Meteorismus Blähungen Blähbauch

Dipl. oec. troph. Krisztian Mark Koczor, nutriception Praxis für Ernährungstherapie/Ernährungsberatung in Düsseldorf zum Tabuthema "Meteorismus" oder auch "Blähungen"!

Meteorismus - Blähbauch: Wie kommt es zu Blähungen? Was ist zu viel? Was tun?

Meteorismus, Blähungen, Blähungen - viele kennen das Problem nur allzu gut! Wie aber kommt es zu einer übermäßigen Ansammlung von Luft und Gas im Bauch? Was ist noch normal und was ist zu viel? Und was tun, um den Bähbauch zu verhindern? MeinAllergiePortal Spricht mit Dipl. oec. troph. Krisztian Mark Koczor, nutriception Praxis für Ernährungstherapie/Ernährungsberatung in Düsseldorf über ein Tabuthema.

Herr Koczor, wie häufig suchen Menschen nach Ernährungsberatung, weil sie unter massiven Blähungen leiden?

Es ist eigentlich selten, dass Menschen ohne irgendeine vorangehende ärztliche Differentialdiagnose wegen Blähungen direkt die Hilfe eines Ernährungstherapeuten suchen. Deshalb ist es auch recht schwierig, eine genaue Anzahl der Patienten zu nennen, die tatsächlich Hilfe benötigten würden.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Ursachen, die eine vermehrte Gasbildung im Verdauungstrakt bedingen. Man kann aber durchaus annehmen, dass ca. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung unter massiven Blähungen leidet. Es gäbe daher vermutlich sehr viele „potenzielle Patienten“.

Es gibt beim Thema Meteorismus bzw. Blähungen also eine gewisse Dunkelziffer?

Gasabgang durch den After beschäftigt Patienten, Ernährungstherapeuten und Ärzte schon seit jeher, allerdings eher hinter vorgehaltener Hand. Das Thema ist für nicht wenige Menschen höchst peinlich, wenn nicht sogar „anrüchig“. Insgesamt kann ich aber bestätigen, dass der überwiegende Anteil meiner Patienten, die unter einer Kohlenhydratverwertungsstörung, Glutenunverträglichkeit, Pseudoallergien oder sonstigen Nahrungsmittelintoleranzen leiden, mich wegen Meteorismus konsultieren.

Hinzu kommen selbstverständlich auch Patienten mit einer Teilresektion des Darmes oder einer Komplettresektion des Magens, sowie Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Manchmal sind es aber auch jene Patienten, wo wir mittels mühsamer explorativer Arbeit erst herausfinden müssen, weswegen sie eigentlich unter Meteorismus leiden. Oft kann der jahrelange massive Missbrauch von Zucker die Ursache sein, manchmal reicht es aber schon aus, wenn jemand - etwa bei einer grippalen Infektion - vom Hausarzt vorsichtshalber schon mal eine vorbeugende, massive Antibiotika-Therapie erhält, damit womöglich eine Superinfektion vermieden werden kann. Das ist zwar gut gemeint und sicherlich manchmal auch sinnvoll, aber immer eine recht heftige „Keule“ für unsere Darmflora!

Da Breitspektrum-Antibiotika oft allzu schnell und viel zu häufig, manchmal auch ohne triftige Gründe, verschrieben werden, kann dies schon den  Beginn eines lang währenden Leidensweges bedeuten, was ständig präsente, nervige und unangenehme Blähungen angeht.

Wann spricht man von massivem Meteorismus  bzw. was ist in Bezug auf Blähungen noch „normal“?

Lebewesen, die über Gedärme inklusive Trilliarden von mikrobiellen Darmbewohnern verfügen, haben eben Blähungen. Das ist völlig normal und gehört zu unserer Verdauung und deswegen zu unserem normalen Leben, wie die Gezeiten zum Meer. In Abhängigkeit von den einzelnen Nahrungsbestandteilen kann die Zahl solcher Windabgänge beim Menschen im Normalfall zwischen 10 bis 20 pro Tag, das entspricht etwa 800 bis 1200ml Gas, schwanken.

Krankhaft dürfte die Angelegenheit erst dann sein, wenn die Winde deutlich häufiger ihren Weg nach Außen suchen. Gelegentliche Blähungen sind also nichts Ungewöhnliches und ganz normal, auch wenn es uns peinlich ist oder wir sogar den eigenen Gestank ekelerregend finden sollten. Doch unangenehme Gerüche sind an sich auch nichts Ungewöhnliches in der Natur und letzten Endes leben wir inmitten dieser Natur.

Durch unbewusst falsche Ernährung, schnelles Essen und Aerophagie,  d.h. Verschlucken von Luft, Rauchen oder Stress sammelt sich oft zu viel  Luft im Darm. Die Luft aus dem Darm wird dann über den After abgelassen bzw. durch die Lunge abgeatmet. Treten diese Blähungen allerdings, wie gesagt häufiger auf als normal, teilweise auch mit vermehrt und ungewöhnlich starken oder fremdartigen Gerüchen auf, so spricht man von massiven pathologischen Blähungen, also Meteorismus.

Bei massiven Blähungen kann es zu Gasabgängen von 20 bis 30 Mal pro Tag kommen, eventuell sogar häufiger. Dies stellt durchaus eine starke Belastung für den Betroffenen dar, zumal gesellschaftliche Konventionen nicht gerade überall und zu jeder Zeit ein fröhliches Windablassen ermöglichen. In den meisten Fällen steckt also bei massiven Blähungen eine Unverträglichkeit, Intoleranz oder eine sonstige krankhafte Ursache dahinter.

Handelt es sich beim Meteorismus immer um Symptome bestimmter Erkrankungen oder kann Meteorismus auch ein eigenes Krankheitsbild sein?

Bei massiven Blähungen sammelt sich einfach viel zu viel Luft im Darm, sodass dieser sich fühlbar aufbläht und unangenehm an Volumen zunimmt. Man spricht allgemein von Meteorismus.

Diese Luftansammlung kann sehr verschiedene Ursachen haben, wie etwa eine falsche Ernährung, Stress, Erkrankungen und diverse Unverträglichkeiten von Lebensmitteln und deren Inhaltsstoffen, aber auch etwa von Zusatzstoffen und Konservierungsstoffen in veredelten Lebensmitteln. Meteorismus ist also ein spezielles Symptom des jeweiligen Auslösers.

Der mit Abstand häufigste Risikofaktor für massive Blähungen sind individuelle, „falsche“ Ernährungsgewohnheiten. So sind für unseren Körper nur schwer bzw. kaum verdauliche oder sogar gänzlich unverdauliche Kohlenhydrate häufig die Ursache für Blähungen. Dazu gehören unlösliche Ballaststoffe,  wie sie z.B. In Vollkorngetreideprodukten,  Obst und Gemüse vorkommen. Auch lösliche Ballaststoffe, die z.B. insbesondere in Kohlgemüse, Zwiebelgemüse und Hülsenfrüchten oder als Stärke bzw. resistente Stärke in Cornflakes, altbackenem Brot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat enthalten sind, fallen in diese Kategorie.

Allerdings werden unter Umständen nicht ausschließlich diverse Ballaststoffarten für zu viel „Dampf im Darm“ sorgen.

Was, außer den Ballaststoffen, kann zu Blähungen bzw. Meteorismus führen?

Auch sehr leicht verdauliche Kohlenhydrate können, wenn sie im Übermaß genossen werden, problematisch sein. Dazu gehören verkleisterte, das heißt aufgebrochene Stärke aus frisch zubereiteten Weißmehlprodukten, Lactose aus Milchprodukten, Fruchtzucker und Zuckeralkohole aus Obst, insbesondere aus Trockenobst, da sie hier in konzentrierter Form vorliegen. Aber auch ein „zu viel“ an Eiweiß, sowie eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann zu einem massiven Problem werden.

Oft spielt aber auch ein ungünstiges Essverhalten eine ziemlich konkrete Rolle bei der Entstehung von Meteorismus.

Wie kann ein ungünstiges Essverhalten zu Blähungen und Meteorismus führen?

Beispiele für ein ungünstiges Essverhalten sind:

•    spätes oder nächtliches Essen

•    ungenügendes Kauen

•    eine falsche Mengenverteilung der Nahrung über den Tag

•    eine falsche Mengenverteilung der einzelnen Nährstoffe, z.B. Pommes mit Ketchup und Cola, das sind quasi ausschließlich leicht verdauliche Kohlenhydrate, was bei einer vorhandenen Dysbiose völlig kontraproduktiv sein kann.

•    hastige, unkonzentrierte Nahrungsaufnahme

Man sollte sicherlich auch die individuellen Lebensgewohnheiten bzw. –umstände nicht außer Acht lassen, z.B.:

•    konsequenter Bewegungsmangel

•    psychische Gründe

•    Einnahme von Medikamenten oder Drogen

•    sowie eine Schwangerschaft


Daneben bilden diverse Krankheiten weitere Risikofaktoren für Blähungen.

Bei welchen Erkrankungen besteht das Risiko für Blähungen und Meteorismus?

Eine Pankreatitis, d.h. chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung kann durchaus die Ursache für Blähungen sein, genau wie eine durch vorangehende Infektion(en) bedingte Dysbiose im Darm, d.h. ein Ungleichgewicht der Darmflora oder eine Mukoviszidose. Auch ein Kurzdarmsyndrom nach chirurgischen Eingriffen, Darmkrebs, oder verschiedene idiopathische Störungen im Verdauungssystem, wie etwa das Reizdarmsyndrom oder chronische, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, bis hin zu diversen Autoimmunerkrankungen können zu starken Blähungen führen.

Ob die Blähungen mit der Behandlung der Ursprungserkrankung tatsächlich wieder verschwinden, hängt von der jeweiligen Erkrankung und von individuellen Veranlagungen und sonstigen Umständen ab. So kann man etwa bei einer Teilresektion des Darmes das Bakteriengleichgewicht der Darmflora durchaus mit einer probiotischen Therapie und einer speziellen Ernährungsumstellung wieder herstellen oder zumindest positiv beeinflussen. Man kann den Darm aber freilich nicht wieder mit „Verlängerungstücken“ erneuern, wenn Teile davon zuvor entfernt worden sind.

Sie erwähnten auch ein Ungleichgewicht der Darmflora bzw. des Mikrobioms, was ist damit gemeint?

Das Mikrobiom ist ein Lebensraum von Mikroorganismen und man bezeichnet damit die Gemeinschaft von Bakterien, Pilzen u.a., die unseren Darm bewohnen und mit unserem Körper als Wirtsorganismus im optimalen Fall in einer Symbiose leben.

Dabei handelt es sich sowohl um „vorteilhafte“ bzw. „gute“ Mikroorganismen, die wir für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden benötigen, als auch um „nachteilige“ bzw. „schlechte“ Mikroorganismen, die uns – falls zu viel von ihnen vorhanden sind – krank machen können.

Diese beiden Sorten von  Mikroorganismen befinden sich normalerweise in einem individuellen Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht gerät dann durcheinander, wenn die „schlechten“ Mikroorganismen in eine deutliche Überzahl geraten, oder weitere fremde, unerwünschte Mikroorganismen hinzukommen und unsere intakte Darmflora dezimieren. Dieses Ungleichgewicht – also Dysbiose - ist einer der wichtigsten Ursachen für häufige Blähungen.

Wie kommt es zu einem Ungleichgewicht der guten und schlechten Mikroorganismen im Darm?

Es gibt vielerlei Gründe, weshalb dieses Gleichgewicht der Mikrobiota untereinander und - im Hinblick auf den Wirtsorganismus Mensch - aus der Balance geraten kann. So greifen beispielsweise Antibiotika, die eine direkte Dezimierung der „guten“ Bakterienkolonien im Darm verursachen oder auch Säureblocker, die eine indirekte Dezimierung der „guten“ Bakterienkolonien auslösen können, die Darmflora in entscheidender Weise an.

Die Säureblocker sorgen für eine indirekte Dezimierung der „guten“ Kolonien, indem sie eine ungehinderte Einschleusung von pathogenen Keimen in den Darm verursachen. Das liegt daran, dass die Säureblocker für eine verminderte Salzsäureproduktion des Magens sorgen, so dass die pathogenen Keime nicht schon im Magen durch ein sehr saures Milieu eliminiert werden können.  

Auch die Art der Ernährung beeinflusst das Wachstum unterschiedlicher Mikrobiota. Eine lang andauernde ballaststoffarme Ernährung kann das Gleichgewicht ebenfalls erheblich stören.

Wie vermeidet man Blähungen bzw. was kann man tun gegen den Blähbauch? Gibt es „Hausmittelchen“?

Grundsätzlich gibt es einige einfache Tipps die man auch in der Ernährungsberatung empfehlen würde, denn oft hilft es bereits den eigenen Lebensstil zu überprüfen. So sollte man beispielsweise auf stark blähende und schwer verdauliche Lebensmittel verzichten. Wichtig ist, die Nahrung auf mehrere kleine Portionen gut verträglicher Speisen aufzuteilen und weder hastig zu speisen, noch ununterbrochen beim Essen zu reden.

Bei einer träge agierenden und nur mühsam und langsam Verdauungssäfte absondernden Bauchspeicheldrüse ist es unter Umständen hilfreich, ca. 10-15 Minuten vor der eigentlichen Mahlzeit eben die exakt gleiche Mahlzeit quasi in einer Miniportion zu sich zu nehmen. Dadurch kann man die Bauchspeicheldrüse dazu anregen, die optimale Menge und Zusammensetzung an Verdauungsenzymen, d.h. Amylasen für die Kohlenghydratverdauung, Lipasen für die Fettverdauung und Protease für die Eiweißverdauung, vorzuproduzieren. Das muss nicht, kann aber ziemlich gut funktionieren – diese Methode ist in meiner Beratung quasi Goldstandard. Das sollten Betroffene einfach mal ausprobieren, ist auf jeden Fall mal ein Versuch wert.

Auch regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv aus. Allen voran, wenn man durch Training der Bauch- bzw. Torsomuskulatur die Darmperistaltik anregt. Regelmäßige Yogaübungen oder einfach nur Jogging können hierbei ebenfalls sehr hilfreich sein.

Fahrradfahren oder Krafttraining sind weniger sinnvoll, denn das Ziel ist nicht, dass die Muskeln nur „irgendwie“ kontrahiert werden. Wichtig sind komplexe Bewegungsabläufe, die die sonst autarke Eigenbewegung des Darmes durch Pressen, Strecken und Beugen mit stimulieren.

Zusätzlich kann man sich mit „Hausmittelchen“ wie etwa Karminativa, das sind phytotherapeutische Mittel gegen Blähungen, behelfen. Pflanzliche Öle, wie z.B. Schwarzkümmelöl oder Karminativa, d.h. Extrakte u.a. aus verschiedenen Kümmelarten, Pfefferminze, Oregano, Ingwer u.a. können die Beschwerden lindern, wenn auch nicht komplett beseitigen.

Hilft dies alles nichts, kann man sich mit entschäumenden Präparaten oder mit Enzympräparaten aus der Apotheke, sogenannten Pankreatinpräparaten, die Lipasen, Proteasen und Amylasen enthalten, behelfen.

Herr Koczor, herzlichen Dank für dieses Interview!

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