Husten Kind

Priv.-Doz. Dr. Ernst Rietschel, Leiter des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln

Husten beim Kind: Was kann dahinter stecken, wenn das Kind hustet?

Sie erwähnten „Alarmzeichen“: Bei welchen Symptomen sollten die Eltern einen Kinderarzt aufsuchen?

In der Tat gibt es Alarmzeichen, deren Auftreten die Eltern zum Handeln veranlassen sollten. Wenn z.B. der Husten mit Fieber einhergeht und wenn dieses Fieber länger als drei Tage anhält, sollten die Eltern einen Kinderarzt aufsuchen. Hier gilt es zu prüfen, ob eventuell eine Lungenentzündung vorliegt oder ob sich hinter den Symptomen eine Mittelohrentzündung verbirgt. Mittelohrentzündungen sind bei Infekten der oberen Atemwege bei kleinen Kindern nicht selten.

Ein weiteres Alarmzeichen ist, wenn der Husten des Kindes mit Atemnot einhergeht. Die Kinder atmen dann schneller als normal, man nennt das medizinisch „Tachypnoe“ für „zu schnelles Atmen“. Auch in diesem Fall ist ein Artbesuch unbedingt notwendig.

Auch ein Husten, der länger als vier Wochen dauert, ist ein Anlass, den Arzt zu konsultieren, auch wenn dabei das Fieber nicht länger als drei Tage anhält. Zu einer so langen Hustenperiode kann es kommen, wenn Kinder quasi von einem Infekt in den anderen „fallen“ und die Infekte regelrecht ineinander übergehen.  

Fängt ein ca. ein bis drei Jahre altes Kind ganz plötzlich an zu husten, obwohl es keinen Infekt hat, dann muss man an eine Fremdkörperaspiration denken. Das bedeutet es könnte ein Fremdkörper in die Atemwege gelangt sein und den Husten ausgelöst haben. Kinder in diesem Alter nehmen alles in den Mund. Die häufigsten Fremdkörper sind Erdnüsse und Kinderspielzeug, das Kleinteile enthält. In diesem Fall muss man sofort einen Arzt aufsuchen, denn es besteht Erstickungsgefahr.

Ein Husten kann bei Kindern auch eine allergische Ursache haben, gibt es hierfür Anzeichen?    

Bedenklich ist ein Husten, der von pfeifenden Atemgeräuschen begleitet wird. Damit ist ein Atemgeräusch gemeint, das in den Husten-Pausen und vor allem beim Ausatmen auftritt. Dieses pfeifende Atemgeräusch nennt man medizinisch „Giemen“, und es kann ein Hinweis auf Asthma sein. Auf jeden Fall wäre ein solches Atemgeräusch ein Grund, zur Abklärung zum Arzt zu gehen.

Im Gegensatz dazu gibt es auch ein Geräusch, das bei der Einatmung auftritt, medizinisch als „inspratorischer Stridor“ bezeichnet und das mit einem bellenden Husten einhergeht. Dabei handelt es sich um den sogenannten „Pseudokrupp“, der aber nur selten allergisch bedingt ist.

Wenn der Husten bei Kontakt mit Allergenen besonders stark auftritt, ist dies auch ein Anlass, an eine allergische Ursache zu denken. Typische Situationen sind: „Das Kind hustet immer, wenn wir die Oma besuchen, die eine Katze hat.“ oder „Immer wenn wir am Reitstall vorbei laufen, hustet das Kind.“ Oder „Das Kind hustet dann, wenn die Tante mit dem Hund zu Besuch kommt.“ oder „Immer wenn im Februar die Birkenpollen fliegen, hustet mein Kind, sonst nie.“

Über die Anamnese versucht der Arzt herauszufinden, ob es einen solchen Zusammenhang zwischen dem Husten und dem Trigger, dem Allergen gibt. Z.B. haben die Kinder, wenn sie älter werden, häufig einen Heuschnupfen, der oft auch mit Augenjucken und Nießattacken einhergeht. Wenn diese Kinder dann während der Pollenflugzeit noch einen Husten entwickeln, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein zusätzliches Asthma.

Ein spezieller Fall kann vorliegen, wenn ein etwa 13-jähriges Kind, das zuvor nie Probleme hatte, plötzlich anfängt zu husten. Oft sind hier die ersten Rauchversuche die Ursache und das verraten die Kinder den Eltern häufig nicht.

Im gleichen Alter, d.h. in der Pubertät, kann auch ein psychogener Husten auftreten. Bei psychogenem Husten haben die Kinder ausschließlich in der Schule Symptome und stören damit den Unterricht ungemein. Der psychogene Husten ist häufig ein Zeichen von zu hohem Druck durch Schule und Elternhaus und tritt immer häufiger auf. Ein sicherer Hinweis für diese Form des Hustens ist es, wenn der Husten nachts nie auftritt und die Kinder friedlich durchschlafen. Um den psychogenem Husten in den Griff zu bekommen benötigt man die Hilfe eines Psychologen und manchmal auch eines Atemtherapeuten. Außerdem müssen die Eltern die übervollen Terminkalender ihres Kindes deutlich ausdünnen.

 

Wann kann Husten bei Kindern ein Alarmzeichen sein?
  • Fieber, das länger als drei Tage anhält
  • Husten, der mit Atemnot einhergeht
  • Husten, der länger als vier Wochen anhält
  • Plötzlicher Husten, der nicht auf einen Infekt zurückzuführen ist
  • In den Pausen zwischen dem Husten tritt beim Ausatmen ein pfeifendes Atemgeräusch auf
  • Bellender Husten, der beim Einatmen von einem Atemgeräusch begleitet wird
  • Husten, der stets bei Allergenkontakt auftritt
  • Andauernder Husten bei Kindern, die bereits Allergien haben oder hatten
  • Husten, der ausschließlich während des Schulunterrichts auftritt
© Priv.-Doz. Dr. Ernst Rietschel, Personaloberarzt und Leiter des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Uniklinik Köln

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