Allergie Nüsse

Dipl. oec. troph. Krisztian Mark Koczor, nutriception Praxis für Ernährungstherapie/Ernährungsberatung in Düsseldorf

Allergisch auf Nüsse: Was heißt das für Betroffene?

Worauf muss man als Nuss Allergiker beim Essen gehen achten, ist das überhaupt möglich?

Beim auswärts Essen gehen kann ein Allergiker seine Gefährdung nur äußerst bedingt einschätzen. Gezielt nachfragen muss der Betroffene auf jeden Fall. Doch in wie weit kann man sicher sein, dass der Gefragte überhaupt versteht was gemeint ist und vor allem welche realen Konsequenzen für einen Nuss Allergiker mit dem Verzehr von Nüssen verbunden sind? Es ist fraglich, ob ein Unbeteiligter die tatsächliche Gefährdung des Betroffenen begreifen kann bzw. überhaupt begreifen will und ob er sich verantwortlich fühlt. Das alles kann man nicht leicht beantworten. Deshalb sollte sicher auch wirklich sicher sein. Bei einer hochgradigen Allergie rate ich somit von Außer-Haus-Verzehr generell ab.

Was müssen Eltern Nuss-allergischer Kinder beachten?

Eltern allergischer Kinder sollten erst einmal sicher stellen, dass das Kind über seine Situation und mögliche Gefährdungsquellen aufgeklärt ist. Vermeiden muss man unbedachtes Naschen, insbesondere aus nicht klar nachvollziehbaren Quellen nach dem Motto: "Willst du auch mal ein Stück von meinem Riegel probieren? Gebe dir gern was ab".

Wichtig ist es auch, immer wieder beim Kind zu überprüfen, ob die Informationen, die man vermitteln wollte, auch verstanden wurden. Insbesondere dann, wenn hier Unsicherheiten bestehen, sollten Eltern eine professionelle Ernährungstherapie mit Unterstützung durch einen zertifizierten Experten/Expertinnen des VDOe und des DAAB in Erwägung ziehen. Bei Kindern zahlen die Gesetzlichen Krankenversicherungen nicht selten eine Kostenerstattung in voller Höhe.

Besteht für Nuss Allergiker die Gefahr einer Mangelernährung?

Weder Nuss- noch Erdnussallergiker sind von einer etwaigen Mangelernährung gefährdet, denn in der Regel können sie sich ersatzweie an einer Vielfalt von Ölsaaten wie z.B. Sonnenblumen-, Pinien- und Kürbiskernen etc. bedienen. Diese sind im Hinblick auf die Wertigkeit der Inhaltsstoffe keineswegs minderwertiger als Nüsse und lösen wesentlich seltener, und vor allem nicht mit einer den (Erd-)Nüssen vergleichbaren Heftigkeit, eine allergische Reaktion aus. Auch Vegetarier und Veganer müssen sich bezüglich einer ausgeglichenen Nährstoffbilanz keinerlei Sorgen machen.

Für viele Nuss-Allergiker ist der Verzicht auf nusshaltige Süßigkeiten wie Nougat, Marzipan etc. ganz besonders "bitter". Haben Sie einen guten Tipp für einen Ersatz?

Ja, in der Tat habe ich eine Idee. Zunächst sollte man grundsätzlich sein Blickfeld in Bezug auf die mögliche Bandbreite seiner Ernährung deutlich erweitern und dabei offen und neugierig auf neue Möglichkeiten zugehen. Mit dieser Einstellung sollte man dann ungewöhnliche Produkte ausprobieren, die in Bezug auf Eigenschaften und Konsistenz den bisher bevorzugten Süßwaren ähneln. Oft ist eine zunächst nur schwer akzeptierbare Ersatzlösung nach der ersten Gewöhnungsphase nicht nur "bedingt genießbar", sondern kann zu einer Präferenz oder sogar Passion werden. Dann hat die Umstellung schließlich überhaupt keinen "bitteren" Nachgeschmack mehr.

Dazu folgender Tipp: In östlich-orientalisch ausgerichteten Lebensmittelläden findet man oft ein süßes Produkt namens "Halwa". Die Zutaten unterscheiden sich zwar von Nation zu Nation, doch die Grundmasse besteht stets aus einem feinen, allerdings eher trocken anmutenden, Mus von Ölsaatensamen und Zucker bzw. Honig. In der türkischen Küche wird Halwa, dort "Helva" genannt, eher aus Sesammus hergestellt. In der russischen Küche hingegen wird Halwa, dort "Chalwa" genannt, meist aus Sonnenblumenkernmus hergestellt. Ich finde die russische Variante am cremigsten und am wenigsten süß. Die orientalischen Varianten können leider oft extrem süß ausfallen. Aber letztendlich ist das ja Geschmackssache.

Vorsicht ist allerdings bei der Auswahl des jeweiligen Halwa-Produkts geboten! Durch die Beigabe diverser Zutaten, wie etwa Vanille, Kakao, Nüssen, Mandeln oder Pistazien wird Halwa weiter verfeinert bzw. aromatisiert. In der industriellen Herstellung werden oft künstliche Aromen und überwiegend Zucker oder Glukosesirup statt Honig eingesetzt, was die Cremigkeit deutlich reduzieren dürfte.Durch diese Zugaben, kann Halwa, für Nuss-Allergiker wieder gefährlich werden. Es ist also auch hier wichtig sich genaustens über die Zutaten zu informieren!

Herr Koczor, herzlichen Dank für dieses Interview!

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