches Allergiemodell genutzt. Zunächst werden die Mäuse auf Hühnereiweiß sensibilisiert und damit "künstlich" eine allergische Immunantwort ausgelöst. Wenn diese sensibilisierten Mäuse dann mit dem Futter Hühnereiweiß aufnehmen, zeigen sie u.a. typische  Magen-Darm-Symptome.

Das Besondere an diesem Modell ist, dass es sich nicht um eine reine IgE-vermittelte Symptomatik handelt, sondern dass auch nicht-IgE-mediierte Mechanismen im Darm stattfinden – die Tiere haben klinisch-allergische Symptome, wie dies bei Menschen mit einer Hühnereiweiß-Allergie auch der Fall ist.

Im ersten Schritt haben wir ein prophylaktisches Modell untersucht. Die Fragen, die wir uns gestellt haben, lauteten: Wie verläuft eine Sensibilisierung mit dem Allergen "Hühnereiweiß", wenn wir die Mäuse vor der Sensibilisierung gegen dieses Allergen impfen? Können wir so das Entstehen der Allergie verhindern? Deshalb haben wir zunächst die gesunden Mäuse geimpft und dann erst die Sensibilisierung gegen Hühnereiweiß vorgenommen.

Das heißt, der Fokus Ihrer Forschung lag auf dem Verhindern der Allergie, nicht auf dem Heilen?

Wir wollen natürlich auch Allergien kurieren können und haben hierfür auch initiale Resultate aus diesem Allergiemodell. Wenn das Immunsystem aber erst einmal "in einer Schieflage" ist, ist es schwieriger einzugreifen. Wir sehen aber auch hier bei von uns entwickelten Allergievakzinen positive Effekte, allerdings müssen wir die Impfdosis und die Impfabfolge noch optimieren, um einen maximalen Effekt zu erzielen. Zwar gehen aktuell die Effekte in die gleiche Richtung wie bei der Prävention, sie sind aber nicht so drastisch wie bei der Impfung vor der Sensibilisierung. Deshalb wollen wir im zweiten Schritt  die  therapeutische Anwendung im Mausmodell untersuchen. In der Praxis wären beide Anwendungen denkbar.

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