Histaminintoleranz Salicylateintoleranz Leaky Gut

Dr. med. Annette Jänsch, Fachärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung "Naturheilverfahren", Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Berlin-Wannsee

Histaminintoleranz, Salicylateintoleranz, Leaky Gut: Zusammenhänge?

Wie sieht die Behandlung der Darmschleimhaut bei Patienten mit einer Kombination aus Histaminintoleranz und Salicylateintoleranz aus?

Wir behandeln die Patienten, die auf Histamin und Salicylate gleichermaßen unverträglich reagieren, bzw. Patienten mit einem Leaky Gut Syndrom mit einer mikrobiologischen Therapie. Zuvor muss allerdings die entsprechende Diagnose des Darmmilieus erfolgt sein.

Die Symptome bei beiden Erkrankungen können ja sehr vielfältig sein und beschränken sich nicht allein auf Asthma. Auch Migräne, Urtikaria oder, bei bestehender Neurodermitis, Juckreizschübe, können auftreten. Andere Patienten klagen über Darmbeschwerden, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfälle. Die Mithilfe der Patienten ist deshalb außerordentlich wichtig.

Bei der Histaminintoleranz gibt es für besondere Gelegenheiten die Möglichkeit einer künstlichen Zuführung von DAO. Dafür gibt es Präparate, die histaminabbauende Enzyme enthalten. Auch ein klassisches Antihistaminikum kann, die Symptome unterdrücken, wenn man es zum Essen einnimmt.

Bei der Salicylateintoleranz gibt es eine solche Möglichkeit nicht. Hier kann man lediglich die Dosis des zugeführten Salicylats reduzieren oder ganz meiden, aber die Salicylate-Intoleranz ist ja glücklicherweise eine weitaus seltenere Problematik als die Histaminintoleranz.

Und wie sieht die mikrobiologischen Therapie bei einer Kombination aus Histaminintoleranz, Salicylateintoleranz und Leaky Gut Syndrom aus?

Eine mikrobiologische Therapie basiert auf einer Analyse der Darmmikrobiota. Dafür wird eine Stuhlprobe des Patienten von einem spezialisierten Labor untersucht. Ziel ist es, Art und Anzahl der gesunden Darmkeime zu ermitteln. Diese Untersuchung erlaubt z.B. eine Aussage zum Zustand der Säuerungsmikrobiota, zum pH-Wert, zu den schleimbildenden Bakterien und zu den immunaktiven Bakterien. Gleichzeitig wird untersucht, ob krankmachende Bakterien, z.B. eiweißverdauende gasbildende Bakterien oder histaminbildende Bakterien oder Candidapilze  in hoher Zahl vorhanden sind.

Für eine erfolgreiche Therapie der Beschwerden ist die Behandlung des Darms ausgesprochen wichtig. Die Therapie richtet sich danach, was man im Darm des Patienten vorfindet. Fehlen Bakterien kann man dies z.B. durch Präparate behandeln, die die entsprechenden lebenden Bakterien enthalten, z.B. Laktobakterien, Bifidobakterien oder immunaktive Keime. Weiter kann man die Ernährungsempfehlungen für den Patienten so gestalten, dass verstärkt Präbiotika enthalten sind. Präbiotika sind Ballaststoffe, die den „guten“ Bakterien als Nahrung dienen und so deren Vermehrung fördern. Das Leaky Gut Syndrom behandeln wir gegebenenfalls mit der Verordnung einer glutenfreien Kost und auch Heilerde und die Gabe von Spurenelementen wie Zink hat sich bewährt.

Hohe Mengen histaminreicher oder stark salicylatehaltige Nahrungsmittel werden die Patienten zwar nicht essen können, das wird immer ein Schwachpunkt bleiben. Aber die verträgliche Dosis wird steigen.

Frau Dr. Jänsch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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