Richtig Einkaufen bei Allergien

Dipl. oec.troph. Birte Willems, Studio für Ernährungsberatung in Esselbach

Allergie & Intoleranz: Richtig einkaufen, Kennzeichnung, Zutatenlisten

Bei allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten lauten die Empfehlungen für die betroffenen Patienten meist, bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelgruppen zu meiden. Doch wenn man weiß, dass man Weizen, Gluten, Laktose, Fruktose, Zusatzstoffe, Soja, Nüsse, Milcheiweiß, Hühnerei, Histamin, ASS, Zusatzstoffe etc. nicht verträgt, fangen die Probleme erst richtig an. Zwar lernt man schnell, welche natürlichen Nahrungsmittel welche Inhaltsstoffe enthalten. Bei industriell gefertigten Lebensmitteln lässt sich dies anhand der Zutatenliste aber nicht immer auf den ersten Blick erkennen. MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. oec.troph. Birte Willems, Studio für Ernährungsberatung in Esselbach, über die richtigen Strategien beim Einkauf.

Frau Willems, bei welchen Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben Ihre Patienten die größte Mühe, richtig einzukaufen? Gibt es so etwas wie "klassische Irrtümer"?

Ganz wichtig ist es zwischen einer Nahrungsmittelallergie und einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu unterscheiden. Allergisch auf ein Lebensmittel zu sein bedeutet, es konsequent aus dem täglichen Speiseplan zu streichen. Zu bedenken ist auch, das Nahrungsmittelallergien auf Grundnahrungsmittel wie Ei, Fisch, Weizen und Milch im Erwachsenenalter sehr selten vorkommen, während es bei einer Pollenallergie häufig zu Kreuzreaktionen mit bestimmten Lebensmitteln kommen kann.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist es in der Regel nicht nötig bzw. sogar kontraproduktiv komplett zu verzichten. Das gilt u.a. für die Fruktosemalabsorption. Hier haben die Patienten die größte Mühe, richtig einzukaufen. Das hängt u.a. damit zusammen, dass die Fruktosemalapsorption in Medien und Internetforen mit der heriditären Fruktoseintoleranz verwechselt wird (HFI). Die HFI ist aber sehr selten und beruht auf einem angeboren Enzymdefekt, der einen lebenslangen Verzicht auf alle fruktosehaltigen Lebensmittel wie z.B. Gemüse und Obst vorsieht.

Der unnötige Verzicht auf Gemüse und Obst bei der Fruktosemalabsorption ist nicht sinnvoll und schränkt den Alltag der Betroffenen stark ein. Lediglich zu Anfang der Diagnose sollte für 2 bis max. 4 Wochen eine Fruktosekaranz eingehalten werden, damit sich der Darm erholen kann. Danach sollte zügig mit der stufenweisen Einführung von fruktosehaltigen Lebensmitteln begonnen werden. Zu achten ist darauf, die fruktosehaltigen Lebensmittel immer mit Fett und oder Eiweiß zu kombinieren. Das erhöht die Verträglichkeit.

Auch bei einer Allergie auf Weizen fällt es den Patienten schwer, einzukaufen. Weizen ist ja in der mitteleuropäischen Ernährung als Grundnahrungsmittel weit verbreitet, ein Verzicht ist daher mit großen Änderungen des Essverhaltens und des Einkaufsverhaltens verbunden.

Bei einer Weizenallergie müssen die Betroffenen auf alle Weizenarten und Urformen von Weizen verzichten; dazu gehören u.a. Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn und Kamut. Dinkel wird häufig als Ersatz von Weizen verwendet; da Weizen und Dinkel aber allergologisch gleich sind, muss auch auf Dinkel verzichtet werden. Das macht den Einkauf zu Anfang der Ernährungsumstellung sehr schwierig. Sämtliche Müslisorten, Brote, Nudeln, Backmischungen, Kekse und viele Fertigprodukte enthalten Weizen. Ebenso einige Getränke wie z.B. Weizenbier. Hier muss die Zutatenliste genau studiert werden. Allerdings gibt es hier eine Einschränkung in der Verlässlichkeit.

Eine Weizenallergie darf auch nicht mit der Zöliakie verwechselt werden. Allerdings ist eine Weizenallergie im Erwachsenenalter sehr selten.

Einen klassischen Irrtum gibt es z.B. beim Einkauf von laktosefreien Lebensmitteln. Die Betroffenen kaufen z.B. nur Käse, der laut Verpackung als "laktosefrei" deklariert ist. Dabei ist jeder Schnitt- und Hartkäse von Natur aus laktosefrei. Es ist also gar nicht nötig, speziell ausgelobten laktosefreien Käse zu kaufen. Das gleiche gilt für Butter. Die Laktosemengen in Butter sind so gering, das sie in der Regel keine Probleme machen.

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