Studie Überdiagnose Asthma Kinder

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderzentrum Bethel am Evangelischen Krankenhaus Bielefeld

Studie: Überdiagnose von Asthma bei Kindern

In einer holländischen Studie "Overdiagnosis of asthma in children in primary care: a retrospective analysis" hat man festgestellt, dass Kinder häufig fälschlich die Diagnose Asthma erhielten und dadurch unnötig therapiert wurden. Weiter hat die Untersuchung gezeigt, dass nur bei einem kleinen Prozentsatz dieser Kinder ein Lungenfunktionstest Teil der Diagnose war. Für MeinAllergiePortal kommentiert Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderzentrum Bethel am Evangelischen Krankenhaus Bielefeld diese Studie zur Überdiagnose von Asthma bei Kindern.1)

Der hier veröffentlichte Artikel weist auf einen wichtigen Punkt in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Asthma bzw. der Verdachtsdiagnose Asthma bronchiale hin: Eine entsprechende Diagnosestellung ist genauso wie die Überwachung der Therapie in der hier untersuchten Altersklasse (6 bis 18 Jahre) abhängig von einer vernünftigen Lungenfunktionsuntersuchung.

Auch wenn Asthma eine klinische Diagnose ist und nicht ausschließlich anhand von pathologischen Lungenfunktionswerten festgestellt werden kann, ist die Messung der Lungenfunktion doch eine der wesentlichen 3 Bausteine – neben Anamnese und klinischer Untersuchung – zur Erkennung der Erkrankung und Steuerung der Therapie.

So zeigt sich in dieser aktuellen Untersuchung aus den Niederlanden, dass Kinder und Jugendliche, die durch einen Allgemeinarzt mit der Diagnose Asthma behaftet oder zumindest entsprechend behandelt wurden, nur zu einem geringem Prozentsatz tatsächlich Asthma aufwiesen. Nur in etwa 16 Prozent der untersuchten 700 Kinder konnte die Diagnose Asthma durch die Lungenfunktionsuntersuchung bestätigt werden, in etwa ¼ der Fälle lagen zwar typische klinische Symptome oder Zeichen für Asthma vor, eine Lungenfunktionsuntersuchung hätte aber zur weiteren Diagnose herangezogen werden müssen, und in über der Hälfte der Patienten war sogar die klinische Verdachtsdiagnose nicht wegweisend. Hieraus schließen die Autoren, dass ein großer Prozentsatz der Kinder fälschlicherweise mit der Diagnose Asthma oder einer entsprechenden anti-asthmatischen Behandlung belastet waren.

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