Fitness Prävention

Dr. Kareem Khan, Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin am Institut für Arbeitsmedizin, Prävention und Gesundheitsförderung der HSK Wiesbade

Fitness: Ein Faktor bei der Prävention von Zivilisationskrankheiten

Groß war der Andrang beim DGIM-Patiententag zum 121. Internistenkongress, der am 11. April 2015 im Wiesbadener Rathaus stattfand. In sechs parallelen Vortragsreihen wurde ein breites Themenspektrum abgedeckt. Unter anderem stand auch das wichtige Thema Sport und Prävention im Fokus.

Sport: Welche Rolle spielt die körperliche Fitness bei der Prävention chronischer Krankheiten?

Übergewicht, Diabetes, erhöhte Blutfette, Bewegungsmangel  - diese Erkrankungen gehören zu den sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ und sie sind auf dem Vormarsch. Hinzu kommt, dass die schwierig zu behandeln sind und hohe Kosten verursachen.

„Es ist erwiesen, dass körperliche Fitness ein wesentlicher Faktor bei der Primärprävention ist, das heißt, schon die Entwicklung dieser Erkrankungen lässt sich so vermeiden!“ führte Dr. Kareem Khan, Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin am Institut für Arbeitsmedizin, Prävention und Gesundheitsförderung der HSK Wiesbaden aus. Aber auch bei bestehenden Erkrankungen kann Sport dabei helfen, Symptome zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Ausdauersport: Was passiert im Körper?

Das Herz gehört zu den Organen, die in besonderem Maße vom Ausdauersport profitieren, so erhöht sich das Schlagvolumen und mit der Zeit vergrößert sich der Herzmuskel und die Herzfrequenz nimmt ab. Trainierte Menschen haben deshalb einen niedrigeren Ruhepuls als Untrainierte, das Herz arbeitet ökonomischer, die Durchblutung wird gesteigert und die Fließeigenschaften des Blutes verbessern sich. Ebenso verbessern sich Sauerstofftransport und Wärmeregulation.

Die Lunge profitiert vom Ausdauersport indem sich die Atemfrequenz senkt und auch die Gasaustauschfläche der Lunge vergrößert sich. Die Wirkung auf den Bewegungsapparat wird häufig unterschätzt: die Knochenmasse nimmt zu und die Skelettmuskulatur wird gestärkt. Ebenso profitiert der Knorpelstoffwechsel vom Ausdauersport. Ein wichtiger positiver Effekt des Ausdauersports ist auch die Gewichtabnahme, die auch die Gelenke entlastet.

Vom Ausdauersport wird außerdem die Psyche positiv beeinflusst. Das Selbstwertgefühl verbessert sich, Aggressionen werden abgebaut und negative Stimmungslagen werden abgeschwächt. Auch die Stressresistenz verbessert sich und die Schmerzwahrnehmung wird verringert. Nicht zuletzt wird das Immunsystem durch regelmäßigen Ausdauersport aktiviert und dadurch nimmt z.B. auch die Häufigkeit von Atemwegsinfektionen ab. „Dieser Effekt gilt allerdings nur, wenn sich die sportlichen Aktivitäten im moderaten Bereich bewegen“ so Dr. Khan, „bei sehr intensiv trainierenden Leistungssportlern wird das Immunsystem hingegen eher geschwächt.“

Länger leben durch Sport?

Dass Ausdauersportler länger leben ist statistisch nachweisbar. In einer Studie hat man eine große Anzahl von Studienteilnehmern nach ihrem Fitnesslevel eingeteilt und über acht Jahre hinweg begleitet. So konnte man sehen, dass die Sterberaten im Testzeitraum bei den gut trainierten Studienteilnehmern deutlich niedriger lagen, als bei den Sport-Abstinenzlern.

Je mehr Sport man macht umso gesünder ist man? Die Dosis entscheidet!

Eine aktuelle Studie zeigt deutlich, dass es beim Ausdauersport nicht nur ein „zu wenig“, sondern auch ein zu „viel gibt“. Solange die sportlichen Aktivitäten sich in einem gewissen Rahmen bewegen, sind die Effekte positiv. So zeigte sich bei Läufern, die weniger als 10 km pro Woche laufen, z.B. eine fast halbierte Herz-Kreislauf-bedingte Sterblichkeitsrate. Nimmt das Trainingspensum extrem zu und steigert sich auch die Laufgeschwindigkeit in den professionellen Bereich, sind die positiven Effekte weniger stark ausgeprägt und bei Extremsportlern scheint sich Trend sich sogar umzukehren. „Gerade für die besonders motivierten Anfänger ist es wichtig, nicht zu übertreiben“ so Dr. Khan, „ich empfehle deshalb die einfache Regel: Laufen ohne Schnaufen bzw. die ÖLI-Regel – anfangs öfter, später länger und schließlich intensiver Sport treiben!“

Welche chronischen Erkrankungen kann man mit Sport verhindern?

Bei Altersdiabetes (Diabetes mellitus Typ 2) ist die Datenlage eindeutig: Sportler erkranken deutlich seltener an der Zuckerkrankheit. Auch Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettstoffwechselstörungen treten bei moderaten Ausdauersportlern deutlich seltener auf. Wirksam zeigt sich der Sport auch im Hinblick auf den Bewegungsapparat - Osteoporose und Arthrose sind bei Freizeitsportlern weniger häufig und auch bei Brust- und Dickdarmkrebs scheint der Sport eine präventive Wirkung zu haben.

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