Sekundäre Laktoseintoleranz

Diplom-Oecotrophologe (Univ.) Christof Meinhold, Praxis für Ernährungstherapie Meinhold & Team in Köln

Sekundäre Laktoseintoleranz - wann kann es dazu kommen?

Wie erfolgt die Diagnose bei der sekundären Laktoseintoleranz?

Die Diagnose sollte auf jeden Fall mit eine H2-Atemtest gestellt werden. D.h. die Patienten bekommen eine Flüssigkeit zu trinken, die eine definierte Menge an Milchzucker enthält. Danach müssen sie mittels Schlauch in ein Gerät pusten, dass den Wasserstoffgehalt im Atem feststellt. Wasserstoff im Darm entsteht nur dann, wenn Laktose unverdaut in untere Darmabschnitte gelangt. Bei ca. 10 Prozent der Laktoseintoleranten funktioniert dieser H2-Atemtest jedoch nicht, weil Sie keinen Wasserstoff im Darm bilden. Wir nennen diese Menschen H2-Non-Producer.

Wie lange kann eine sekundäre Laktoseintoleranz andauern und woran erkennt man, dass sie vorbei ist?

Nach einer gewissen Zeit kann man nur immer wieder versuchen ob eine kleine Menge Laktose verträglich ist. Oft ist bei den Patienten der Anlass eine Einladung, bei der dann festgestellt wird, dass eine kleine Menge Sahne auf dem Obstkuchen plötzlich verträglich ist. Nach und nach traut der Patient sich dann mehr zu und testete so seine individuelle Laktose-Toleranzgrenze. 

Besteht auch bei der sekundären Laktoseintoleranz die Therapie in der Meidung von Laktose?  

Im Prinzip ist die Meidung der Laktose bei Laktoseintoleranz die erste Wahl. Wurde eine Laktoseintoleranz frisch diagnostiziert, würde man zunächst eine 14tägige Karenzphase einleiten, um den Patienten beschwerdefrei zu bekommen. Danach würde man versuchen den Kostaufbau einzuleiten. Das könnte z.B. mit laktosereduzierten Produkten versucht werden. Allerdings sollte man hier aufpassen, denn die sogenannten "laktosefreien" Produkte sind alle nicht wirklich frei von Laktose, sondern lediglich laktosereduziert. Es gibt empfindliche Patienten, die auch auf die minimalen Laktosemengen in den "laktosefreien Produkten" noch unverträglich reagieren.

Eine andere Möglichkeit wäre es, den Einstieg über Produkte zu versuchen, die natürlicherweise wenig Laktose enthalten. Dazu gehören lange gereifte Käsesorten wie Emmentaler oder Parmesan.

Werden diese Nahrungsmittel gut vertragen, wäre der nächste Schritt, Joghurt auszuprobieren und zwar "normalen" Joghurt, weil dieser in den lebenden Joghurtkulturen auch das Abbauenzym Laktase enthält. Von der Magensäure werden diese lebenden Joghurtkulturen abgetötet und der Joghurt bringt mit der Laktase sein Abbauenzym praktisch selbst mit.

Wichtig ist, dass man keinen probiotischen Joghurt nimmt, denn die probiotischen Joghurte sind ja gerade so konzipiert, dass die lebenden Joghurtkulturen durch die Magen- und Gallensäure eben nicht abgetötet werden und damit können sie das Enzym nicht freisetzen.
Oft ist ein solcher normaler Joghurt nach einer gewissen Karenzphase auch bei Laktoseintoleranz wieder essbar. Es gibt aber auch Patienten, bei denen das nicht so ist und die deshalb auf "laktosefreie Milchprodukte" oder Ersatzprodukte aus Soja, Reis Hafer etc. ausweichen müssen.

Ist die Einnahme des Enzyms Laktase ein Teil der Therapie?

Die Einnahme von Enzympräparaten ist eine gute Lösung für besondere Gelegenheiten. Aber es ist keine Lösung, die Einnahme dieser Präparate an Stelle einer laktosereduzierten Ernährung zu setzen. Weiter laktosehaltig essen wie bisher und einfach immer parallel Laktase einzunehmen klappt in der Regel nicht und es kommt dann trotzdem zu Beschwerden.

Wichtig ist zum einen, eine gewisse Laktose-Karenzzeit einzuhalten und so den Magen-Darmtrakt komplett zu beruhigen, auch um die Schmerzachse zwischen Darm und Gehirn aufzulösen und das Schmerzgedächtnis des Darms einmal zu löschen. Ansonsten kann der Darm nämlich auch bei harmlosen Blähungen, wie sie nach dem Genuss von Zwiebeln, Kohl oder Hülsenfrüchten auftreten können, mit dem Schmerzsignal reagieren.

Danach sollte man sich langsam an die individuell tolerierte Laktosemenge herantasten und nur in Ausnahmefällen auf die Enzymtabletten zurückgreifen.

Herr Meinhold, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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