Essen Histaminintoleranz HIT

Dipl. oec. troph. Ulrike Breunig, Ernährungsberatung und –therapie in München

Histaminintoleranz (HIT) – was kann man noch essen?

Die Histaminintoleranz (HIT) gehört zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sie kommt zwar nicht so häufig vor wie, z.B., die Laktoseintoleranz, doch die Zahl der Menschen, die auf Histamin „unverträglich“ reagieren, steigt stetig an. Wie bei allen Allergien und Unverträglichkeiten ist auch bei der Histaminintoleranz (HIT) die Meidung von histaminreichen Lebensmitteln und Histaminliberatoren der erste Ratschlag, den Histaminintolerante bekommen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn Histamin ist nicht so leicht "zu fassen"! MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. oec. troph. Ulrike Breunig, Ernährungsberatung und –therapie in München über "Histamin-Verstecke", histaminarme und histaminreiche Nahrungsmittel und was man bei HIT essen darf.

Frau Breunig, dass Histamin in gereiften Lebensmitteln wie Salami, Käse, Essig, Konserven etc. reichlich vorhanden ist, lässt sich für Menschen mit einer Histaminintoleranz noch gut nachvollziehen und diese Lebensmittel kann man meiden. Schwieriger wird es bei den natürlichen Nahrungsmitteln. Was darf man essen, was lieber nicht?

Außer Histamin können andere biogene Amine die Beschwerden einer Histaminintoleranz hervorrufen. Dies muss bei einer histaminarmen Ernährung berücksichtigt werden. Die folgenden Empfehlungen sollten auch nur im Rahmen einer individuellen und fachkompetenten Ernährungsberatung zur Anwendung kommen.

Gemüse in seiner natürlichen Form ist überwiegend histaminarm. Ausnahmen bilden Spinat, frische Tomaten oder Tomatensoße aus frischen Tomaten, Dosentomaten, Auberginen, Avocado, Oliven und Pilze sowie milchsauer eingelegtes Gemüse wie z.B. Essiggurken, rote Bete oder Sauerkraut.

Frisches Obst stellt kein Problem dar, sofern folgende Obstsorten gemieden werden: Bananen, Ananas, Orangen, Grapefruit, sämtliche Zitrusfrüchte, Kiwi, Himbeeren und Erdbeeren.

Muskelfleisch ist von Natur aus arm an biogenen Aminen, enthält jedoch einen hohen Anteil an Histidin, die sich mit zunehmender Lagerung und Konservierung zu Histamin umbaut. Dadurch ist gelagertes, konserviertes Fleisch sehr histaminreich und schlecht verträglich. Nicht verzehrt werden sollten rohe, gepökelte und geräucherte Fleischwaren z.B. Salami, Schinken (Parma, Serrano), Landjäger, Leberwurst, Cervelatwurst, Bündner Fleisch usw..

Keine Probleme dagegen bereiten tiefgekühltes und frisches Fleisch, d.h. nicht abgepacktes Fleisch, sowie frisch hergestelltes Hackfleisch, frisches oder tiefgekühltes Geflügel und frische Eier. Verträgliche Wurstsorten sind Frischwurstaufschnitt z.B. Schinkenwurst, Bierschinken, gekochter Schinken oder Fleisch in Aspik.

Fisch ist nicht - wie oft vermutet - pauschal histaminreich. Bei fangfrischem oder tiefgekühltem "weißen" Fisch muss man sich keine Gedanken machen. Reich an Histidin sind allerdings Thunfisch, Makrele und Sardinen, die man unbedingt meiden sollte. Ebenso zu meiden sind Räucherfisch, Fischkonserven wie Matjes, Rollmops, Hering usw.. Meeresfrüchte und Schalentiere gehören zu den Histaminliberatoren, weshalb sie selbst in frischem Zustand unverträglich sein können.

Zu den histaminarmen Milchprodukten gehören Frischkäse, Mozzarella, Ricotta, junge Schnittkäsesorten wie z.B. junger Gouda, Butterkäse sowie Quark, Schichtkäse, Hüttenkäse, Joghurt, Milch, Buttermilch und Sahne. Zu meiden sind Hartkäsesorten wie Parmesan, alter Gouda, Emmentaler, Harzer, Tilsiter, reifer Camembert oder Roquefort bzw. Schimmelkäse.

Bei Milchersatzprodukten ist daran zu denken, dass Reisdrink nicht ganz histaminfrei ist, weil sie durch ein Fermentationsverfahren leicht süsslich gemacht wird. Ähnlich verhält es sich vermutlich bei Hirse- und Haferdrink. Kokosmilch ist verträglich. Sojamilch ist ungeeignet.

Brot und Getreideprodukte verursachen in der Regel keine Beschwerden. Allerdings muss man wissen, dass es bei sehr frischen Backwaren zu einem unruhigen Bauch kommen kann. Brot vom Vortag, getoastetes Brot sowie Zwieback, Toastbrot und Knäckebrot sind am besten verträglich. Grobe Brote wie Schrotbrote oder Pumpernickel sind grundsätzlich schwerer verdaulich und können auch bei Gesunden zu Bauchbeschwerden führen. Roggensauerteigbrote führen hin und wieder zu Beschwerden. Bei vorliegendem Durchfall empfiehlt es sich, den Ballaststoffgehalt durch den Einsatz von Auszugsmehlen zu senken.

Kartoffeln, Reis und Nudeln können problemlos verzehrt werden. Aufpassen muss man bei Fertig- oder Halbfertigprodukten. Kartoffelgerichte enthalten häufig Geschmacksverstärker, die fast immer Beschwerden hervorrufen.

Speisefette und Öle stellen in der histaminarmen Ernährung kein Problem dar.

Von den Süßwaren sind unverträglich dunkle Schokolade und andere mit Kakao hergestellte Produkte sowie Carobpulver. Weiße Schokolade geht deutlich besser. Zu meiden sind außerdem Nusscremes, Erdbeermarmelade sowie Marmelade aus unverträglichen Obstsorten und Knabberartikel mit Glutamat. Was man durchaus essen kann sind Lakritze, Reiswaffeln, Pudding außer Schoko und Nuss, Eis außer Walnusseis sowie Marmelade aus geeigneten Früchten.

Zu den unbedenklichen Getränken gehören Mineralwasser, Kräuter-, Früchtetee sowie Apfel-, Johannisbeer-, Trauben- und Kirschsaft. Kaffee und schwarzer Tee sollten generell nur in Maßen getrunken werden. In der histaminarmen Kost sollte man meiden Kakao, Fruchtsäfte aus Zitrusfrüchten und unverträglichen Obstsorten sowie Ananassaft und Multivitaminsaft.

Alkoholische Getränke, v.a. Rotwein und Sekt bereiten nahezu immer Beschwerden. Auch Bier und Weißwein sind oft nur in geringen Mengen symptomfrei verträglich. Am besten tolerieren Betroffene Spirituosen wie Kräuterliköre, Korn, Grappa, Wodka und Whisky in geringen Mengen.

Wie sieht es aus bei einer Histaminintoleranz mit der Verträglichkeit von Kräutern und Gewürzen aus? Was ist erlaubt, was ist verboten?

Erlaubte Kräuter und Gewürze sind Salz, Pfeffer, frische oder tiefgefrorene Kräuter, Apfelessig, Essigessenz und Gewürzmischungen bzw. Gemüse- oder Fleischbrühe frei von Glutamat, frei von Hefe und Zusatzstoffen. Außerdem verwendet werden dürfen Vanillemark, Backpulver, Senf und Mayonnaise. Zu meiden sind Balsamicoessig rot und weiß, Rotweinessig, Tafelessig, Tomatenmark, Ketchup, Würzsoßen, fermentierte Sojaprodukte wie Sojasauce, Miso, Natto, Tempeh, Sufu sowie Austernsauce, Glutamat, Hefeextrakte, Hefepasten.

Beim Würzen muss bedacht werden, dass scharfe Gewürze die Histaminaufnahme im Magen-, Darmsystem begünstigen. Daher sollte auf scharfe Gewürze in einer histaminarmen Ernährung verzichtet werden.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.