Hypoallergene Nahrung

Univ. Prof. Dr. Zsolt Szépfalusi, Leiter Bereich Pulmologie & Allergologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien

Hypoallergene Nahrungen – HA-Nahrungen, wann und wozu setzt man sie ein?

Wie unterscheiden sich hypoallergene Nahrungen von normaler Säuglingskost?

Hypoallergene Nahrungen unterscheiden sich nur in Bezug auf das Milchprotein von anderen Nahrungen. Alle anderen Bestandteile werden nicht verändert.

In Bezug auf die Farbe und die Konsistenz gibt es ebenfalls keinen Unterschied zwischen hypoallergenen Nahrungen und normalen Nahrungen. Beim Geschmack kann man jedoch schon Unterschiede feststellen. Im Gegensatz zur  Kuhmilch oder auch der Muttermilch schmecken hypoallergene Nahrungen nicht süßlich, sondern eher bitter. 

Gibt es Kinder die die hypoallergene Nahrung aufgrund des bitteren Geschmacks ablehnen?

Nicht alle Kinder akzeptieren den Geschmack von HA-Nahrungen und oft ist der Wechsel nicht so leicht zu bewerkstelligen. Wenn z.B. das Kind von der Muttermilch auf hypoallergene Nahrung umgestellt werden muss, weil die Mutter nicht mehr stillen kann, kann es vorkommen, dass das Kind zunächst die Nahrung verweigert. Das gilt übrigens auch für den Wechsel von „normaler“ Flaschennahrung zu hypoallergener Flaschennahrung.

Ein geringeres Problem ist die Akzeptanz der HA-Nahrungen bei Kindern, die von Anfang an mit hypoallergenen Nahrungen ernährt werden. Das ist dann der Fall, wenn die Mutter von Anfang an nicht stillen kann oder will und für das Kind ein hohes Allergierisiko besteht.  

Der Bedarf an „hydrolysierten Nahrungen“ ist solange gegeben als die Kuhmilchallergie besteht bzw. als Allergie-Prävention in den ersten 4 bis 6 Monaten. Durch die Einführung der Beikost und der erweiterten Kost nimmt die Bedeutung der hypoallergenen Nahrungs als hauptsächlicher Energieträger ab. Zu beachten ist dann, dass Kuhmilch bzw. Milchprodukte weiterhin gemieden werden müssen oder durch hydrolysierte Nahrungen ersetzt bleiben solange die Kuhmilchallergie bestehen bleibt.

Milch ist im ersten Lebensjahr der Hauptlieferant von Kalzium. Deshalb muss eine Diätberatung die Eltern dabei unterstützen, vor allem die "Kalziumlücken" zu schließen. Mit der Beikost kommen dann andere Kalziumquellen wie Fleisch, Gemüse, kalziumreichen Mineralwässern etc. hinzu.

Die HA-Nahrungen werden aber nur dann eingesetzt, wenn die Mutter nicht stillen kann, auch wenn das Kind ein hohes Allergierisiko trägt?

Muttermilch ist immer die erste Wahl, denn sie hat viele positive Aspekte, die man nicht missen möchte. Z.B. beugt das Stillen Infektionen des Darms und der Atemwege vor. Auch für die Entwicklung des Mikrobioms im Darm des Kindes hat das Stillen eine Bedeutung. Nebst des wichtigen „bondings“.

Die Kuhmilch Allergie verliert sich bei Kindern jedoch auch häufig wieder…

Die echte Kuhmilch-Allergie, egal ob sie sich über die Atemwege, durch Magen-Darm-Probleme, über die Haut oder, als Vollbild, in Form einer Anaphylaxie äußert, zeigt bei den Kindern in der Regel eine Tendenz zur Besserung bis zum gänzlichen Verschwinden. 80 Prozent der Kinder haben die Allergie bis zum 3. Lebensjahr verloren. In der Medizin nennt man das „Spontanremission“, wenn sich der Körper selbst „reguliert“. Einige Kinder verlieren die Kuhmilch Allergie ebenfalls, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt, bei anderen werden die Symptome mit der Zeit milder und ganz wenige Kinder behalten sie ihr Leben lang.

Leider ist es bisher nicht möglich, eine Prognose zu geben, welches Kind zu welcher Gruppe zählt. Man forscht deshalb intensiv daran den Prozess der Spontanremission zu verstehen bzw. an biologischen Markern, mit deren Hilfe eine Prognose möglich ist.

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