Allergie Nüsse

Dipl. oec. troph. Krisztian Mark Koczor, nutriception Praxis für Ernährungstherapie/Ernährungsberatung in Düsseldorf

Allergisch auf Nüsse: Was heißt das für Betroffene?

Kann man auf mehrere Arten von "Nüssen" allergisch reagieren?

Die Erdnuss ist an sich eine Hülsenfrucht und keine Nuss. Deshalb ist es durchaus möglich, auf Erdnüsse und auf Nüsse, d.h. Baumnüsse, gleichzeitig allergisch zu reagieren. Kreuzallergien zu Walnüssen, Cashewkernen und Pistazien sind zwar beschrieben, doch nicht zwangsläufig präsent bei einer manifesten, klinisch relevanten Erdnussallergie.

Eine Haselnussallergie - auch wenn die Haselnuss nach der Erdnuss die zweitgrösste allergene Potenz in dieser Klasse unserer Lebensmittel besitzt - bedeutet auch nicht gleich eine generelle Allergie auf alle Nusssorten und Erdnüsse bzw. Hülsenfrüchte. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit höher, eine klassenspezifische Allergie zu entwickeln - isolierte Allergien auf eine besondere Nusssorte sind recht selten.

Wenn eine Pollenallergie besteht, können auch allergische Reaktionen auf Nüsse auftreten. Welches Pollenallergen ist denn mit welcher Nussart assoziiert?

Nüsse haben in der Betrachtung der allergischen Potenz von Lebensmitteln deshalb eine hohe Bedeutung, weil sie bei einem außerordentlich großen Teil der Pollenallergiker ein schwerwiegendes Problem bei der adäquaten Gestaltung der täglichen Mahlzeiten darstellen.

Die Ursache für allergische Kreuzreaktivitäten sind entweder ziemlich ähnliche oder sogar identische Eiweißbausteine in einer bestimmten Pollensorte und in dem jeweiligen kreuzreaktiven Nahrungsmittel. Die eigentliche Allergie fußt auf den Allergenstrukturen in den jeweiligen allergieauslösenden Pollen. Unser Immunsystem erkennt mit der Zeit gewisse Ähnlichkeiten zwischen Pollen- und Lebensmittelallergenstrukturen und auf einmal reagiert ein Gräserpollenallergiker, z.B. auf Tomaten, und generell auf alle Hülsenfrüchte – mitunter sogar extrem heftig. Dieses Phänomen nennt man "pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie".

Reaktionen auf pollenassoziierte Nahrungsmittel sind während des entsprechenden Pollenfluges, also in der jeweiligen Pollensaison, besonders stark ausgeprägt. Bei einer Allergie auf Birkenpollen kommt es häufig zu Reaktionen auf Nüsse, aber auch eine Reaktion auf Sojabohnen kann in diesem Fall vorkommen, so dass auch eine Kreuzreaktion auf weitere Hülsenfrüchte denkbar ist, wie z.B. Erdnüsse.

Bei Gräserpollenallergie ist, wie gesagt, mit einer Kreuzreaktion mit Hülsenfrüchten zu rechnen. Da Erdnüsse in diese Gruppe gehören, ist äußerste Vorsicht geboten, denn die allergischen Reaktionen können bereits beim erstmaligem Verzehr auftreten.

Wo muss man als Erdnuss Allergiker bzw. Baumnuss Allergiker beim Einkaufen aufpassen?

Laut Lebensmittelkennzeichnungsverordnung müssen Nüsse, Erdnüsse und deren Erzeugnisse als Zutaten von verpackten Lebensmitteln in der Zutatenliste aufgeführt werden. Beim Hinweis „Kann Spuren von (Erd-)Nüssen enthalten“ muss man aber ganz besonders vorsichtig sein. Der Hersteller schliesst damit eine bewusste Zugabe dieser Komponenten zwar aus, entbindet sich jedoch von der rechtlichen Verantwortung bzw. Haftung, falls Spuren von (Erd-)Nüssen dennoch in das fertige Produkt hineingelangen und diese nach Genuß des Produkts bei einem Allergiker u.U. schwere anaphylaktische Reaktionen auslösen. Ein Hersteller würde also mit diesem Hinweis ein Produkt kennzeichnen, bei dem es auf dem Transportweg oder bei der Lagerung zu Verunreinigungen gekommen sein könnte. Ganz wichtig: man sollte beim Einkauf die Zutatenliste der Produkte nicht bloß überfliegen, sondern genauestens lesen und bei Unklarheit penibelst auf Transparenz überprüfen. Glauben Sie bitte ja nicht nur das, was die bunten Verpackungen des jeweiligen Herstellers auf der "Blick- und Kundenfang-Vorderseite" zeigen.

Vor etwa drei Jahren stieß ich auf ein sehr ärgerliches Produkt eines Herstellers, der explizit Lebensmittel für Menschen mit Unverträglichkeiten und Allergien anbietet. Das Produkt trug das Symbol der durchgestrichenen Ähre, also das Siegel für Produkte "ohne Gluten", sowie mit auffälligen Buchstaben die Auslobung "ohne Nüsse, Soja, Weizen (...)". Man brauchte allerdings nur die Packung kurz umzudrehen und an der Seite die - wirklich sehr kleingedruckte - Zutatenliste näher zu betrachten, um der Wahrheit und dem gefährlichen Bauernfang auf die Spur zu kommen. Einerseits zeigte sich, dass das Produkt in der Tat ohne die auf der Vorderseite als "nicht enthalten" angepriesenen Zutaten hergestellt worden war. Doch am Ende der Zutatenliste stand witzigerweise: "(...) in dem Betrieb, in dem dieses Produkt verarbeitet wird, werden auch Soja, Nüsse (...) und Weizen mitverarbeitet". Solche frechen Mogelpackungen sollten eigentlich umgehend verboten werden.

Vorsicht: für lose Ware, aber auch im Außer-Haus-Verzehr, z.B. in Restaurants, Eisdielen, Imbissen u.ä. ist die Allergenkennzeichnung derzeit nicht verpflichtend. Betroffene sollten deshalb bei nicht selbst zubereiteten Speisen, sowie beim Kauf von unverpackten Produkten stets nachfragen, ob dort unverträgliche Bestandteile enthalten sind bzw. verarbeitet wurden. Das gilt natürlich auch für Produkte, wie z.B. frisches Brot, das nur in einer Papiertüte verpackt ist oder für süsse Leckereien auf Jahrmärkten etc..

Falls der geringste Verdacht aufkommt, dass die Auskünfte des Jahrmarktverkäufers oder der Bäckereifachverkäuferin ohne reale, verlässliche Kenntnisse der wahren Zutaten erfolgen - so etwas habe ich persönlich leider des öfteren beobachten können - so verzichtet man besser auf das Produkt. Bei hochgradiger Allergie ist von einem Außer-Haus-Verzehr generell abzuraten.

Auch kaltgepresste Öle - aus Erdnüssen oder Haselnüssen etwa - sollten bei hochgradiger (Erd-)Nussallergie gemieden werden. Das gilt selbst dann, wenn die Öle aus anderen Pflanzen, wie z.B. Oliven, hergestellt werden, da kleinere Ölmühlen nicht selten, simultan oder in Folge, für die Gewinnung von unterschiedlichen Ölen genutzt werden. Im Gegensatz zu kaltgepressten Ölen, bei denen die Gewinnung des Öls nur rein mechanisch erfolgt, sind raffinierte Öle, bei denen die Gewinnung des Öls zunächst mechanisch, anschließend thermisch und/oder chemisch erfolgt, in der Regel für Allergiker verträglich; eine Reaktion kann jedoch bei hochgradiger Allergie nicht ausgeschlossen werden.

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