Laktoseintoleranz

Dr. Gabriele Geurtzen, Ernährungsberatung und –therapie in Kleve.

Laktoseintoleranz - worin liegen die Ursachen? Was kann man essen?

Es gibt mittlerweile eine breite Palette laktosefreier Produkte. Gibt es bei der Auswahl der Produkte etwas zu beachten? Insbesondere im Hinblick auf Käse?

Laktosearme Milch und laktosearme Milchprodukte sind mit dem Begriff "laktosefrei" gekennzeichnet. Weitere Ersatzprodukte können Sojadrinks und Sojaprodukte darstellen. Es ist aber nicht in jedem Falle unbedingt notwendig, auf alle Milchprodukte zu verzichten oder auf entsprechende Ersatzprodukte zurückzugreifen, da der Milchzucker in sehr unterschiedlichen Mengen in den verschiedenen Milchprodukten wie Milch, Molke, Buttermilch, Creme Fraîche, Joghurt, Sahne, Schmand, Quark, Frischkäse, Käse und Butter enthalten ist. Hier gibt die Austestung der individuellen Verträglichkeit Sicherheit bei der Auswahl.

Insbesondere bei Käse gibt es Unterschiede bei der Verträglichkeit von länger gereiften Käsesorten wie Hart-, Schnitt- oder Weichkäse, oder auch Sauermilchkäse, die deutlich weniger Laktose enthalten und dadurch weitaus besser verträglich sind.

Wie stellt man bei einer Laktoseintoleranz die nötige Vitaminversorgung bzw. Mineralstoffversorgung sicher? 

Bei der Sicherstellung der Vitamin- und Mineralstoffversorgung bei Laktose-Intoleranz spielen hauptsächlich das Vitamin D und das Kalzium eine Rolle. Ob eine Mangelversorgung auftreten kann, hängt auch von der individuellen Verträglichkeit der Milchprodukte ab.

Welche Nahrungsmittel enthalten viel Vitamin D und Kalzium?

Zur Kompensation der Milchprodukte kann zur Sicherstellung der Versorgung natürlich auf die "laktosefreien" Angebote zurückgegriffen werden. Es gibt aber auch spezielle mit Kalzium angereicherte Soja-, Reis- oder Haferdrinks, die eine gute Alternative darstellen können, sowie kalziumhaltiges Mineralwasser und mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte.

Kalziumreiche Gemüsesorten wie z.B. Brokkoli, Lauch, Spinat und Grünkohl, sollten ebenfalls häufiger auf den Tisch kommen. Samen und Nüsse sowie frische Kräuter enthalten zwar auch viel Kalzium tragen jedoch nicht entscheidend zur Kalziumversorgung bei.

Besonders Vitamin D-reich sind z.B. fettreiche tierische Lebensmittel wie Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch aber auch Leber, Eigelb und Käse und Butter. Die Vollmilch enthält dagegen vergleichsweise relativ wenig Vitamin D. Zu den pflanzlichen Vitamin D-Lieferanten zählen Pilze, wie Champignons, Steinpilze oder Pfifferlinge.

Über die Nahrung können etwa 10 bis 20 Prozent des täglichen Bedarfs gedeckt werden. Die Vitamin D-Versorgung hängt allerdings sowohl von der Aufnahme aus den Lebensmitteln als auch zusätzlich von der Intensität und Dauer der Sonneneinstrahlung ab, der die Haut ausgesetzt ist. In Absprache mit dem Arzt können bei einem bestehenden Mangel auch entsprechende Vitamin D- und Kalziumsupplemente eingesetzt werden.

Von Zeit zu Zeit wird diskutiert, ob eine Laktoseintoleranz nicht eigentlich „normal“ sei, da Milch als Kälbernahrung für den Menschen nicht geeignet sei. Wie sehen Sie das Thema?

Es ist richtig, dass die Aktivität des Enzyms Laktase im Laufe der natürlichen Entwöhnung auf etwa 5 bis 10 Prozent absinkt. Das gilt für den Menschen und alle anderen Säugetiere. In Asien und Afrika betrifft dies 90 Prozent oder mehr der Bevölkerung. In Deutschland leiden schätzungsweise 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung unter einer Laktose-Unverträglichkeit. Nur bei Populationen, die seit langer Zeit Milchwirtschaft betreiben, hat sich eine Mutation durchgesetzt, die dazu führt, dass auch noch im Erwachsenenalter genügend Laktase produziert wird. Die Gründe für diese selektive Evolution lassen sich nur vermuten.

Dennoch leisten Milch und Milchprodukte einen wertvollen Beitrag zu unserer Kalzium- und Vitamin D-Versorgung und vor allem die Sauermilchprodukte üben viele positive Effekte auf unsere Gesundheit und unser Darmsystem aus. Es gibt aus meiner Sicht keine Veranlassung, absolut darauf zu verzichten und sie gehören für mich zu einem gesunden Mix.

Frau Dr. Geurtzen, herzlichen Dank für dieses Interview!

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