Burgschule in Peine

Burgschule in Peine

Anaphylaxie & Schule: "Erdnussfreie Zone" an der Burgschule in Peine!

Die VGHS Burgschule ist eine Grund- und Hauptschule, an der 450 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden und sie gehört zu den wenigen Schulen in Deutschland, die "erdnussfrei" sind. Für Kinder, die unter einer Allergie auf Erdnüsse leiden, ist das ein enormer Fortschritt und für die Eltern der von Anaphylaxie betroffenen Kinder eine große Erleichterung, denn erdnussfreie Schulen sind in Deutschland noch recht selten. MeinAllergiePortal erfuhr von Doris Salzmann, Schulsozialpädagogin und Betreuerin des Schulsanitätsdienstes an der VGHS Burgschule in Peine, wie die Burgschule erdnussfrei wurde.

Frau Salzmann, was ist der Grund dafür, dass Ihre Schule heute eine "Erdnussfreie Schule" ist?

Die Anzahl der Kinder, die an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden oder die sogar mit lebensbedrohlichen Symptomen aufgrund einer Allergie auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren, nimmt stetig zu. So sind auch an unserer Schule einige Schülerinnen und Schüler davon betroffen, wobei ein Schüler tatsächlich mit lebensbedrohlichen Symptomen auf geringste Spuren von Erdnüssen reagiert.

Die Mutter des betroffenen Schülers informierte die Lehrerschaft und gab - teilweise zusammen mit einer Ärztin des hiesigen Gesundheitsamts - eine Einweisung in die Handhabung der Notfallmedikation. Auch klärte sie die Schulsanitäter über diese schwere Form der Allergie, auch Anaphylaxie genannt, und die notwendigen Erste Hilfe Maßnahmen auf.

Die Klassenkameraden hatten zu dem Zeitpunkt  bereits darauf geachtet, dass der betreffende Klassenraum "erdnussfrei"  bleibt. Die "Schulsanis" übernahmen dann die Aufgabe, die anderen Schülerinnen und Schüler auf das Problem aufmerksam zu machen und es reifte die Idee, die ganze Schule als "erdnussfreie" Zone auszuschreiben.

Wie sind Sie vorgegangen bei der Entscheidungsfindung?

Nach einer erfolgreichen mehrmonatigen Versuchsphase stellte die Mutter unseres betroffenen Schülers  das Problem zunächst im Schulelternrat vor. In erster Linie ging es darum, erdnusshaltige Snacks, wie z. B. Erdnüsse, Flips, NicNocs, Snickers, Mr.Tom, große M&M's und erdnusshaltige Müsliriegel nicht im Schulgebäude zu verzehren. In diesen Produkten sind so große Erdnussmengen enthalten, dass ein Krümel davon unserem Schüler gefährlich werden kann. Alle anderen Produkte, die nur Spuren von Erdnüssen enthalten, können ihm nur dann gefährlich werden, wenn er sie tatsächlich isst.

Als im nächsten Schritt die Gesamtkonferenz, das ist ein Gremium, bestehend aus der gesamten Lehrerschaft, Schülervertreter/innen und Elternvertreter/innen, von der Notwendigkeit eines Erdnussverzichts überzeugt worden war, stellte die Mutter den Antrag auf "erdnussfreie Schule" im Schulvorstand, dem letztendlich entscheidenden Gremium, bestehend aus Schulleitung, gewählten Eltern- und Schülervertreter/innen und gewählten Lehrkräften. Hier wurde dem Antrag endgültig statt gegeben.

Sowohl in der  Elternschaft, als auch in der Lehrerschaft wurden Zweifel geäußert, ob eine "erdnussfreie Schule" wirklich durchgesetzt werden kann. Und die Frage, "Wie reagiere ich, wenn eine Schülerin oder ein Schüler ein erdnusshaltiges Produkt mitbringt?" wurde im Kollegenkreis ausführlich diskutiert. Wir sind uns aber alle einig, dass keine Sanktionen ausgesprochen werden, solange ein Vorsatz ausgeschlossen werden kann. Wir gehen erst einmal davon aus, dass ein "Unfall" aus Unachtsamkeit/Unwissenheit geschieht und da steht Aufklärung an erster Stelle.

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