Sekundäre Laktoseintoleranz

Diplom-Oecotrophologe (Univ.) Christof Meinhold, Praxis für Ernährungstherapie Meinhold & Team in Köln

Sekundäre Laktoseintoleranz - wann kann es dazu kommen?

Sie sagen die primäre Laktoseintoleranz ist eine angeborene Erkrankung. Heißt das, die sekundäre Laktoseintoleranz wird immer durch eine der gerade genannten Erkrankungen ausgelöst?

Bei der Laktoseintoleranz spielen zwei Faktoren eine Rolle. Oft ist es so, dass eine sekundäre Laktoseintoleranz auf bestimmte Vorerkrankungen zurückgeht. Wenn man die Patienten intensiv befragt, stellt sich z.B. oft heraus, dass die Beschwerden erstmals nach einer Reisediarrhö verstärkt auftraten. Übrigens könnte dies auch beim Kleinkind der Fall sein, z.B. als Folge einer massiven Durchfallerkrankung.

Der zweite Faktor ist, dass die Fähigkeit, Laktose mit Hilfe des Enzyms Laktase zu verdauen, im Laufe des Lebens grundsätzlich sinkt, weil Milch naturgemäß bei Erwachsenen nicht mehr zur normalen Ernährung zählt.

Bei vielen Ethnien, z.B. in Südeuropa, Asien und Afrika geht diese Fähigkeit, Milch zu verdauen, sogar grundsätzlich verloren. Dass die Nordeuropäer Milch überwiegend auch im Erwachsenenalter vertragen, weil sie in der Lage sind das Enzym Laktase zu bilden, ist so gesehen eher die Ausnahme.

Aber auch in Nordeuropa ist es so, dass die Fähigkeit zur Milchverdauung mit zunehmendem Alter nachlässt. Viele meiner Patienten mit Laktoseintoleranz sind im Alter zwischen 30 und 45.

Sie erwähnten die Strahlen- und Chemotherapie als Auslöser einer Laktoseintoleranz. Was passiert, wenn diese Behandlungen vorbei sind?

Nach Ende der Strahlen- und Chemotherapie und übrigens auch nach einer akuten Magen-Darm-Grippe, erholt sich die Darmschleimhaut wieder. Im Rahmen des Kostaufbaus, hier würde man mit der "Leichten Vollkost" beginnen, würde man versuchen, unterschiedliche Milchprodukte – nach individueller Verträglichkeit - wieder in den Speiseplan einzuführen.

Bei der Zöliakie kann es übrigens auch passieren, dass die Laktose nach einer gewissen Karenzzeit wieder vertragen wird. Hundertprozentig sicher ist es allerdings nicht, denn es ist auch möglich, dass ein Patient sowohl eine Zöliakie als auch eine altersbedingte oder ethnienbedingte Laktoseintoleranz hat.

Gibt es, abgesehen von der Meidung von Laktose, eine Möglichkeit, die Beschwerden der Laktoseintoleranz zu verhindern?

Es gibt Laktase-Enzympräparate in Tablettenform, die in Apotheken und mittlerweile auch in Drogeriemärkten erhältlich sind. Diese Tabletten sollte man genau parallel zu den laktosehaltigen Speisen einnehmen, also z.B. genau zur Mousse au Chocolat zum Dessert. Im Nachgang eingenommen, wirken die Enzyampräparate nicht mehr ausreichend und es kommt trotzdem zu Unverträglichkeitssymptomen. Zu beachten ist hierbei allerdings die Dosierung, d.h. man sollte z.B. im Vorfeld eines Essens im Restaurant zuhause ausprobieren, welche Dosis die richtige ist, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.

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