Kuhmilchallergie Kinder

Mandy Ziegert, Medizinische Ernährungsberaterin, DRK Kliniken Berlin

Kuhmilch Allergie bei Kindern: Symptome, Diagnose und Tipps für Eltern

Die Haferdrinks, Mandeldrinks und Kokosdrinks empfehlen Sie also nicht?

Diese Drinks eignen sich nicht als vollwertige Ersatznahrung, denn die darin enthaltenen Eiweiße sind nicht hochwertig genug und auch der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht altersentsprechend und entspricht nicht denen der Milch bzw. der Spezialnahrungen.

Diese Drinks kann man dann nutzen, wenn die Kinder, so ab ca. 12 Monaten, bereits auf ein breiteres Nahrungsmittelangebot zugreifen und schon Getreide, Obst, Gemüse, Fleisch etc. essen. Dann bestehen auch andere Quellen für Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe und die Drinks eignen sich zur Zubereitung von Speisen oder als zusätzliches Getränk. In der Regel enthalten die Drinks bereits Kalziumzusätze und Kalzium ist, neben dem Eiweiß und der B-Vitamine, eines der wichtigsten Inhaltsstoffe der Milch. Grundsätzlich ist das Nährstoffangebot dieser Drinks allerdings nicht so ausgewogen, wie bei der Milch. Sojadrinks sind dann eher eine Alternative, denn sie enthalten hochwertiges Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.  

Im Zusammenhang mit Kuhmilch Allergie ist oft auch die Rede von Laktoseunverträglichkeit. Kann diese Erkrankung auch Kinder betreffen?

Mit der Kuhmilchallergie hat die Laktoseintoleranz nichts zu tun und eine Laktoseunverträglichkeit im Säuglings- und Kleinkindalter ist eher selten. Es handelt sich dabei um einen Enzymmangel, der dazu führt, dass der in der Nahrung vorhandenen Milchzucker nicht aufgespalten wird. Die Symptome manifestieren sich deshalb über den Magen-Darm-Trakt. Die typische Symptome sind hier Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Je älter die Kinder werden, desto häufiger kommt die Laktoseunverträglichkeit allerdings vor – sie kann sich im Kleinkindalter bis zum Erwachsenen manifestieren. Die Ausprägung der Laktoseintoleranz ist individuell unterschiedlich, aber im Gegensatz zur Kuhmilchallergie verschwindet sie nicht.  

Wie wird bei der Kuhmilch Allergie die richtige Diagnose gestellt?

Wichtig bei der Diagnose ist grundsätzlich die Kombination von Arzt und Ernährungsberatung. Der erste Schritt ist die Anamnese. Hier würde man untersuchen, ob es bereits ein allergisches Ereignis, z.B. im Zusammenhang mit einem Milchbrei gab. In Kombination mit der Anamnese erfolgt ein Haut-Pricktest, der die Größe der entstehenden Quaddeln misst, oder ein Bluttest - meist wird eine Blutentnahme vorgenommen.

Für beide Tests gilt allerdings, dass sie nicht 100prozentig aussagekräftig sind, weil sie "nur" eine Sensibilisierung wiederspiegeln. Eine Sensibilisierung auf ein Allergen heißt aber noch nicht zwingend, dass das Kind die betreffenden Speisen wirklich nicht verträgt. Diese Tests sind deshalb nur ein Baustein in der Diagnostik, deswegen würde man noch keine Diät verordnen.

Wichtiger ist die Anamnese, denn wenn es bereits ein allergisches Ereignis gab, kann die Diagnostik das Bild abrunden. Umgekehrt kann man, z.B. bei einer bestehenden Neurodermitis, durch den Pricktest und Bluttest untersuchen, ob zusätzlich eine Nahrungsmittelallergie besteht. Ergeben sich daraus Anhaltspunkte, muss diese Diagnose mit einem Provokationstest überprüft werden – man geht also schrittweise vor.

Wie geht man bei einem Provokationstest vor?

Mit einer Provokation ist schon ein gewisser Aufwand verbunden und sie muss stationär, also im Krankenhaus, erfolgen. Zunächst muss beim Kind ein Zugang gelegt werden, so dass im Falle, z.B. eines allergischen Schocks oder einer schweren Nesselsucht, schnell Medikamente zugeführt werden können. Beim Test auf Kuhmilch gibt man diese zunächst in einer kleinen Menge und macht eine Pause, dann steigert man die Menge und macht wieder eine Pause usw.. Die Pausen sind wichtig, denn die allergische Reaktion tritt nicht immer sofort ein, sie kann auch mit 20 bis 30 Minuten Verzögerung oder später eintreten. Deshalb muss man nach jeder Dosissteigerung entsprechend warten. Eine Provokation auf Milch wird deshalb mindestens 1 bis 2 Stunden dauern, bzw. bei einer doppelblind-placebo-kontrollierten oralen Nahrungsmittelprovokation kann auch ein Krankenhausaufenthalt von bis zu vier Tagen nötig sein.

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