Histaminunverträglichkeit

Dr. Matthias Robert, Internist und Ernährungsmediziner in Berlin

Was ist dran an Histaminunverträglichkeit? Das umstrittene Krankheitsbild!

Bei welchen Beschwerden gehen Sie davon aus, dass bei einem Patienten eine Histaminunverträglichkeit vorliegt?

Die meisten Patienten kommen mit diffusen Beschwerden in meine Praxis. Das Beschwerdespektrum reicht von Verdauungsbeschwerden über Hautprobleme bis zu Atembeschwerden. Auch Müdigkeit, Erschöpfung etc. sind Symptome, die mir häufig genannt werden. Oft haben die Patienten im Internet recherchiert und vermuten eine Histaminunverträglichkeit. Bei manchen Patienten wurde auch bereits die DAO bestimmt und man hat den Patienten daraufhin die Diagnose Histaminunverträglichkeit gestellt.

Der erste Schritt für mich ist dann zu überprüfen, ob das Histamin auch tatsächlich die Ursache für die Beschwerden des Patienten ist. In vielen Fällen steckt eine andere Nahrungsmittelunverträglichkeit dahinter, z.B. eine Fruktosemalabsorption.

Auch echte Nahrungsmittelallergien, z.B. auf Nüsse, oder multiple Nahrungsmittelallergien sind nicht selten. Eher selten konnte ich unter meinen Patienten eine Zöliakie oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung als Grunderkrankung finden.

Wie gehen Sie vor bei der Diagnose einer Histaminunverträglichkeit?

Eine Maßnahme, die ich bei einer gewissen Beschwerdekonstellation immer durchführe, insbesondere wenn der Patient berichtet, dass er Brot und Nudeln nicht verträgt, ist der Test auf Gewebstransglutaminase-Antikörper, um eine Zöliakie auszuschließen. Dabei ist zu beachten, dass es auch eine Glutensensitivität gibt, bei der die gleichen Beschwerden auftreten wie bei der Zöliakie, ohne dass sich Gewebstransglutaminase-Antikörper im Serum nachweisen lassen und ohne dass es zu Veränderungen der Darmschleimhaut kommt. Weiter werden echte Allergien und andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption ausgeschlossen. Übrigens: Auch eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms kann die Ursache für Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sein.

Berichtet der Patient von Symptomen an der Haut oder gehäuft roten Augen und/oder Gelenkschmerzen, überprüfe ich den Status der antinukleären Antikörper, das sind Antikörper, die sich gegen Bestandteile des Zellkerns richten. Auch eine Blutsenkung kann sinnvoll sein, um zu überprüfen, ob eine chronische Entzündung die Ursache der Beschwerden ist. Manchmal haben Hautveränderungen aber auch nichts mit der Ernährung zu tun, obwohl die Patienten den Eindruck haben, dass sich die Irritationen im Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln zeigen. Zwei aktuelle Fälle, bei denen zunächst eine Histaminunverträglichkeit vermutet wurde, haben sich z.B. als Rosazea erwiesen.

Verdichtet sich der Verdacht auf Histaminunverträglichkeit, z.B. wenn die Beschwerden im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auftauchen, ist ein oraler Histamin-Provokationstest angeraten, der stationär durchgeführt werden muss.

Übrigens: Ein Hauttest im Rahmen des Prick-Tests ist zur Diagnose der Histaminunverträglichkeit nicht geeignet.

Wie diagnostizieren Sie eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darms?

Eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darmes oder auch Syndrome of Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO), lässt sich durch einen H2-Atemtest diagnostizieren, ähnlich wie bei den Tests auf Fruktosemalabsorption oder Laktoseintoleranz. Auch die Beschwerden ähneln denen der Fruktosemalabsorption oder Laktoseintoleranz, denn auch hier gelangen Nahrungsbestandteile in den Dünn- und Dickdarm und werden dort durch Bakterien vergärt. Die Folge sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle etc..

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