Lebensmittelbetrug

Dr. Andreas Kliemant, Koordinator der deutschen OPSON-Operation beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin zu Lebensmittelbetrug! (Foto: BVL)

Lebensmittelbetrug – denn sie wissen nicht, was sie essen!

Erdnüsse in Haselnussprodukten, gefälschte Produkte bei Mineralwasser, Suppenwürfeln, Olivenöl und Wein, alte Fischprodukte in neuen Dosen – die Erkenntnisse, mit denen Europol und INTERPOL kürzlich die Öffentlichkeit informierten, lassen nicht nur Allergikern die Haare zu Berge stehen. Aufgedeckt hatten diesen Lebensmittelbetrug die Lebensmittelüberwachungsbehörden bzw. Spezialeinheiten 61 Staaten weltweit, die an der von Europol und INTERPOL koordinierten Operation OPSON VI-teilgenommen haben. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Andreas Kliemant, Koordinator der deutschen OPSON-Operation beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin über das Thema "Lebensmittelbetrug - denn sie wissen nicht, was sie essen!".

Herr Kliemant, die OPSON-Operationen werden seit 2011 durchgeführt, was war der Anlass „OPSON“ zu starten?

Der Kampf gegen gefälschte Waren und somit die Bekämpfung von Lebensmittelbetrug ist eines der von Europol definierten Hauptziele beim Vorgehen gegen kriminelle Gefahren. In der Prioritätenliste befindet sich die Bekämpfung von Lebensmittelbetrug auf einer Ebene neben Menschen-, Drogen- und Waffenhandel. Dabei steht neben dem finanziellen Schaden für Verbraucher und die geschädigten Hersteller der Originalprodukte insbesondere auch die potenzielle Gesundheitsgefahr im Vordergrund, die von manipulierten Erzeugnissen ausgeht.

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Wie ist hat sich  OPSON entwickelt und welche Institutionen sind noch beteiligt?

Seit der ersten OPSON-Operation im Jahr 2011, an der zehn Staaten teilnahmen, ist die Anzahl der teilnehmenden Staaten kontinuierlich gewachsen.

Deutschland hat erstmalig an OPSON bei der fünften Operation teilgenommen und war bei OPSON VI einer von 61 teilnehmenden Staaten. Neben den Lebensmittelüberwachungsbehörden bzw. Spezialeinheiten, wie den Carabinieri NAS in Italien, sind an OPSON auch Hersteller sowie Wirtschaftsverbände beteiligt. Bei jährlich stattfindenden Planungssitzungen erfolgt ein direkter Erfahrungsaustausch zu den aktuellen Schwerpunkten bei der Bekämpfung von Lebensmittelbetrug und potenzielle neue Untersuchungsziele werden identifiziert.

Bei OPSON VI in Deutschland waren die Lebensmittelüberwachungsbehörden aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie der Zoll (unter anderem das Zollkriminalamt und die für das Recht des grenzüberschreitenden Warenverkehrs zuständige Direktion VI der Generalzolldirektion) und das Bundeskriminalamt beteiligt, das BVL hat die Operation koordiniert.

Der namensgebende Begriff OPSON stammt übrigens aus dem Griechischen und beschreibt den wertgebenden Bestandteil des Essens.

Nach welchen Mechanismen „funktioniert“ Lebensmittelbetrug und welche Entwicklungen konnten Sie beobachten?

Lebensmittelbetrug kann im Kleinen wie auch im Großen stattfinden, d. h. sowohl lokal begrenzt sein wie auch im globalen Maßstab ablaufen. Lebensmittelbetrug ist nicht auf hochpreisige Lebensmittel begrenzt, sondern kann genauso preiswerte Lebensmittel betreffen.

Gemäß Europol ist bei Lebensmittelbetrug eine Zunahme der organisierten Kriminalität zu beobachten. Dies bedeutet auch eine Zunahme der Professionalität der Fälschungen wie auch das Ausnutzen der Möglichkeiten des globalen Warenhandels, sei es im Hinblick auf die schiere Größenordnung der weltweit gehandelten Lebensmittel wie auch auf die Möglichkeit, professionell in die Handelsstrukturen einzutauchen.

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