Erdnussallergie, Orale Immuntherapie

Dr. Katharina Blümchen, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, pädiatrische Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose am Universitätsklinikum Frankfurt

Erdnussallergie: Wie wirkt die orale Immuntherapie (OIT)? Forschungsstand?

Welche Erhaltungsdosis haben Sie in Ihrer Erdnuss-Studie angestrebt?

Je nach Ausgangsbasis betrug die angestrebte Erhaltungsdosis entweder 500 bis 1.000 mg Erdnuss, das entspricht etwa einer oder zwei Erdnüssen. Die Höhe der Erhaltungsdosis haben wir aufgrund der Ergebnisse aus der oralen Provokation festgelegt, d.h. für die Patienten, die von vornherein eine höhere Allergendosis tolerierten, haben wir auch eine höhere Erhaltungsdosis definiert.

Welche Ergebnisse zeigten sich in Ihrer Erdnuss-Studie?

Bei jeder Studie kommt es aufgrund von Nebenwirkungen, mangelnder Compliance oder aufgrund von persönlichen Gründen dazu, dass Patienten ausscheiden. Bei unserer Erdnuss-Studie konnten wir letztendlich bei 14 von 23 Patienten die angestrebte Erhaltungsdosis erreichen und ein Patient tolerierte lediglich eine geringere Erhaltungsdosis von 200 mg Erdnuss. Zusammengefasst heißt dies: 61 Prozent der Patienten haben die vorgesehene Erhaltungsdosis erreicht.

Das bedeutet, bei einer erneuten oralen Provokation haben diese Erdnuss-Allergiker eine höhere Toleranzschwelle gegenüber dem Erdnuss-Allergen?

Die meisten Studien überprüften diese Toleranzschwelle direkt nach Erreichen der Erhaltungsdosis und hier konnte man auch zeigen, dass sich die Reaktionsschwelle durch die Orale Immuntherapie im Vergleich zu vorher erhöht hatte. In unserer Erdnuss-Studie wollten wir aber auch überprüfen, inwieweit eine Pause der oralen Immuntherapie diese Toleranzschwelle beeinflusst bzw. wie stabil die erreichte Toleranz ist. Deshalb haben wir nach zweimonatiger Einnahme der Erhaltungsdosis untersucht, wie die Toleranzschwelle unserer Patienten nach einer zweiwöchigen Pause der oralen Immuntherapie, d.h. ohne tägliche Allergengaben, aussah. Die Patienten hatten die orale Immuntherapie zu diesem Zeitpunkt insgesamt ca. 9 Monate durchgeführt.

Das Ergebnis: Die Reaktionsschwelle bei den 14 Patienten, die ihre Erhaltungsdosis erreicht hatten, konnte bei allen gesteigert werden. Vor der Behandlung vertrugen diese Patienten gerade noch im Median ca. 1/3 Erdnuss, nach der Behandlung ca. 2 Erdnüsse. 8 Patienten tolerierten nach der Pause der oralen Immuntherapie eine Erdnuss-Dosis, die höher war als ihre Erhaltungsdosis. Bei drei Patienten verzeichneten wir nach der Pause der oralen Immuntherapie im Vergleich zur Erhaltungsdosis einen Rückschritt d.h. sie vertrugen bei der oralen Provokation nach der Pause der oralen Immuntherapie weniger als zuvor. Bei weiteren drei Patienten ergab sich durch die Pause der oralen Immuntherapie keine Veränderung Zwischen der Erhaltungsdosis und der gerade noch tolerierten Dosis bei der anschliessenden Provokation.

Heißt dass, das die Erhaltungsdosis bei der oralen Immuntherapie gegen Erdnuss lebenslang eingenommen werden sollte?

Wir wissen noch nicht, wie lange eine weitere Einnahme des Allergens bei der Erdnuss-Immuntherapie angeraten wäre. Von der Immuntherapie gegen Pollenallergene wissen wir jedoch, dass eine längere Therapiedauer die Wirksamkeit der Behandlung erhöht. Dementsprechend vermutet man, dass auch bei der Hyposensibilisierung gegen Nahrungsmittelallergene eine längere Therapiedauer den Behandlungserfolg verbessert, aber die langfristigen Ergebnisse der Studien sind zurzeit noch nicht publiziert.

Außerdem handelt es sich ja bei dieser Studie um eine Pilotstudie, d.h. sie war nicht placebo-kontrolliert. Statistisch gesehen wird aber einer von 5 Erdnuss-Allergikern im Laufe seines Lebens spontan tolerant. Um wirklich nachzuweisen, ob die orale Immuntherapie gegen das Erdnuss-Allergen langfristig auch einen Erfolg hinsichtlich einer kompletten Toleranzentwicklung bewirkt, muss man eine randomisierte kontrollierte Studie durchführen, bei der eine Gruppe der Patienten nicht das echte Erdnuss-Allergen, sondern nur ein wirkungsloses Placebo erhält.

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