Histaminintoleranz Salicylateintoleranz Leaky Gut

Dr. med. Annette Jänsch, Fachärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung "Naturheilverfahren", Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Berlin-Wannsee

Histaminintoleranz, Salicylateintoleranz, Leaky Gut: Zusammenhänge?

Wie wirkt sich das Leaky Gut Syndrom aus?

Die Darmschleimhaut hat eine sehr spezialisierte „Schleusenfunktion“. Einerseits muss sie Nährstoffe in den Körper hineinlassen. Andererseits hat sie eine Barriere-Funktion und muss krank machende Stoffe oder z.B. Allergene vom Körper fernhalten. Zusätzlich sezerniert die Darmschleimhaut in das Innere des Darmes hinein, d.h. es werden Sekrete abgesondert. Maßgeblich für die Schleusenfunktion der Darmschleimhaut sind sogenannte „Tight Junctions“ die sehr störanfällig sind. Toxische oder chemische Stoffe können sie in ihrer Funktion beeinträchtigen.

In unmittelbarer Nähe zur Darmschleimhaut, d.h. im darunter liegenden Bindegewebe, befinden sich Mastzellen, die Histamin produzieren. Kommen Stoffe durch die Darmwand ins Bindegewebe, die dort nicht hingehören, gehört die Freisetzung des, Histamins durch die Mastzellen zu den ersten unmittelbaren Reaktionen des Körpers. Dabei handelt es sich um eine physiologische Reaktion die schädliche Eindringlinge, wie z.B. Antigene, eliminieren soll. Durch das freigesetzte Histamin aus den Mastzellen werden dann weitere Kaskaden ausgelöst, die z.B. zu allergieähnlichen Symptomen führen können.

Ist die Darmschleimhaut zu durchlässig, kann dies gesamtkörperliche Reaktionen auslösen, so dass bei den Patienten die vielfältigsten Symptome auftreten.

Was müssen Patienten beachten, die gleichzeitig eine Unverträglichkeit von Histamin und Salicylaten haben?

Für die Patienten ist die Kombination aus Histaminintoleranz und Salicylate-Intoleranz sehr schwierig, denn Sie müssen ja beide Unverträglichkeiten in ihrem Speiseplan berücksichtigen.

Zur Therapie gehört bei uns die Empfehlung einer entsprechenden Diät, wir behandeln aber immer auch die Darmschleimhaut mit.

Das Problem ist: Es gibt keinen Beweis für eine reine Salicylatintoleranz. Dementsprechend ist eine reine Salicylatreduktion im Sinne einer salicylatarmen Kost nicht sinnvoll, da man selbst bei extrem salicylatreicher Kostform nicht auf mehr als 6mg pro Mahlzeit kommt. Daher sind auch entsprechende Listen mehr als fraglich, denn dort werden Mengen pro 100g und nicht auf die Verzehrsmengen bezogen, angegeben. Da die Schwellendosis bei den Provokationen mit ASS mindestens bei 58mg liegt, also deutlich über 6 mg, ist eine entsprechende Diät nicht nachzuvollziehen. Es gilt deshalb die individuelle Verträglichkeitsgrenze des Patienten zu ermitteln.

Wie stellen Sie fest, dass zusätzlich zur Histaminintoleranz eine Salicylate-Intoleranz besteht?

Das merkt man wiederum nur durch die Anamnese, in der man ergründet, wodurch die Symptome ausgelöst werden.

Ein Beispiel: Wenn ein Asthma-Patient unter häufigen Asthmaanfällen leidet, die insbesondere nach dem Genuss von Rotwein auftreten, man ihm eine histaminarme Kost empfiehlt, die er auch einhält und dann tritt ein asthmatischer Vorfall nach dem Genuss von Himbeeren auf, kann dies ein Hinweis auf eine Salicylate-Intoleranz sein. Beerenobst ist sehr reich an Salicylaten!

Grundsätzlich empfehlen wir betroffenen Patienten deshalb eine Ernährungsberatung und eine Beschäftigung mit dem Thema. Menschen mit Histaminintoleranz und Salicylate-Intoleranz müssen eine gewisse Sensibilität für verträgliche Nahrungsmittel entwickeln und manchmal auch „Detektiv in eigener Sache“ sein.

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