AGAS/AGNES Jahrestagung

Tagungsleiter Dr. Ansgar Forderer

AGAS/AGNES-Jahrestagung: Quo vadis Asthma- und Neurodermitis Schulung?

„Wie geht es weiter mit der Asthma- und Neurodermitisschulung?“ das war die zentrale Frage bei der Jahrestagung der AGAS und AGNES, die am 20. und 21. Februar 2015 bei Fulda stattfand. Zum 12. Mal wurde die Veranstaltung von der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung (AGAS) im Kindes- und Jugendalter e.V. und der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitis-Schulung e.V. (AGNES) gemeinsam organisiert und auch die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation.e. V. (AGATE), der Dachverband für Anaphylaxieschulung in Deutschland, war durch einen Vortrag vertreten. Das Organisationsteam um die Tagungsleiter Dr. Ansgar Forderer und PD Dr. Jens-Oliver Steiß aus Fulda, sowie Dr. Thomas Spindler aus Wangen, stellte ein spannendes Programm zusammen. „Ich freue mich, dass über 300 Interessierte aus dem gesamten Bundesgebiet unserer Einladung ins hessische Künzell gefolgt sind“ begrüßte Dr. Forderer die Teilnehmer.

Asthmaschulung AGAS – nachgewiesene Effektivität, aber weniger Schulungsanmeldungen

Asthmaschulungen sind für den Patienten eine enorme Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, senken die Symptomhäufigkeit und steigern die Lebensqualität nachhaltig. Das zeigen über 20 Jahre Erfahrung, das zeigen Studien und das zeigt das Feedback derjenigen, die eine AGAS-Schulung mitgemacht haben. Warum also entscheiden sich immer weniger Familien mit asthmakranken Kindern für die Teilnahme an einer AGAS-Schulung?

Die Gründe sind vielfältig. Oft scheinen es die Lebensumstände zu sein, die die Teilnahme an einer Asthmaschulung erschweren. Zu weit entfernte Schulungsorte, Zeitprobleme der Eltern und volle Terminkalender der Kinder sind einige der Gründe, die Eltern bei der Anmeldung zu einer Asthmaschulung zögern lassen, bzw. dazu führen, dass es an Durchhaltevermögen mangelt.

Eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Asthmaschulung spielt der behandelnde Arzt. „Wir konnten feststellen, dass Ärzte, die selbst eine Ausbildung zum Asthma-Trainer durchlaufen haben, deutlich mehr Patienten für eine Schulung motivieren können, als ihre nicht ausgebildeten Kollegen,“ sagte Dr. Rüdiger Szczepanski, Osnabrück, der die Entwicklung der Asthmaschulung in Deutschland entscheidend prägte, und fuhr fort „Fakt ist jedoch: Immer weniger Ärzte entscheiden sich dazu, eine Asthmatrainer-Ausbildung zu absolvieren!“

Aber auch das Engagement der Krankenkassen, betroffene Patienten bzw. Familien von den Vorteilen der Teilnahme am DMP (Disease-Management-Programm) Asthma zu überzeugen, hat in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Zu Beginn des DMP´s wurden Patienten regelmäßig angesprochen, erhielten Familien für die Teilnahme am DMP Bonuszahlungen oder andere Anreize. Inzwischen erhalten die Krankenkassen für einen DMP Asthma-Patienten allerdings nur noch 147,84 € im Jahr aus dem Gesundheitsfond. Bis vor zwei Jahren gehörte Asthma noch zu den 80 „teuersten“ Krankheiten und die Kassen erhielten 1089 € pro Jahr pro Patient. Nun steht die Erkrankung, deren medikamentöse Behandlung offensichtlich preiswerter wurde, nicht mehr auf der Liste der 80 teuren Krankheiten.

Auch der medizinische Fortschritt scheint eine Rolle beim Rückgang der Inanspruchnahme von Schulungsangeboten zu spielen. Mittlerweile gibt es zur Behandlung von Asthma sehr gute Medikamente, so dass viele Patienten den Eindruck haben, die bloße Einnahme reiche aus und man müsse sich nicht weiter mit der Erkrankung auseinandersetzen. Dies ist aber nicht der Fall, denn gerade die Asthma- und Neurodermitisschulung wird als eine pädagogisch-psychologische Maßnahme verstanden, um alltagstaugliches Wissen an Kinder, Jugendliche und deren Familien zu vermitteln. Daneben sind aber auch medizinische Grundkenntnisse, Verhaltenstraining, Verbesserung der Körperselbstwahrnehmung, Umgehen mit körperlich empfundenen Symptomen, Ernährungsberatung und auch eine Verringerung der Auswirkungen im familiären sowie sozialen Bereich entscheidende Bestandteile. Merkmal dieser Schulungen ist die Interdisziplinarität des Teams bestehend aus Ärzten, Psychologen, Sporttherapeuten, Kinderkrankenschwester sowie Ernährungsfachkräften.

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