Asthmaschulung für Kinder und Eltern: Was bringt das heute noch?

Was bedeutet es, wenn ein Asthmatiker "mäßig gut eingestellt" ist?

Ein typisches Beispiel für "mäßig gut eingestellt" wäre ein jugendlicher Asthmatiker, der nur bei sportlicher Betätigung spürt, dass seine Lungenfunktion eingeschränkt ist und der daher körperliche Anstrengung meidet. Im Sitzen und in Ruhe bekommt er genug Luft und nimmt seine Lungenfunktionseinschränkung nicht wahr. Die Folgen können sein: wenig Bewegung in der Freizeit, weniger soziale Teilhabe und Übergewicht.

Wir Ärzte befürchten bei einem unterbehandelten Asthma langfristig einen strukturellen Umbau der Lunge, ein Remodeling, der nach vielen Jahren zu irreversiblen Schäden an der Lunge führt!

Was bringt die Asthmaschulung dem Kind?

Laut Leitlinien gehören Patientenschulungen zum Behandlungskonzept. Diese Tatsache wird vom DMP, das Schulungen bezahlt, anerkannt und die positive Auswirkung von Schulungen wurde durch Studien belegt. Durch eine interdisziplinäre Schulung wird das Verständnis des betroffenen Kindes/Jugendlichen für seine Erkrankung verbessert, was zu einem konsequenteren Therapiemanagement und damit zu einer besseren Lebensqualität führt.

Gruppenschulungen bieten einen Rahmen, der familiäre Ressourcen stärkt und vorhandene Kompetenzen bei Patient und Familie sowie Empowerment fördert. Konkret lernen die Patienten und ihre Familien, ihre Wahrnehmung für Asthmasymptome zu verbessern. Das Kind kann  dann dadurch die Medikamente genauer auf die Symptome abstimmen, wodurch die benötigte Dosis“ möglicherweise reduziert werden kann. Auch lernt das Kind, die Medikamente präventiv, z.B. vor sportlicher Anstrengung, einzusetzen und kann daher besser als vorher in Schule und Freizeit am Sport teilnehmen. Durch die Schulung weiß das Kind bei einem drohenden Asthmaanfall, z.B. bei einer Klassenfahrt im Ausland, was zu tun ist. Es wird eine Minderung krankheitsbezogener Ängste sowie eine emotionale Entlastung für Patient und Eltern erreicht.

Am meisten profitieren Patienten davon, wenn ihr Verständnis und ihre Akzeptanz dafür steigt, dass Asthma eine chronische Erkrankung ist, die kontinuierlich antientzündlich behandelt werden muss und erfolgreich behandelt  werden kann.

In unseren Praxen sehen wir in den Sprechstunden, dass geschulte Patienten ihre Dauertherapie besser durchführen. Die Patienten merken  dann, dass sie fitter sind, „normal“ Sport treiben können, kaum noch akute Verschlechterungen ihres Asthmas verspüren, selten Akutmedikamente brauchen - also eigentlich meist genauso leben können wie nicht Betroffene.

All dies lässt sich bei kurzen Instruktionen im Praxisalltag nur bedingt erreichen, strukturierte Schulungen schaffen es deutlich besser. Die Inhalte werden durch ein interdisziplinäres Team mit Ärzten, Pädagogen, Psychologen, Krankenschwestern, Sporttherapeuten, bei Neurodermitis auch Ernährungsberatern, in einem ausreichenden zeitlichen Umfang in angenehmer Atmosphäre vermittelt. Nachhaltigkeit ist  dann der Erfolg. Eine Patientenschulung unterscheidet sich von einer „Instruktion“. Sie ist eine pädagogische, psychologische Intervention, bei der medizinische Inhalte vermittelt werden.

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