Kuhmilchallergie

Prof. Dr. med. Bodo Niggemann, Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

Wenn Kinder Kuhmilch nicht vertragen: Was steckt dahinter?

Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen der Kuhmilch-Allergie, bzw. Nahrungsmittelallergien allgemein und Neurodermitis?

Aus Sicht des Allergologen sind hier Zusammenhänge zu beobachten. Pauschal gesagt, haben durchschnittlich 1/3 der Kinder, die unter einer IgE-vermittelten Neurodermitis leiden, eine Nahrungsmittelallergie. An erster Stelle stehen Kuhmilch und Hühnerei, das sind die wichtigsten Allergene. In gewissen Abstand folgen Erdnuss und Baumnüsse. Danach folgen Weizen und Soja und erst dann kommt der Fisch.

Eine pauschale Aussage bildet jedoch nicht den Kern der Situation ab, denn man findet hier, je nach Alter des Kindes und Schweregrad der Symptome, sehr unterschiedliche Risikopotenziale. Z.B. besteht bei einem 9 Monate alten Säugling mit einem schweren Ekzem ein 90prozentiges Risiko, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln. Dahingegen besteht bei einem 5-jährigen Kind mit leichten Ekzemen in Armbeugen und Kniekehlen lediglich ein Risiko von 10 Prozent oder weniger. Man kann also sagen, je schwerer das Ekzem auftritt und je jünger das Kind ist, desto größer ist das Risiko, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln.

Insgesamt ist es jedoch wichtig zu wissen, dass 2/3 der Kinder, die an Neurodermitis leiden, keine spezielle Diät benötigen.

Wie erfolgt die Diagnose bei Kindern, die Kuhmilch nicht vertragen?

Zur Differenzierung der IgE-vermittelten bzw. nicht IgE-vermittelten Allergie wird der Allergologe zunächst untersuchen, welche Organsysteme betroffen sind und einen Allergietest durchführen. Bei rein gastrointestinalen Reaktionen wird der Allergietest negativ ausfallen. Liegen dagegen Hautsymptome vor und der Allergietest ist positiv, wird das verursachende Allergen versuchsweise aus dem Speiseplan gestrichen bzw. durch die Spezialnahrungen ersetzt. Falls das Nahrungsmittel bisher nicht verabreicht wurde, muss eine kontrollierte orale Provokation (meist unter stationären Bedingungen) durchgeführt werden.

Bei der Laktoseintoleranz, die in den Verantwortungsbereich eines Kinder-Gastroenterologen fällt, wird die Diagnose meist erstellt indem eine Eliminationsdiät durchgeführt wird und man dann beobachtet, ob sich die Symptomatik dadurch verbessert.

Nahrungsmittelallergien, die im Kindesalter auftreten, können sich auch wieder verlieren, gilt dies auch für die Kuhmilch-Allergie bzw. für die IgE-vermittelte und die nicht IgE-vermittelte Kuhmilch Allergie?

Grundsätzlich gilt für beide Formen der Kuhmilch Allergie, dass sie sich im Laufe der Zeit verlieren. Bei der nicht IgE-vermittelten Kuhmilch Allergie, die sich in gastrointestinalen Symptomen äußert, geht dies in der Regel sogar etwas schneller, als bei der IgE-vermittelten Kuhmilch Allergie, oft im Zeitraum zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In beiden Fällen ist eine Toleranz in der Regel nach einigen Jahren wahrscheinlich.

Grob gesagt verlieren 80 Prozent der Kinder mit Kuhmilch Allergie ihre Allergie bis zum Schulalter. Bei diesen 80 Prozent geht die Kurve asymptotisch gegen Null, d.h. die meisten Kinder verlieren die Kuhmilch Allergie innerhalb der ersten zwei bis vier Lebensjahre, etwas weniger Kinder verlieren sie bis zum Schulalter, bis die Kurve ab dem sechsten Lebensjahr langsam gegen Null tendiert.

Es gibt jedoch auch einen kleinen Prozentsatz an betroffenen Kindern, die ihre Kuhmilch Allergie bis ins Jugendlichen- oder sogar Erwachsenenalter behalten. Deshalb gibt es auch Erwachsene mit einer klassischen Kuhmilch-Allergie - was allerdings selten vorkommt.

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