Transition Asthma Neurodermitis

Dr. Rüdiger Szczepanski, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Kinderhospital Osnabrück und Träger des Bundesverdienstkreuzes

Transition: Wenn Kinder mit Asthma und Neurodermitis erwachsen werden!

Warum ist Transition für Kinder mit Asthma und Neurodermitis ein Problem, hier gibt es ja Erwachsenenmediziner?

Das 18. Lebensjahr ist eine Umbruchphase. Laut Gesetz sind die Jugendlichen ab 18 Jahren mündig und damit selbst verantwortlich für eine ganze Reihe von Dingen. Sind die Jugendlichen nicht mehr in der Ausbildung, endet die Mitversicherung bei der Krankenversicherung ihrer Eltern. Viele Dinge, die automatisch geregelt waren, fallen mit Vollendung des 18. Lebensjahres weg.

Ziehen die Jugendliche von zu Hause aus, z.B. weil sie zum Studium in eine andere Stadt ziehen müssen oder weil sie im Rahmen der Ausbildung ein Auslandpraktikum absolvieren, fällt ebenfalls das gewohnte Back-up durch das Elternhaus weg. Für chronisch kranke Jugendliche ist dies ein gewaltiger Umbruch, denn in Studien werden die Eltern von den Jugendlichen selbst als „wichtigste Berater in Gesundheitsfragen“ angegeben.

Hinzu kommt, dass die chronisch kranken Jugendlichen sich nicht nur einen eigenen Haushalt organisieren müssen, sondern auch einen neuen Hausarzt und, je nach Erkrankung, auch einen Facharzt, wie z.B. einen Pneumologen oder Dermatologen. Nicht zu unterschätzen ist der organisatorische Aufwand bei der Behandlung der chronischen Erkrankung, bis hin zum rechtzeitigen Besorgen der nötigen Medikamente und Pflegeprodukte.

In einer Reihe von Untersuchungen, z.B. an Diabetikern, hat sich gezeigt, dass viele chronisch kranke Jugendliche in dieser Zeit in ein Versorgungsloch fallen. Ob aus Unwissenheit oder aufgrund eines falsch verstandenen Freiheitsgefühls, die Behandlung der chronischen Erkrankung wird vernachlässigt und unter Umständen jahrelang überhaupt nicht mehr kompetent durchgeführt. Bei manchen klappt nicht einmal das Besorgen von Medikamente, häufig verschlechtert sich die Erkrankung und dann dauert es oft sehr lange, bis eine neue Behandlung wieder greift. Insbesondere bei Jugendlichen mit ausgeprägtem Asthma und ausgeprägter Neurodermitis kann der Schaden groß sein.

Zeigt sich dieses Phänomen auch bei den Jugendlichen, die als Kinder eine Asthmaschulung oder eine Neurodermitisschulung gemacht haben?

Asthmaschulungen im Rahmen des  Disease Management Programmes (DMP) finden meist im Alter von 6 bis 12 Jahren statt und eine Wiederholung der Schulung ist im DMP nicht vorgesehen, obwohl dies im Hinblick auf Transition und Selbstständigkeit eigentlich sinnvoll wäre. Bei Diabetes, das auch zu den DMP-Diagnosen gehört, ist das anders. Hier darf die Schulung nach drei Jahren wiederholt werden.

Bei Neurodermitis ist das ähnlich. Hier werden die meisten Schulungen als Elternschulungen für Eltern von Vorschul- oder Grundschulkindern durchgeführt. Jugendliche werden nur sehr selten geschult. Das ist schade, denn wenn die Kinder ins Jugendlichenalter kommen, haben sie meist eine ganze Reihe von „frustanen Therapien“ hinter sich und die Compliance, d.h. die Therapietreue, droht zu erlahmen. Als wir unsere große Neurodermitis-Studie durchgeführt haben, hat sich gezeigt, dass es extrem schwierig war, jugendliche Neurodermitiker zu einer Teilnahme zu bewegen.

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