Asthmaschulung für Kinder und Eltern: Was bringt das heute noch?

Die Anzahl der Familien, die aufgrund der Asthmaerkrankung ihres Kindes eine Asthmaschulung besuchen, sinkt. Immer weniger Familien sind der Meinung, dass sie von einer solchen Schulung profitieren. Für die behandelnden Ärzte ist dies eine ungünstige Entwicklung, denn die Familien vergeben so eine Chance, das Asthma besser in „den Griff zu bekommen“. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Ansgar Forderer und PD Dr. Jens-Oliver Steiß aus Fulda, die das Thema Asthmaschulungen seit Jahren vorantreiben und auch die Jahrestagung von AGAS und AGNES 2015 in Fulda organisiert haben darüber, warum Kinder mit Asthma etwas versäumen, wenn sie nicht in den Genuss einer Asthmaschulung kommen.

Herr Dr. Forderer, Herr Privatdozent Steiß, Asthmaschulungen für Kinder und Eltern werden nicht mehr in ausreichendem Maße in Anspruch genommen…

Es stimmt, die Zahl der Inanspruchnahme von Asthmaschulungen ist rückläufig. Dies ist in der Tat bedauerlich, da Schulungen erwiesenermaßen die Behandlungsqualität verbessern. Ein Workshop hat sich bei unserer AGAS/AGNES-Jahrestagung im Februar 2015 in Fulda ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Vorab ist anzumerken, dass die Zufriedenheit derer, die an einer Schulung teilgenommen haben, unverändert sehr hoch ist und dass in den Evaluationsbögen im Anschluss an die Schulungen meist keinerlei Veränderungen am Konzept gewünscht  werden, was für die Güte unserer Schulungen spricht.

Woran liegt es, dass manche Eltern glauben, auch ohne die Asthmaschulungen auszukommen?

Hauptproblem ist die Rekrutierung von Patienten für unsere Schulungen. Häufig vorgebrachte Argumente beziehen sich auf den zeitlichen Umfang der Schulungen: Vier Nachmittage, wie meist angeboten, passen nicht ins Familienkonzept mit Belastung durch die Schule und die zahlreichen Freizeitaktivitäten. Die Bereitschaft, auf Termine zu Gunsten einer Schulung zu verzichten, hat abgenommen.

Ein neues Phänomen der letzten Jahre ist das Absagen fest gebuchter Schulungen im letzten Moment oder gar das unentschuldigte Fehlen ohne vorherige Absage, was teilweise die Wirtschaftlichkeit unserer Schulungen in Frage stellt.

Über Konzepte kürzerer Schulungen soll daher nachgedacht werden. Bei der Jahrestagung in Fulda wurde ein eigener Workshopblock eingerichtet, um alle Aspekte wie medizinische, psychologische, pädagogische, ernährungstherapeutische, pflegerische und sporttherapeutische Inhalte sowie organisatorische Faktoren von Asthma- und Neurodermitisschulungen zu diskutieren. Die Ergebnisse sollen jetzt von den Fachgesellschaften AGAS und AGNES weiter bearbeitet werden, mit  dem Ziel, unsere bisher sehr erfolgreichen Schulungskonzepte zu aktualisieren.

Unabhängig von der fehlenden Zeit sehen manche Familien keine Notwendigkeit für Schulungen, da dank moderner Therapien der Leidensdruck als nicht sehr groß empfunden wird. Eine große Zahl mäßig gut „eingestellter“ Asthmatiker (laut Leitlinie „teilweise  kontrolliert“) sind mit ihrer Situation zufrieden und sind nicht einfach davon zu überzeugen, dass eine höhere Lebensqualität mit besserer physischer Belastbarkeit möglich ist.

Nicht zu vernachlässigen ist das Miss-Empfinden mancher Familien mit Asthma bei dem Gedanken, dass die Teilnahme an Schulungen oder Disease-Management-Programmen (DMP) ein Eingeständnis der Tatsache bedeutet, an einer chronischen Erkrankung zu leiden. Ein Ziel sollte es daher sein, zu vermitteln, dass - wie in den Leitlinien betont - Schulungsmaßnahmen unabhängig vom Schweregrad und unabhängig von der Langzeitprognose sinnvoll sind.

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