Histaminintoleranz-Diagnose - sinnvolle Tests

Dr. Kai Wiemer zur Histaminintoleranz-Diagnose: Welche Tests sind sinnvoll und welche nicht?

Histaminintoleranz-Diagnose: Welche Tests sind sinnvoll, welche nicht?

Die Diagnose der Histaminintoleranz erfolgt also über das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuches und eine histaminarme Auslassdiät?

Zur Überprüfung der Diagnose führt man einen Re-Expositionstest mit Histamin durch. Das bedeutet, man führt gezielt histaminreichere Nahrungsmittel, die in der Vergangenheit zu Symptomen geführt haben, wieder vorsichtig in den Speiseplan ein und überprüft die Reaktion. Reagiert der Patient mit Symptomen, muss er gezielt auf das betreffende Lebensmittel verzichten oder man arbeitet mit medikamentöser Begleitung.

Bei einem Re-Expositionstest mit Histamin handelt es sich jedoch nicht um einen klassischen Histamin-Provokationstest. Dieser sollte ausschließlich in speziellen Zentren stationär und doppelblind durchgeführt werden. Nur dort ist im Falle einer extrem heftigen Reaktion auf das Histamin die medizinische Betreuung gegeben.

Wann würden Sie einen Re-Expositionstest auf Histamin und wann einen Provokationstest auf Histamin durchführen?

Wenn man anhand des Ernährungs- und Symptomtagebuches keine eindeutigen Anhaltspunkte erhält, ob eine Histaminintoleranz vorliegt, oder nicht, würde man einen Provokationstest auf Histamin durchführen, dies allerdings, wie gesagt, in einer spezialisierten Klinik.

Welche Möglichkeiten der medikamentösen Begleitung gibt es bei der Histaminintoleranz?

Medikamentös könnte man zum einen ein DAO-Präparat in verschiedenen Dosierungen ausprobieren. Zum anderen stehen aus der allergologischen Therapie  Antihistaminika zur Verfügung  und es gibt Patienten, die ihre Symptome damit recht gut kontrollieren können. Auch die Antihistaminika helfen jedoch nicht allen Histaminintoleranz-Patienten.

Wichtig ist, dass die Patienten sich im täglichen Leben nicht zu sehr einschränken und aus Angst vor Beschwerden auf sämtliche Nahrungsmittel verzichten. Ein möglichst breites Spektrum an Ernährungsmöglichkeiten ist wichtig für die Lebensqualität der Patienten. Deshalb ist eine gute Ernährungsberatung durch geschulte Ernährungstherapeuten bei Histaminintoleranz ausgesprochen wichtig.  

Herr Dr. Wiemer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) IMKE REESE, BARBARA BALLMER-WEBER, KIRSTEN BEYER, STEPHAN ERDMANN, THOMAS FUCHS, JÖRG KLEINE - TEBBE, LUDGER KLIMEK, UTE LEPP, MARGOT HENZGEN, BODO NIGGEMANN, JOACHIM SALOGA, CHRISTIANE SCHÄFER, THOMAS WER FEL, TORSTEN ZUBERBIER, MARGITTA WORM, Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), 9 http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie_Histaminunvertr%C3%A4glichkeit2012.pdf

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