Künstliche Emulgatoren Lebensmittel

Dr. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist und ärztlicher Leiter – Geschäftsführer am medicum Hamburg zu künstlichen Emulgatoren in Lebensmitteln!

Künstliche Emulgatoren in Lebensmitteln: Wo werden sie eingesetzt? Wie wirken sie?

Wie können sich Süßungsmittel auf die Zusammensetzung der Darmflora auswirken?

Zu Süßungsmitteln gab es Versuche an Mäusen, die nachweisen konnten, dass Süßungsmittel die Bakterienzusammensetzung des Mikrobioms verändern können.1) Es gibt also eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es auch bei Menschen zu Mikrobiom-Veränderungen durch Süßungsmittel kommen könnte.

Dies ist insbesondere im Hinblick darauf von Bedeutung, dass man auch bei Menschen mit Adipositas, die ja häufig Produkte mit kalorienfreien Süßungsmitteln essen,  im Vergleich zu schlanken Menschen ganz erhebliche Abweichungen bei  der Zusammensetzung des Mikrobioms festgestellt hat. Wir wissen aber auch, dass die Art der Ernährung die Darmflora verändert. Die Frage ist hier also: Was kam zuerst, die veränderte Darmflora oder das Übergewicht, ein klassisches Henne-Ei-Problem. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass es bei Studien zu  Stuhltransplantationen, d.h. bei aktiven Veränderungen der Darmflora, bei Mäusen auch zu Veränderungen des Stoffwechsels kam. Stuhltransplantationen könnten deshalb in Zukunft eine Therapieoption für verschiedene Erkrankungen, z.B. auch für das Reizdarmsyndrom, sein.

Aber: Man kann künstliche Emulgatoren nicht als alleinige Ursache für all diese Erkrankungen verantwortliche machen. Es gehört immer auch eine genetische Disposition dazu. Die Verbraucher sollten aber wissen, dass bei bestimmten künstlichen Emulgatoren der Verdacht einer schädigenden Wirkung auf den Organismus besteht und für sich entscheiden, inwieweit er dieses Risiko eingehen will, insbesondere dann, wenn eine familiäre Vorbelastung besteht.  

Welche Konsequenz zieht man aus den Hinweisen, dass künstliche Emulgatoren einen schädigenden Einfluss auf die Darmgesundheit haben könnten?

Eine Konsequenz ist, dass es Wissenschaftler gibt, die fordern, weitere Studien zur Auswirkung künstlicher Emulgatoren auf den menschlichen Organismus durchzuführen. Wir müssen dringend herausfinden, wie gravierend die aktuell vorliegenden Erkenntnisse sind.

Fest steht, dass in der westlichen Welt eine Zunahme von Erkrankungen wie CED, metabolischem Syndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Reizdarm-Syndrom zu verzeichnen ist und dass die Darmflora, bzw. das Mikrobiom dabei eine zentrale Rolle zu spielen scheint. Leider verfügen wir in Bezug auf das Mikrobiom des Darms aber lediglich über erste Erkenntnisse. Es gilt daher, die aktuellen Vermutungen zu überprüfen und Sicherheit über die Auswirkungen von künstlichen Emulgatoren auf die Darmgesundheit zu erlangen.   
Oft werden Studien von der Industrie finanziert, in diesem Fall scheint dies aber nicht wahrscheinlich zu sein….

Die Industrie wird in diesem Fall sicher keine Studien finanzieren. Das bedeutet, wir sind darauf angewiesen, dass sich unabhängige Forscherteams an Universitäten mit dieser Frage beschäftigen. Die Ernährungsmedizin gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hier gibt es Bestrebungen, bestimmte Störungsbereiche genauer zu untersuchen und das Thema Emulgatoren spielt hier immer eine Rolle.

Haben die Krankenkassen kein Interesse daran, mehr zu eventuellen negativen Auswirkungen von künstlichen Emulgatoren auf die Gesundheit zu erfahren?

Die Krankenkassen verfolgen im Hinblick auf mögliche Gesundheitsgefahren durch künstliche Emulgatoren eine sehr kurzsichtige Strategie und schauen eher auf die Kosten. Traditionell suchen die Krankenkassen eher nicht die Zusammenarbeit mit den Ärzten zur Prävention und zum Wohle der Patienten. Bei neuen Kassenvorständen, z.B. bei DAK und Techniker Krankenkasse, sieht das schon anders aus, hier geht man zunehmend neue Wege und sucht die Zusammenarbeit mit der Medizin.  

Empfehlen Sie Ihren Patienten, Emulgatoren zu meiden und worauf muss man achten?

Ich empfehle meinen Patienten, auf Produkte, die künstliche Emulgatoren enthalten, zu verzichten und versuche auch selbst, sie zu meiden, wo immer dies möglich ist.
Auf den Zutatenlisten sollte man nach den Begriffen „Carrageen“, „Phosphate“, Diphosphate Ausschau halten und im Zweifel lieber auf ein Produkt verzichten und stattdessen nicht prozessierte Nahrungsmittel essen.

Herr Dr. Riedl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1)    Alison Abbott , Sugar substitutes linked to obesity, nature,   17. September 2014, http://www.nature.com/news/sugar-substitutes-linked-to-obesity-1.15938

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