Erdnussallergie, Orale Immuntherapie

Dr. Katharina Blümchen, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, pädiatrische Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose am Universitätsklinikum Frankfurt

Erdnussallergie: Wie wirkt die orale Immuntherapie (OIT)? Forschungsstand?

Die Allergene der Erdnuss gehören zu den gefährlichsten Allergenen. Die allergischen Reaktionen können sehr gravierend sein, bis hin zum anaphylaktischen Schock und das Risiko, versehentlich mit dem Erdnussallergen in Kontakt zu kommen, ist sehr hoch. Bei Menschen mit Heuschnupfen, Insektengiftallergien und Allergien gegen Hausstaubmilben ist es möglich, durch eine Immuntherapie eine Desensibilisierung des Patienten zu erreichen. Es ist deshalb naheliegend, auch Erdnussallergiker durch eine Immuntherapie gegen das Erdnussallergen zu desensibilisieren. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Katharina Blümchen, Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, pädiatrische Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose am Universitätsklinikum Frankfurt über den Stand der Medizin bei der oralen Immuntherapie (OIT) von Erdnussallergikern und ihren eigenen Erdnuss-Studien dazu.

Frau Dr. Blümchen, warum gibt es zurzeit noch keine Standard Hyposensibilisierung für Menschen mit Erdnussallergie?

Aktuell gibt es für Nahrungsmittelallergien generell keine Allergie-Impfungen!

Zum Hintergrund: Schon vor 20 Jahren hat man erstmals versucht, bei Erdnuss-Allergikern eine Spritzentherapie durchzuführen. Ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung von Pollenallergikern wurde das Allergen subkutan gespritzt, dazu gibt es zwei große Studien. Diese Studien konnten zwar die Wirksamkeit der Therapie nachweisen, allerdings ging die Behandlung mit heftigsten Nebenwirkungen einher und die Patienten benötigten häufig Adrenalin. Man hat deshalb zunächst für lange Zeit keine weiteren Studien mehr durchgeführt.

Vor zehn Jahren hat man dann das Thema „Hyposensibilisierung gegen Nahrungsmittelallergien“ erneut aufgegriffen, dieses Mal allerdings über den Weg einer oralen Immuntherapie. Erste Studien zur oralen Immuntherapie wurden für die Kuhmilch Allergie und die Hühnerei Allergie durchgeführt. In diesen Studien wurden zwar auch Nebenwirkungen beobachtet, aber diese waren nur relativ leicht. Am häufigsten kam es zu Symptomen wie Kribbeln im Mund, Bauchschmerzen und Übelkeit. In manchen Fällen kam es auch zu stärkeren Nebenwirkungen, wie z.B. Atemnot. Diese Symptome waren aber allesamt gut beherrschbar. Schließlich hat man auch zur Erdnuss Allergie Studien durchgeführt, mit ähnlichen Ergebnissen.

Zurück zu Ausgangsfrage: Es gibt aktuell weltweit insgesamt nur 11 randomisierte kontrollierte Studien zur oralen Immuntherapie für Kuhmilch Allergie, Hühnerei Allergie und Erdnussallergie zusammen und das ist sehr wenig. Hinzu kommt, dass von diesen 11 Studien lediglich vier doppelblind-placebo-kontrolliert durchgeführt wurden. Damit ist die Studienlage nicht ausreichend, um eine allgemeine Empfehlung für Allergieimpfungen bei Nahrungsmittelallergien auszusprechen.

Was passiert genau bei der oralen Immuntherapie?

Bei der oralen Immuntherapie bekommen die Patienten täglich eine winzige Menge des nativen Allergens zu essen, d.h. „richtige“ Kuhmilch und „richtiges“ Hühnerei und kein Allergenextrakt. Im Falle der Erdnuss wird entweder zermörserte Erdnuss oder, in amerikanischen Studien, Erdnussmehl verwendet.

Grundsätzlich können die Patienten ihre Tagesdosen zu Hause zu sich nehmen. Alle 7 bis 14 Tage wird die Tagesdosis jedoch erhöht, und dafür müssen die Patienten in die Ambulanz bzw. ins Studienzentren kommen. Zwei Stunden lang nach der Einnahme der erhöhten Gabe werden die Patienten noch kontrolliert. Sollte es in dieser Zeit zu Nebenwirkungen kommen, ist eine schnelle Behandlung gewährleistet.

Dieser Prozess wird so lange fortgeführt, bis die bereits erwähnte Erhaltungsdosis erreicht ist. Wie hoch diese Erhaltungsdosis sein sollte, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

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