Nahrungsmittelallergien in Kita und Schule

Dipl. oec. troph. Sibylle Hartmann, Ernährungsberatung und –therapie in Berlin.

Mit Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten in Kita und Schule

Heißt das, dass Sie den Einrichtungen manchmal auch empfehlen, nicht für Zöliakie-Betroffene zu kochen?

Das ist eine sehr schwierige Frage und kommt auf die Einrichtung an. In Anbetracht der Küchensituation und wenn ich sehe, wie beengt die Küchen für wie viele Kinder kochen, mit 4-Flammen Herd und zwei Regalen für die Vorratshaltung, halte ich es für zu ambitioniert, wenn diese Küchen für Zöliakie-Kinder kochen wollen. Zwar freuen sich die Eltern und auch das Kind, wenn es in die Gemeinschaftsverpflegung integriert sind, aber die saubere Trennung der glutenhaltigen von den glutenfreien Lebensmitteln ist unter diesen Umständen nur sehr schwer möglich und die Kontaminationsgefahr ist bei Zöliakie einfach zu groß. Die strikte Trennung von Handtüchern, Schneidbrettchen, Toastern etc. kann eine kleine Einrichtung einfach nicht leisten. Bei anderen Unverträglichkeiten ist es meist möglich, die Kinder im Rahmen der Gemeinschaftsverpflegung mitzuversorgen.

Wie sieht das bei den Schulen aus in Bezug auf Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen?

Die Schulen ist es in der Regel  so, dass Caterer die Verpflegung übernehmen. Bei den Caterern herrschen natürlich andere Voraussetzungen. Allein auf Grund der Menge können Caterer einige Besonderheiten in den Großküchen oft ganz gut berücksichtigen. Deshalb haben sie sich auch oft bereits auf häufige Allergene eingestellt und können problemlos z.B. eifreie, milcheiweißfreie oder fischfreie Mahlzeiten liefern. Allerdings bieten die meisten Caterer beispielsweise eine glutenfreie Küche nicht an.

Können Eltern erwarten, dass für ihre Kinder separat gekocht wird, oder sollten sie ihre Kinder selbst versorgen?

Es kommt in erster Linie darauf an, um welches Allergen bzw. um welche Unverträglichkeit es sich handelt und die Eltern sollten durchaus sehr intensive Gespräche mit den Einrichtungen führen. Wenn bei einem Kind ein Anaphylaktischer Schock droht oder wenn es unter einer Zöliakie leidet, ist das Risiko natürlich ungleich höher, als bei Unverträglichkeiten, bei denen es im schlimmsten Fall zu Durchfällen kommt. Dies ist zwar dann auch unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich.

Ich denke aber schon, dass die Eltern erwarten können, dass für Ihr Kind von der Einrichtung spezielle Speisen zur Verfügung gestellt werden. Z.B. sollte es möglich sein, dass das Kind eifreie Speisen bekommt, auch wenn die anderen Kinder Eier essen.

Allerdings wünschen sich manche Eltern, dass, wenn ihr Kind z.B. Nuss-Allergiker ist, die gesamte Gruppe keine Nüsse essen sollte. Das ist verständlich, denn bei hochgradig allergischen Kindern kann auch die bloße Nähe einer Nuss eine Anaphylaxie auslösen. Dies ist aber nicht bei jedem Kind der Fall, das auf Nüsse allergisch reagiert und hier wird es schon schwierig, wenn der gesamte Kindergarten nussfrei sein soll. Hier ist auch das Risiko für den Kindergarten zu hoch. Manchmal sind Eltern aber auch übervorsichtig und verlangen zu viel von der Kita. Hier muss man schon auf darauf achten, dass einerseits die Problematik erkannt wird, die Eltern dem Kindergarten aber nicht aufgrund  übergroßer Besorgnis zu viel abverlangen. Man muss ein gesundes Mittelmaß finden.

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