Histaminintoleranz Schweiz SIGHI

Histaminintoleranz Schweiz (SIGHI)

Histaminintoleranz: Die SIGHI bietet Betroffenen Informationen und Hilfe!

Welche Austauschmöglichkeiten bietet die SIGHI ihren Mitgliedern und welche Themen bewegen die Betroffenen aus Ihrer Sicht?

Wir sammeln die Zuschriften unserer Leser, werten sie aus und lassen die redaktionell aufbereiteten Informationen geordnet in die SIGHI-Website einfließen. Zusätzlich findet man auf der Website eine Linksammlung zu Internetforen. Auch führen wir eine Liste von Selbsthilfegruppen und sind dabei behilflich, neue Gruppen ins Leben zu rufen. Die Hauptthemen sind seit jeher die gleichen:

  • Verträglichkeit von Nahrungsmitteln, Nahrungsergänzung, Medikamenten, Kosmetika etc.
  • Wo findet man einen Arzt, der sich damit auskennt?
  • Fragen zur Diagnostik und zur Interpretation von Testresultaten.
  • Fragen zu Therapiemöglichkeiten, insbesondere zu alternativmedizinischen Methoden. Viele Betroffene haben wegen ihrer Medikamentenunverträglichkeit und jahrelanger ärztlicher Fehlbehandlungen eine große Abneigung gegen die evidenzbasierte Medizin entwickelt. Diese Betroffenen sträuben sich jetzt fataler Weise gegen Arzneimittel, obwohl dies nebst der Eliminationsdiät die wirksamste Therapie wäre, wenn man die richtigen Präparate wählen würde.
  • Rat für besondere Situationen wie z.B. Zahnarztbesuch, Reisen, Restaurantbesuch
  • Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen, Besprechungen komplexer und unklarer Einzelfälle
  • Hilferufe von überforderten neu diagnostizierten Betroffenen, denen die Diagnose ohne taugliche Instruktionen mitgeteilt wurde und die jetzt erst mal am Berg stehen und nicht mehr weiter wissen.
  • In Foren haben einzelne auch das Bedürfnis, sich lediglich von der Seele zu schreiben, wie schlecht es ihnen heute wieder geht. Sie suchen eher nach Anteilnahme und Mitleid von Leidensgenossinnen als nach hilfreichen Ratschlägen, nach dem Motto "Geteiltes Leid ist halbes Leid".
  • Es tut aber auch sehr gut, zu sehen, dass hunderte andere Betroffene mit den gleichen Problemen kämpfen und die gleichen Erfahrungen machen. In einer Zeit, wo man immer noch an Ärzte gerät, die einem ernsthaft einreden wollen, es gäbe so eine Krankheit gar nicht, das sei nur eingebildet, braucht man diese Bestätigung.

Die Frische ist bei der Histamin-Intoleranz ein Hauptkriterium für die Verträglichkeit. Sind deshalb industriell verarbeitete Fertigprodukte für Betroffene eher unverträglich?

Großindustrielle Fertigung muss den Histamingehalt nicht unbedingt ungünstig beeinflussen. Dank hohen Hygienestandards und kurzen Verarbeitungszeiten kann im Gegenteil der Histamingehalt teils sogar tiefer liegen. Trotzdem haben Sie Recht, dass erfahrungsgemäß industrielle Fertigprodukte tendenziell schlechter verträglich sind als frische, selbst zubereitete Mahlzeiten aus unverarbeiteten Grundnahrungsmitteln. Vielleicht auch weil der Vitamingehalt niedriger und die Lagerdauer länger sind, vor allem aber, weil viele unverträgliche Zusatzstoffe enthalten sind. Unverträglich sind z.B. bestimmte Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Verdickungsmittel, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker.

Der Histamingehalt ist leider auf den Produktdeklarationen nicht ausgewiesen. Wie sehen Sie die Bemühungen der Industrie in Bezug auf die Produktion "histaminarmer" Produkte und was würden Sie sich wünschen?

Histamin ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Histidin (ein Eiweissbaustein), das durch mikrobielle Aktivität entsteht; besonders beim Verderb und bei gewollten Fermentationsprozessen. Die Deklaration des Histamingehaltes macht daher nur wenig Sinn.

Erstens kann der Histamingehalt eines Produktes vom selben Hersteller von Charge zu Charge stark variieren und er ist auch sonst keine Konstante, sondern steigt während der Lagerung weiter an.

Zweitens hängt die Verträglichkeit bei weitem nicht nur vom Histamingehalt ab. Lebensmittel enthalten auch andere biogene Amine, welche als konkurrierende Substrate den Histaminabbau "ausbremsen" oder teils selber histaminähnliche Wirkungen haben. Etliche Lebensmittel enthalten auch Histaminliberatoren, welche körpereigenes Histamin unspezifisch aus Mastzellen freisetzen, oder Stoffe welche die Histamin abbauenden Enzyme hemmen. Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl noch nicht identifizierter Stoffe, weshalb man die Verträglichkeit eines Lebensmittels nicht laboranalytisch messen kann. Uns bleibt wohl nur übrig, diejenigen Lebensmittel zu meiden, von denen wir aus Erfahrung oder aus der Theorie wissen, dass sie Histamin bilden oder auf andere Weise unverträglich sein können.

Die meisten Problemzutaten waren zu Urgroßmutters Zeiten hierzulande noch ungebräuchlich. Die unverträglichen Zusatzstoffe werden von den Lebensmitteltechnologen erst seit wenigen Jahren oder Jahrzehnten eingesetzt und man findet heute kaum noch etwas, das frei davon ist. Zudem sind die Zutatenlisten industrieller Produkte meist sehr lang, was die Wahrscheinlichkeit, ein Produkt ohne unverträgliche Zutaten finden zu können, gegen Null sinken lässt. Ich wünschte mir, dass diejenigen Zusatzstoffe, die für Unverträglichkeitsreaktionen bekannt sind, wieder aus dem Sortiment der Lebensmittelläden verschwinden. Die Zutatenlisten sollten möglichst kurz gehalten werden, mit nur den authentischen Zutaten, die traditionell hinein gehören.

Uns hilft es beispielsweise nichts, dass die Milchprodukteregale immer länger werden und eine immer größere Auswahl aus allen erdenklichen Geschmacksrichtungen bieten, solange ausnahmslos jeder Fruchtquark mit dem für uns unverträglichen Zitronensaftkonzentrat „aufgepeppt“ und jedes Milchgetränk, jede Creme und jede Frischkäsezubereitung mit E407 verdickt oder mit Konservierungsstoffen lange haltbar gemacht wird - um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. So bleibt auch bei der größten Auswahl kaum ein Produkt übrig, das für uns verträglich wäre. Selbst bei Produkten, die speziell für Personen mit Allergien und Unverträglichkeiten entwickelt werden, schenkt man den Histaminliberatoren noch keine Beachtung.

Auch das "Essen gehen" ist für Menschen mit einer Histamin-Intoleranz ein schwieriges Unterfangen. Wie sehen Sie hier die Entwicklung auf Seiten der Gastronomie?

Der Restaurantbesuch ist immer noch ein kompliziertes und risikoreiches Unterfangen. Sicher ist: Die Unterschiede sind riesig. Von Restaurants, wo ein diskreter Hinweis an den Kellner genügt, um sehr zuvorkommend mit einem sehr kreativen mehrgängigen Festmahl verwöhnt zu werden, bis zu gestressten Köchen, die nicht auf Extrawünsche eingehen können, sich nicht an die Diätvorschrift halten oder sich trotz gesetzlicher Deklarationspflicht beharrlich weigern, Angaben zu den Zutaten zu machen, findet man alles.

Zwar gibt es immer mehr Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten, so dass heute immerhin ein gewisses Verständnis da ist, dass es Gäste gibt, die nicht alles essen können. Abgesehen davon kann ich aber keine klare Entwicklung feststellen. Nach meiner Erfahrung kommt es hauptsächlich darauf an, was für ein Lokal man sich aussucht und zu welchem Zeitpunkt man dort sein Essen bestellt. Je nach Gastrokonzept und Philosophie des Lokals kann man besser oder schlechter auf individuelle Wünsche eingehen. Meist gibt das Personal sich Mühe und macht, was betrieblich möglich ist. In Randzeiten hat der Koch oft genug Zeit, um mit dem Gast zu besprechen, was sich machen lässt. Kommt man aber am Muttertag mittags mit der gesamten Verwandtschaft in ein übervolles Lokal, muss man es gar nicht erst versuchen.

Zu meinem Erstaunen hat das in Spanien trotz sprachlicher Hürden immer viel besser geklappt als in der Schweiz. Einmal warf ein Kellner sogar nur einen flüchtigen Blick auf meine Gastrocard, sagte sofort, ohne sie zu lesen: "¡Ah, muy complicado!" und verschwand, ohne dass ich mit ihm das Menü hätte besprechen können. Nach zwanzig Minuten kam er wieder und servierte mir eine Mahlzeit, die auch tatsächlich fehlerfrei zubereitet und verträglich war. Ich weiß nicht, ob mein Eindruck repräsentativ ist, aber in Spanien (Andalusien, Kanarische Inseln) scheint mir das Restaurantpersonal sehr kompetent zu sein, während ich in der Schweiz überall den Eindruck erhalte, man hätte noch nie zuvor von der Histamin-Unverträglichkeit gehört.

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