Histaminintoleranz

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West.

Histaminintoleranz: Was passiert im Körper? Symptome? Diagnostik?

Wie erfolgt die Diagnose einer Histaminintoleranz?

In der Literatur wird zur Diagnose der Histaminintoleranz zunächst ein Basisbefund von Histamin und DAO im Blut empfohlen, gefolgt von einer zweiwöchigen histaminarmen Diät. Eine erneute Messung der genannten Werte soll dann anhand der Veränderungen der Befunde die Diagnose einer Histaminintoleranz ermöglichen. In der Praxis hat sich für uns allerdings herausgestellt, dass wir mit diesen Befunden relativ wenig anfangen können.

Hinzu kommt, dass der DAO-Spiegel im Blut nicht linear mit der klinischen Symptomatik korreliert. Es gibt Patienten, die einen nur gering reduzierten DAO-Wert haben, der nur knapp unter der Norm liegt und dennoch haben sie massive Beschwerden. Andere Patienten weisen lediglich die Hälfte des normalen DAO-Spiegels auf, haben aber so gut wie keine Probleme. Das im Blut messbare Histamin besitzt per se keinerlei Aussagekraft.

Deshalb arbeiten wir in erster Linie klinisch-anamnestisch mit der Frage nach reproduzierbaren Zusammenhängen mit definierten Nahrungsmitteln und Getränken. Der Patient kann am besten sagen, welche Nahrungsmittel von welchem Hersteller mit welchem Reifegrad und in welcher Menge ihm Probleme verursachen und welche nicht. In diesem Zusammenhang ist auch die Unterstützung durch eine Ernährungsberatung hilfreich. Dabei wird der Patient auf potenzielle Histaminquellen hingewiesen und er wird in Bezug auf die Auswahl der Nahrungsmittel und die individuell verträgliche Menge beraten. Der Patient führt dafür ein Ernährungstagebuch und das Ergebnis ist dann keine standardisierte histaminarme Diät, sondern ein individueller Ernährungsplan, der nur die wirklich unverträglichen Nahrungsmittel ausschließt.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es generell? Und: Was raten Sie Patienten, die akute Symptome haben, z.B. Bauchschmerzen, Meteorismus etc.?

Grundsätzlich gilt, Nahrungsmittel und Getränke, die nachweislich Beschwerden verursachen, nur in geringen Mengen zu sich zu nehmen (cave: Summationseffekt) bzw. zu meiden. Weiter kann DAO in Kapselform zum Essen eingenommen werden, auftretende Symptome können mit einem Antihistaminikum behandelt werden.

Manche Patienten mit Histaminintoleranz berichten, dass ihnen das DAO in Kapselform nicht wirklich hilft. Woran kann das liegen?

Die Evidenz zur DAO-Supplementation ist nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht vollständig zufriedenstellend. Auch mir berichten die Patienten, dass sich ihre Beschwerden durch das Enzym zwar teilweise verbessern, aber nicht vollständig verschwinden.

Man kann nicht zwangsläufig voraussetzen, dass das zugeführte Enzym die gleiche biologische Aktivität entfaltet wie beim endogenen Enzym, d.h. dem im Körper erzeugten Enzym. Auch bei jeder Form von Magnesiumsupplementation wird das Magnesium vom Körper anders resorbiert und entwickelt andere Stoffwechselaktivitäten, als das natürlich über die Nahrung zugeführte Magnesium. Auch hier sollte der Patient einfach ausprobieren, was für ihn erfolgreich ist.

Frau Dr. Zieglmayer, herzlichen Dank für das Gespräch!

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