Erdnuss-Baumnuss-Anaphylaxie

Dr. Frank Friedrichs, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie, Umweltmedizin, Kinder-Pneumologie, Kinderarztpraxis Laurensberg in Aachen.

Was passiert bei einer Erdnuss-/Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulung?

Wie lange dauern die Erdnuss- und Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen und müssen sie wiederholt werden?

Entsprechend den AGATE-Standards schulen wir 2 mal 3 Stunden. Grundsätzlich können Eltern natürlich mehrmals an einer Schulung teilnehmen.

Man muss aber wissen, dass diese Anaphylaxie-Schulungen leider noch nicht als Patientenschulungen entsprechend den Vorgaben der Krankenkassen (§ 43 Abs. 1 Nr. 2 SGB V) anerkannt sind. Manche Zentren sind erfolgreich, in dem sie den eigentlichen Teilnehmerbetrag von 190 € pro Familie von einzelnen Krankenkassen erhalten. Wir scheuen den bürokratischen Aufwand mit Bescheinigungen, Nachfragen und Telefonaten mit den Eltern und Kassenmitarbeitern und verlangen daher seit Jahren einen niedrigeren Betrag, den die Eltern notfalls auch selber tragen können. Wenn die Evaluationsstudie, in der die Wirksamkeit der Anaphylaxie-Schulung nachgewiesen wurde, endlich publiziert ist, wird es sicher eine neue Verhandlungsrunde mit den entsprechenden Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen geben müssen.

Eine regelmäßige Nachschulung, wie wir sie beim Asthma kennen, gibt es bei der Anaphylaxie-Schulung im Moment nicht. Allen Eltern, die an unseren Seminaren teilnehmen, wird allerdings angeboten, dass sie in einem von Frau Schönfelder koordinierten e-mail-Verteiler untereinander in Kontakt bleiben können. Dieser Mailverteiler wird rege genutzt und hat uns zum Beispiel bei den inzwischen schon zwei Rückrufaktionen von Adrenalin-Injektoren gute Dienste geleistet. Eltern eines Kindes, die an einem unserer Seminare teilgenommen haben, informieren sich im Übrigen über die Homepage www.nussallergie.org. Eltern von Kindern mit Erdnussallergie, Nussallergie und Anaphylaxie finden hier praktische Tipps und Hilfen für den Umgang mit der Allergie im Alltag, Kindergarten und Schule. Selbsthilfe und Erfahrungsaustausch stehen dabei im Vordergrund.

Sie schulen angelehnt an die AGATE-Standards, bieten aber unterschiedliche Inhalte. Wo genau liegen die Unterschiede?

Bei den AGATE-Schulungen sitzen möglicherweise Patienten zusammen, die auf so unterschiedliche Auslöser wie Wespengift, Kuhmilch, Ibuprofen oder Erdnuss reagiert haben. Die einzelnen Auslöser können daher im Rahmen dieser Schulungen nur kurz besprochen werden. Bei unseren Schulungen unterscheiden sich die Patienten lediglich in der Nussart, auf die sie allergisch reagieren. Da wir an der Erarbeitung des AGATE-Curriculums und der Schulungsfolien beteiligt waren, haben wir natürlich relevante Teile, besonders im Bereich Notfallmedikamente und Umgang im Alltag, übernommen. Besonders der erste Seminartag, an dem es um das Problem der weltweit zunehmenden Allergie gegen Nüsse geht und an dem die Eltern einen kleinen Supermarkt mit verschiedensten Lebensmitteln vor sich auf dem Tisch stehen haben, setzt aber andere Schwerpunkte. Hier ist es ein großer Vorteil für die Teilnehmer und uns, dass die Gruppe einheitlich im Bezug auf den oder die Auslöser ist.

Was ist bei den Erdnuss- und Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen aus Ihrer Sicht die größte Schwierigkeit für die Schulungsteilnehmer und wo besteht der größte Schulungsbedarf?

Erdnüsse und Baumnüsse sind die häufigsten Auslöser anaphylaktischer Reaktionen im Kindes- und Jugendalter. Bei Erwachsenen stehen andere Auslöser im Vordergrund.

Außerdem leiden ältere Jugendliche und Erwachsene häufig unter einer sogenannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie. Diese wird umgangssprachlich oft als "Kreuzallergie" bezeichnet. Wir unterscheiden inzwischen primäre Nahrungsmittelallergien, die in der Regel im ersten Lebensjahr erworben werden, von sekundären Nahrungsmittelallergien. Bei der letzteren Form sind die Patienten gegen Pollen allergisch und reagieren eines Tages mit Lippenschwellung und Zungenkribbeln auf Äpfel oder Haselnüsse. Diese Menschen wissen, dass es zwar unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich ist, wenn sie "verbotene" Lebensmittel essen. Außerdem vertragen sie diese Lebensmittel in erhitzter Form oft problemlos. Kurzum, nicht selten denken Pollenallergiker mit einer Kreuzallergie, dass es doch nicht so schlimm ist, wenn das Kind ein kleines Stück Haselnuss isst. Diese Fehleinschätzung ist für ein Kind mit primärer Nahrungsmittelallergie äußerst gefährlich.

Neben dieser Aufklärungsarbeit in ihrem Umfeld müssen Eltern aber auch lernen, wo sie auf versteckte Nüsse treffen könnten. Was nutzt es, wenn man ein nussfreies Essen bestellt, das der Restaurantkoch mit denselben Küchengeräten herstellt, mit denen er zuvor Erdnüsse bearbeitet hat?

Viele Eltern haben auch Scheu, den Adrenalin-Autoinjektor anzuwenden. Da sind beispielsweise nette Anekdoten hilfreich, die über ärztliche Kollegen berichten, die sich bei Fortbildungsveranstaltungen oder Schulungen versehentlich einen echten Autoinjektor und nicht einen "Trainer" ohne Nadel ins Bein gestochen haben, ohne das etwas passiert ist. Die Frage, wann der richtige Zeitpunkt zur Gabe welches Notfall- oder antiallergischen Medikaments ist, wird ausführlich besprochen. Viele Menschen, auch Ärzte, halten Cortison für das Notfallmedikament schlechthin. Das ist mit einer Dauer von einer Stunde bis zum Wirkeintritt bei oraler oder rektaler Gabe aber sicher nicht!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.