Burgschule in Peine

Burgschule in Peine

Anaphylaxie & Schule: "Erdnussfreie Zone" an der Burgschule in Peine!

Welche Bereiche oder Funktionen der Burgschule sind bei der Umsetzung des Konzeptes "erdnussfreie Schule" eingebunden?

Die "Schulsanis" sind über die notwendigen Erste Hilfe Maßnahmen genauestens informiert und können diese auch, ihren Kompetenzen  entsprechend, umsetzen.

Die Klassenkamerad/innen, die in unmittelbaren Kontakt mit unserem betroffenen Schüler stehen, haben schon vor der "erdnussfreien Schule" ein "erdnussfreies Klassenzimmer" gehabt. Sie sind entsprechend sensibilisiert und haben das Umfeld ihres Mitschülers immer im Blick. Auch sie werden regelmäßig von der Mutter für den Notfall geschult und üben in Rollenspielen, wie sie ihrem Klassenkameraden helfen können, wenn schnelles Handeln gefragt ist.

In unserer Mensa gibt es nur Müsliriegel, die unserem erdnussallergischen Schüler nicht gefährlich werden können.

Durch eine Aufklärung in Form von Postern werden unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder an die "erdnussfreie Schule" erinnert, sodass sie sich auch gegenseitig auf Unachtsamkeiten hinweisen.

Wie wurde das Konzept "erdnussfreie Schule" konkret umgesetzt?

Mit Hilfe eines Elternbriefes wurde allen Eltern unserer Schülerinnen und Schüler mitgeteilt, dass wir ein Kind mit einer Erdnussallergie an der Schule haben. Der Name des Kindes wurde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt. In diesem Elternbrief wurden die Eltern auch über die Folgen eines Erdnusskontaktes informiert und es wurden konkret Produkte genannt, die auf keinen Fall in das Schulgebäude kommen dürfen.

Alle anderen Beteiligten werden regelmäßig für einen eventuellen Notfall geschult.

Wie sahen die Reaktionen auf die "erdnussfreie Schule" aus?

Die Reaktionen waren fast durchgängig positiv. Wir sind auf sehr viel Verständnis bei Kollegen, Eltern und vor allen Dingen auch bei den Schülerinnen und Schülern gestoßen. Nachdem die Klasse bereits zur "erdnussfreien Zone" ausgeschrieben wurde, kam von den Schulsanitätern der Vorschlag, im gesamten Schulgebäude Erdnüsse zu verbieten und so ein relativ "sicheres" Umfeld für den betroffenen Schüler zu schaffen.

Das Besondere an unserer erdnussfreien Schule ist, dass sie aus Solidarität von Mitschülern initiiert wurde und daher von vielen Kindern aus Überzeugung gerne umgesetzt wird. Wenn Kinder für andere Kinder einstehen, sind auch Erwachsene, ob Lehrer oder Eltern, gerne bereit, dieses Konzept ebenfalls zu unterstützen und ihm einen offiziellen Rahmen zu geben.

Andere Allergien und Unverträglichkeiten bergen weniger große Risiken als die Erdnussallergie, stellen die betroffenen Kinder aber ebenfalls vor gewisse Herausforderungen. Haben Sie auch für diese Kinder ein Angebot, z. B. glutenfreie Speisen in der Mensa?

Alle Eltern werden bei der Aufnahme ihres Kindes in unsere Schule nach Allergien bzw. nach Unverträglichkeiten gefragt. Gibt es eine Unverträglichkeit, wird für das betroffene Kind eine entsprechende Mahlzeit in unserer Küche bestellt. Z.B. haben wir immer mal wieder ein Kind mit einer Fructose- oder Lactoseintoleranz und zurzeit zwei Diabetikerinnen, die eine spezielle Diät einhalten müssen.

Worauf sollten Schulen achten, wenn sie ihre Schule ebenfalls zur "erdnussfreien Schule" machen wollen?

Sehr wichtig ist die gezielte Aufklärung über die Allergie und ihre möglichen Folgen, um Verständnis bei allen Beteiligten zu wecken.

Wenn die Schülerinnen und Schüler den Zusammenhang verstehen und die Konsequenzen kennen, die ihre Unachtsamkeit bzw. Gedankenlosigkeit auslösen kann, wird es für die meisten von ihnen fast selbstverständlich, auf erdnusshaltige Lebensmittel während der Schulzeit zu verzichten.

Auch müssen alle Eltern informiert werden, damit auch sie darauf  achten, was sie ihren Kindern zum Frühstück oder z. B. bei Geburtstagen mit in die Schule geben.

Um Unsicherheiten vorzubeugen, ist es unerlässlich, den Umgang und das Verhalten in einem Notfall regelmäßig zu üben.

Frau Salzmann, herzlichen Dank für das Interview!

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