Laktose Medikamente Zahncreme

Dr. rer. nat. (Dipl.-Ernährungswiss.) Stefanie Ackermann, LIVINGFOODS Ernährungscoaching und –therapie in Schönaich

Laktose in Medikamenten, Zahncremes & Co.: Was muss man wissen?

Laktose findet man nicht nur in natürlichen Nahrungsmitteln und industriell produzierten Lebensmittelprodukten. Auch in Medikamenten und bestimmten Kosmetika wird Laktose eingesetzt. Für Menschen mit Laktoseintoleranz stellt sich deshalb die Frage, ob sie auch bei Medikamenten, Zahncremes und Co. auf den Laktosegehalt achten müssen bzw. ob sie solche Produkte meiden sollten. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. rer. nat. (Dipl.-Ernährungswiss.) Stefanie Ackermann, LIVINGFOODS Ernährungscoaching und –therapie in Schönaich über das Thema.

Frau Dr. Ackermann, in der Pharmaindustrie wird Milchzucker in vielen Tabletten als Trägermaterial oder als Hilfsstoff in Inhalationspulvern verwendet. Ist das relevant für Menschen mit Laktoseintoleranz?

Für die Beantwortung dieser Frage halte ich es für sinnvoll zunächst kurz zu erläutern, was Laktoseintoleranz eigentlich ist. Diese Erkrankung wird durch einen Mangel des Enzyms Laktase im Dünndarm verursacht. Dies hat zur Folge, dass die verzehrte Laktose (Zweifachzucker) dort nicht oder nur unzureichend in ihre beiden Einzelzucker gespalten werden kann, somit unverdaut in untere Darmabschnitte anstatt in das Blut gelangt und dort typische Symptome wie etwa Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall hervorrufen kann.

Ob die Laktose als Bestandteil von Tabletten und Co. für Menschen mit Laktoseintoleranz relevant ist, hängt zum einen natürlich davon ab wie ausgeprägt die individuelle Laktoseintoleranz des Patienten ist. Einige Patienten reagieren erst auf die Aufnahme von 12 g Laktose (beispielsweise in 240 ml Kuhmilch) mit Beschwerden. Bei anderen Patienten können schon deutlich geringere Mengen gastrointestinale Symptome auslösen. Zum anderen ist von Bedeutung, wie viel Laktose in den Medikamenten steckt und wie hoch deren Dosierung ist.

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Sogar der Einnahmezeitpunkt kann entscheidend sein. Werden zahlreiche laktosehaltige Präparate auf einmal aufgenommen oder werden sie idealerweise über den Tag verteilt dosiert? Auch die Zusammensetzung der zur gleichen Zeit verzehrten Lebensmittel kann als Einflussfaktor gesehen werden.

Grundsätzlich werden laktosehaltige Lebensmittel bei Laktoseintoleranz besser vertragen, wenn sie gemeinsam mit anderen, vor allem eiweiß- und/oder fetthaltigen Nahrungsmitteln, aufgenommen werden, da dann die Geschwindigkeit des Nahrungsbreis langsamer ist und somit die Kontaktzeit mit der Laktase im Dünndarm länger ist. So ist beispielsweise auch zu erklären, warum flüssige Milchprodukte schlechter vertragen werden als feste. Somit  kann auch die Frage, ob die Präparate nach bzw. zu dem Essen oder auf nüchternen Magen aufgenommen werden, eine Rolle spielen. Entscheidend ist selbstverständlich auch, wie viel Laktose zusätzlich über Lebensmittel aufgenommen wird.

Unterm Strich gilt: Gelangt so viel Laktose in den Magen-Darm-Trakt, dass die individuelle Toleranzgrenze des Patienten überschritten wird, so kommt es bei einem Menschen mit Laktoseintoleranz zu Symptomen.

Im Vergleich zu Lebensmitteln spielt die Laktosemenge in Medikamenten jedoch eine deutlich geringere Rolle. In der Regel ist die Laktosemenge in Kapseln und Co. so niedrig, dass die meisten Patienten mit Laktoseintoleranz diese Arzneimittel ohne Symptome vertragen. Nur ein kleiner Teil der Patienten hat eine so niedrige Laktase-Aktivität, dass bereits die Aufnahme von geringsten Mengen Laktose gastrointestinale Symptome hervorrufen können.

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