Erdnuss-Baumnuss-Anaphylaxie

Dr. Frank Friedrichs, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie, Umweltmedizin, Kinder-Pneumologie, Kinderarztpraxis Laurensberg in Aachen.

Was passiert bei einer Erdnuss-/Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulung?

Die Allergie auf Erdnüsse bzw. Baumnüsse gehört zu den Soforttyp-Allergien. Das heißt, dass allergische Reaktionen direkt nach dem Kontakt mit dem Allergen auftreten können. Zudem besteht die Gefahr eines Allergischen Schocks, der schlimmstenfalls lebensbedrohlich sein kann. Für Kinder, die an einer Erdnuss- oder Baumnussallergie leiden, ist es darum lebenswichtig, das Allergen zu meiden und dennoch stets auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Einen wichtigen Beitrag leisten Erdnuss-/Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen, die speziell auf diese Bedürfnisse ausgerichtet sind. Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. Frank Friedrichs, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie, Umweltmedizin, Kinder-Pneumologie, Kinderarztpraxis Laurensberg in Aachen.

Herr. Dr. Friedrichs, die Kinderarztpraxis Laurensberg war im Jahr 2003 die erste Kinderarztpraxis in Deutschland, die mit Erdnuss- und Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen begonnen hat. Was hat Sie damals zu diesem Schritt bewogen und für wen sind die Schulungen gedacht?

Es stimmt! Wir haben vor über zehn Jahren mit unseren Elternseminaren "Erdnuss- und Baumnussallergien bei Kindern und Jugendlichen" begonnen. Damals bestand unser Team aus drei Mitgliedern, meinem Kollegen Dr. Claus Pfannenstiel, der mit uns eng kooperierenden Diätassistentin Annette Schönfelder und mir. Zunächst fanden die Elternschulungen an einem Nachmittag statt. Nachdem 2009 die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie Training und Edukation e.V. (AGATE) gegründet wurde, die seit 2011 Anaphylaxietrainer ausbildet, haben wir unser Team um eine Heilpädagogin erweitert, die das Thema "Umgang mit Anaphylaxierisiko in der Familie" mit den Eltern bearbeitet.

Die Idee, Elternseminare zu diesem schwierigen und die Familien sehr belastenden Thema anzubieten, entstand aus der einfachen Notwendigkeit, dass wir damals – und heute – immer mehr Kinder und Jugendliche mit Erdnuss- und Baumnussallergien und Anaphylaxierisiko in unserer kinderallergologischen und pneumologischen Schwerpunktpraxis betreut haben. Hilfreich waren dabei unsere langjährigen Erfahrungen in Patientenschulungen zu Asthma, Neurodermitis und Allergieprävention. Die ersten beiden Schulungsprogramme bieten wir immer noch erfolgreich an. Die evidenzbasierten Empfehlungen zur Allergieprävention füllen aber inzwischen keine Schulungsstunde mehr, so dass wir diese Kurse beendet haben.

Unsere Erdnuss- und Baumnuss-Schulungen richten sich in erster Linie an betroffene Eltern. An den Kursen nehmen aber auch mitunter Großeltern, Erzieher und ältere betroffene Jugendliche teil. Drei Jahren lang haben wir auch einmal im Jahr einen Schulungsnachmittag für Kinder und Jugendliche mit Nussallergien im Alter von 9 bis 16 Jahren angeboten. Da die Teilnehmer mit Frau Schönfelder in einen Supermarkt, eine Bäckerei und eine Fleischerei gehen und dort einkaufen, nachfragen und Deklarationslisten studieren müssen, haben wir erst Kinder ab dem dritten Schuljahr akzeptiert.

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Wie sehen die Inhalte bzw. Lernziele der Erdnuss- und Baumnussallergie-Anaphylaxie-Schulungen aus und wie genau gehen Sie bei den Schulungen vor?

Am Beginn eines jeden Elternseminars steht nach der Begrüßung eine Vorstellungsrunde, damit die Eltern und die Trainer sich besser kennen lernen. Außerdem sind die Schilderungen erlebter anaphylaktischer Reaktionen besonders für die Eltern wichtig, die so etwas noch nicht erlebt haben.

Nicht immer stufen z.B. Vater und Mutter oder Eltern und Großeltern das Risiko einer Anaphylaxie gleich ein. Manche Eltern haben zum Beispiel bei einem leichten Hautkontakt mit Erdnuss-Flips einige Quaddeln bemerkt. Die korrespondierenden Laborwerte, die uns mit großer Sicherheit eine primäre Nahrungsmittelallergie vermuten lassen, sind für die Eltern nicht leicht zu verstehen. Da ist es gut, wenn ein Vater oder eine Mutter in der Vorstellungsrunde den Ablauf einer allergischen Reaktion bei Diätfehlern schildern.

Ein nicht zu vermeidender Effekt dieser Runde ist natürlich die Zunahme an Angst seitens der Eltern. Daher ist es wichtig, dass am Ende des sechsstündigen Seminars, das entsprechend den AGATE-Standards aus vier Blöcken von je 90 Minuten besteht, eine Gesprächsrunde zur Frage des Umgangs mit der Erkrankung im häuslichen Umfeld folgt.

Die vier Blöcke lauten übrigens:

  1. "Erdnuss- und Baumnussallergie – Medizinische Fakten"
  2. "Praktische Tipps und Einkaufshilfen"
  3. "Notfallmaßnahmen beherrschen" und
  4. "Psychologische Hilfen zum Umgang mit der Allergie".

Wir verteilen die beiden ersten und die beiden zuletzt genannten Themen auf zwei Nachmittage. Die Eltern sollen handlungsrelevantes Wissen erwerben. Sie sollen lernen, sichere Lebensmittel zu erkennen und die Aussage "Kann Spuren von Nüssen enthalten" richtig zu deuten. Die Eltern sollen erfahren, wann und wie man den Adrenalininjektor anwendet, welche wissenschaftlichen Studien es zur möglichen Therapie der Nussallergie gibt und ob diese Therapien erfolgreich und praktikabel sind.

Die Medien haben das Thema "Nahrungsmittelanaphylaxie" ja längst entdeckt und wie immer bei medizinischen Problemen, findet man im Internet eine Fülle guter, aber auch schlechter Informationen.  Die Eltern erhalten ein Handout, das unsere Folien enthält, einen Anaphylaxie-Pass, einen Anaphylaxie-Notfallplan, schriftliche Unterlagen für die Schule oder den Kindergarten und Broschüren von Patientenorganisationen und Firmen, die Adrenalin-Injektoren auf dem deutschen Markt vertreiben. Wenn möglich, geben wir den Eltern "Trainer", d.h. Adrenalin-Autoinjektoren "zum Üben", mit. 

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