Essen Histaminintoleranz HIT

Dipl. oec. troph. Ulrike Breunig, Ernährungsberatung und –therapie in München

Histaminintoleranz (HIT) – was kann man noch essen?

Bei manchen Menschen mit einer Histaminintoleranz (HIT), aber nicht bei allen, helfen Tabletten, die das Enzym Diaminooxidase enthalten. Wovon hängt die Wirksamkeit ab?

Es gibt einige Stoffe, die den Abbau von Histamin hemmen, indem sie das Enzym Diaminoxidase in ihrer Wirkung schwächen. Diese Stoffe nennt man DAO-Blocker. Dazu zählt man Alkohol, schwarzen und grünen Tee, Kakao sowie Energy Drinks, die Theobromin enthalten (Bestandteil der Kakaopflanze).

Da die Diaminooxidase für den Abbau von Histamin Zeit braucht, ist es wichtig, DAO-Blocker nur in geringen Mengen zu sich zu nehmen, um die Wirkung der Enzymstabletten nicht auszuhebeln. Insbesondere Alkohol ist an dieser Stelle zu nennen, da er gleichzeitig auch die Aufnahme von Histamin in den Darm beschleunigt, sodass dem Enzym auch noch weniger Zeit bleibt, Histamin abzubauen. Zahlreiche Medikamente wirken auch als DAO-Blocker wie z.B. Schlaf- und Schmerzmittel, hustenlösende Arzneimittel und bestimmte Medikamente gegen Rheuma.

Enzympräparate können ihre Wirkung nur im Darm und nur vorbeugend entfalten. Die Einnahme der Diaminoxidase ist wirkungslos gegenüber bereits aufgenommenem Histamin. Es nützt daher wenig, erst dann das Enzym einzunehmen, wenn man nach einer Mahlzeit Symptome verspürt. Es empfiehlt sich die Einnahme ca. 15 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit. Enzympräparate sind auch wirkungslos gegen Histamin, das im Körperinneren freigesetzt wird z.B. durch Allergene, Histaminliberatoren oder unverträgliche Medikamente.

Man könnte den Eindruck bekommen, dass das Krankheitsbild Histaminintoleranz (HIT) unter Experten umstritten ist. Ist dieser Eindruck richtig? Wenn ja, woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Anhand der bisherigen Datenlage steht eine verlässliche Laborbestimmung im Blut oder Serum zur Diagnose nicht zur Verfügung. Die Diagnose kann letztlich erst nach reproduzierbarer klinischer Symptomatik bei der Provokationstestung mit Histamin gesichert werden. Hierzu gibt es noch wenig Datenmaterial.

Grundsätzlich sollte die Diagnose Histaminintoleranz erst nach Ausschluss anderer Erkrankungen und relevanter Differentialdiagnosen gestellt werden. Entscheidende Hinweise für eine Histaminunverträglichkeit können das ernährungstherapeutische Anamnesegespräch sowie das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuch liefern.

Beobachtungen aus der Praxis deuten darauf hin, dass die Beschwerden einer Histaminintoleranz vorwiegend mit einer gestörten Darmbarriere zu tun haben, denn Histamin macht die Darmbarriere durchlässiger. Problematisch ist nicht nur das mit der Nahrung aufgenommene Histamin, sondern auch Substanzen in der Nahrung, die die Mastzellen im Darm dazu anregen, ihr gespeichertes körpereigenes Histamin freizusetzen. Die Symptome werden zwar über das Histamin vermittelt, sie kommen aber nicht über die Nahrungsbestandteile selbst. Die Symptome entstehen aus einer Art  körpereigener Folgereaktion.

Sicher gibt es individuell unterschiedliche Empfindlichkeiten auf Histamin und andere biogene Amine und sicher gibt es auch individuelle Unterschiede in der Abbaugeschwindigkeit von Histamin. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Histamin keine so große Rolle mehr spielt, wenn Betroffene unter ernährungstherapeutischer Anleitung lernen so zu essen und zu trinken, dass ihr Verdauungssystem wieder in Ordnung kommt. So betrachtet könnte die Histaminunverträglichkeit eher die Folge einer anderen Störung im Körper sein als ein eigenständiges Krankheitsbild.

Frau Breunig, herzlichen Dank für dieses Interview!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.