Erdnussallergie, Orale Immuntherapie

Dr. Katharina Blümchen, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, pädiatrische Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose am Universitätsklinikum Frankfurt

Erdnussallergie: Wie wirkt die orale Immuntherapie (OIT)? Forschungsstand?

Welche Erhaltungsdosis hat man in den Studien zur Oralen Immuntherapie gegen Kuhmilch-, Hühnerei- und Erdnuss-Allergie angestrebt?

In den Studien hat man sich in Bezug auf die Erhaltungsdosis an einer üblichen Tagesdosis orientiert. Bei Kuhmilch betrug die Erhaltungsdosis meist zwischen 100 und 150 ml, bei der Hühnerei Allergie ein Ei. Bei der Erdnuss Allergie würde man allerdings eine niedrigere Dosis wie ein bis zwei Erdnüsse zur Toleranzerhaltung anstreben.

Worauf kommt es bei der oralen Immuntherapie im Hinblick auf die Festlegung der Erhaltungsdosis an?

Die Höhe der Erhaltungsdosis hängt zum einem vom Allergen ab und zum andern vom angestrebten Therapieziel. Möchte man z.B. erreichen, dass die Patienten Kuhmilch problemlos und ohne Einschränkung zu sich nehmen können, weil dies die Lebensqualität erheblich verbessern würde, dann müsste die Erhaltungsdosis wahrscheinlich höher sein. Oder ist es das Ziel, z.B. bei Erdnussallergikern, den Patienten vor allergischen Reaktionen zu schützen, die durch versehentlich konsumierte kleine Mengen Erdnuss auftreten könnten? Hierfür wären ein bis zwei Erdnüsse wahrscheinlich ausreichend, weil der Patient die Erdnuss ja weiterhin meiden würde und die orale Immuntherapie lediglich den Schutz vor Spuren des Allergens gewährleisten soll.

Es gibt jedoch auch Kuhmilchallergiker, die bereits auf Spuren von Kuhmilch mit schweren Symptomen reagieren und hier könnte es dann, ähnlich wie bei der Erdnuss, sinnvoll sein, eine niedrigere Erhaltungsdosis anzustreben.

Zurück zur oralen Immuntherapie bei der Erdnussallergie: Sie haben hierzu eine Pilotstudie1)  durchgeführt. Wie sind Sie bei dieser Studie vorgegangen?

Diese Pilotstudie haben wir an 23 Patienten durchgeführt und 2010 publiziert. Für diese Studie haben wir zunächst bei den rekrutierten Kindern die Diagnose „Erdnussallergie“ mit Hilfe einer oralen Provokation gesichert.

Ursprünglich war geplant durch ein Rush Protokoll eine möglichst schnelle Erhaltungsdosis zu erreichen. Das bedeutet, dass die Patienten unter stationärer Überwachung alle 2 Stunden eine geringfügig höhere Dosis des nativen Allergens zu essen bekommen. Leider kam es dabei aber bei den meisten Patienten zu vielen Nebenwirkungen und die Erhöhung der Dosis war nicht im gewünschten Maße meist möglich. Deshalb haben wir die meisten Patienten auf ein Langzeit Protokoll umgestellt, d.h. die Dosis wurde nur alle 14 Tage geringfügig erhöht. Zwischendurch mußten die Kinder täglich ihre individuelle Erdnussdosis weiterhin zu sich nehmen. Das Erreichen der Erhaltungsdosis nahm deshalb ca. sieben Monate in Anspruch und es kam zum einen zu deutlich weniger Nebenwirkungen und zum anderen konnten wir die Dosis auch regelmäßig steigern.

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