Fruktose Fruktosemalabsorption Fruktoseintoleranz

Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) zur Entstehung von Fruktosemalabsorption und zu viel Fruktose im Essen!

Zu viel Fruktose im Essen? Wie kommt es zu Fruktosemalabsorption?

Viele Menschen vertragen Fruktose nicht sehr gut. Durch Fruktose kann es zu Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen kommen. Aber: Handelt es sich um eine Erkrankung? Oder ist dies eine normale Reaktion des Körpers auf eine zu große Menge an Fruktose? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) über zu viel Fruktose im Essen und wie es zur Fruktosemalabsorption kommt.

Herr Prof. Storr, was passiert normalerweise, wenn man fruktosehaltige Nahrungsmittel zu sich nimmt?

Fruktose ist ein Einfachzucker, der in vielen Nahrungsmitteln enthalten ist. Über die Nahrungsaufnahme gelangt Fruktose in den Dünndarm. Im Dünndarm wird Fruktose über eine Transportpumpe, dem Glut 5, unverändert  in die Blutbahn aufgenommen und dann über die Blutbahn in die Leber transportiert. In der Leber wird die Fruktose durch verschiedenste Enzyme zu Energie oder zu Fettspeicherprodukten verstoffwechselt bzw. abgebaut.

Ein konkretes Beispiel: Wenn man einen Apfel isst, wird dieser zunächst gekaut. Im Magen und im Dünndarm wird der Apfel weiter in seine Bestandteile zerlegt, darunter auch Fruktose, und diese Fruktose gelangt dann unverändert ins Blut und so zur Leber, wo sie verstoffwechselt wird.

Allerdings ist der Mensch ein schlechter Fruktoseverstoffwechsler, d.h. extrem große Mengen an Fruktose vertragen viele nicht.

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Welche Rolle spielt dabei die Fruktase?

Eines von vielen der für den Fruktoseabbau zuständigen Enzyme ist die Fruktase. Die Fruktase hat im Zusammenhang mit der Fruktosemalabsorption allerdings kaum eine Bedeutung, da Fruktasen in der Leber und nicht wesentlich im Dünndarm vorkommen.

Allerdings kann ein Übermaß an Fruktose zu Leberschäden führen. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Leber durch ein „zu viel“ an Fruktose regelrecht verfetten kann. Es kann  dann zu einer sogenannten nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD) kommen.

Nicht zu vergleichen sind die Fruktasen mit der Laktase, einem Enzym das die Laktose, den Milchzucker, im Darm spaltet. Das ist ein völlig anderer Mechanismus, den es für die Fruktose in dieser Form nicht gibt.

Wann kann es durch die Fruktose zu Problemen kommen?

Zu Problemen mit der Fruktose kann es dann kommen, wenn der Dünndarm es nicht schafft, die Fruktose vollständig aufzunehmen bzw. in das Blut abzugeben. Ist dies der Fall, wandert die Fruktose weiter in den Dickdarm. Über die Fruktose im Dickdarm freuen sich unter anderem die dort ansässigen Darmbakterien. Sie verarbeiten die Fruktose und dabei entstehen reichlich Gase. Es kommt zu unangenehmen Bauchschmerzen, Blähungen und weichem Stuhlgang. Eigentlich ist es jedoch nicht vorgesehen, dass die Fruktose im Dickdarm ankommt, denn Frukosetransportproteine sollten sie ja eigentlich vorher ins Blut überführen, was normalerweise auch gut funktioniert.

Allerdings ist unsere Ernährung mittlerweile so fruktosehaltig geworden,  dass die menschliche Evolution dem Nahrungsangebot „nicht mehr hinterher kommt“.  

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