Erdnuss-Baumnuss-Anaphylaxie

Dr. Frank Friedrichs, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie, Umweltmedizin, Kinder-Pneumologie, Kinderarztpraxis Laurensberg in Aachen.

Was passiert bei einer Erdnuss-/Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulung?

Gibt es bei den Erdnuss- und Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen Themenbereiche, die für die Schulungsteilnehmer ganz besonders schwierig sind?

Schwierig ist und bleibt die Frage, wie weit man mit der Meidung möglicher Risiken gehen möchte. Hier sind die Menschen unterschiedlich veranlagt. Manche Familien reisen trotz einer Erdnussallergie mit dem Rucksack durch Asien, andere überlegen, ob man gefahrlos nach Österreich fahren kann. Die lange Liste verbotener Lebensmittel, das ewige Fragen nach möglicher Kontamination, das Mitschleppen der Tasche mit drei oder vier Notfallmedikamenten, die Diskussionen mit den Erziehern und Lehrern über Haftungsausschluss und Notfallmedikamente in der Schule, die Zeitungsschnipsel der Verwandten mit Nachrichten über neue Heilungsmethoden der Nussallergie, die Diskussion mit Onkeln und Tanten darüber, dass Erdnussflips nun wirklich kein gutes Mitbringsel zum Kindergeburtstag sind und vieles andere mehr, stellen für die betroffenen Familien eine große Last dar. Eine Diät mit Meidung bestimmter Lebensmittel bringt eine größere Beeinträchtigung im Alltag mit sich als die dreimalige Einnahme eines Medikaments. In einer englischen Studie zeigte sich, dass die Lebensqualität erdnussallergischer Kinder schlechter war als die von diabeteskranken Kindern!  Aus allen genannten Gründen sind die Elternseminare erforderlich. Dort tauschen die Betroffenen Tipps und Ratschläge aus.

Sie führen die Erdnuss- und Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen schon seit gut 10 Jahren durch. Lässt sich aus Ihrer Sicht eine Entwicklung feststellen?

Die Zunahme dieser primären Nahrungsmittelallergien und -anaphylaxien in vielen Ländern ist eine ausreichend belegte Tatsache. Dass sich Schulleitungen und Lehrer mit dieser Erkrankung und der Notfalltherapie befassen, dass Erzieherinnen an unseren Seminaren teilnehmen oder zur Instruktion der Notfallmedikamente in die Sprechstunde kommen, dass Kellner vor dem Essen fragen, ob eine Nahrungsmittelallergie besteht, all dies wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen.  

In den letzten zehn Jahren haben wir gemeinsam die AGATE-Schulungen etabliert, eine Wirksamkeitsstudie durchgeführt, AGATE-Akademien gegründet, einen bundesweit einheitlichen Anaphylaxie-Notfallpass geschaffen. Jetzt sind die Krankenkassen am Zug! Ich hoffe, dass es nicht noch weitere zehn Jahre dauern wird, bevor die eher geringen Kosten der Anaphylaxieschulung den Versicherten erstattet werden.

Herr Dr. Friedrichs, herzlichen Dank für dieses Interview!

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