Inhalieren bei Asthma bei Kindern

Dr. med. Verena Mandelbaum, Kinderärztin, Allergologin, Pädiatrische Pneumologin in der Privatpraxis für Asthma & Allergien in der ATOS Klinik in Heidelberg

Inhalieren bei Asthma: Wie inhalieren Kinder richtig? Worauf kommt’s an?

Gibt es weitere Faktoren, die beim Inhalieren eine Rolle spielen?

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die möglichst frühe Selbstständigkeit des Kindes beim Inhalieren und hier sind ganz oft die Mädchen sehr eifrig. Zwar sollten die Kinder zunächst weiterhin stets unter der Beobachtung der Eltern inhalieren, aber je früher die Kinder Eigenverantwortung übernehmen, umso besser. Die Kinder inhalieren dann tiefer und gewinnen viel an Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein. Bei einer Kindergartenschulung habe ich erlebt, dass schon ein vierjähriger Junge das Inhalieren mit Mundstück perfekt beherrschte und ganz stolz darauf war, dass er das schon so gut konnte!

Die Kinder müssen beim eigenständigen Inhalieren dazu in der Lage sein, die Nase oben zu verschließen und die Atemluft über das Mundstück einzuziehen. Die Eltern können den Kindern dabei helfen, ein Gefühl für diesen Luftstrom zu entwickeln, indem sie ihnen demonstrieren wie es sich anfühlt, wenn man die Nase zuhält und über das Mundstück einatmet. Meistens lernen die Kinder das sehr schnell und spätestens mit fünf Jahren sollte es möglich sein, dass die Kinder auf die Inhalation über das Mundstück umstellen.

Wie gesagt ist es auch sehr wichtig, dass die Eltern selbst eine positive Einstellung zum Inhalieren haben. Wenn die Eltern es schrecklich finden, dass ihr Kind jetzt wieder inhalieren muss, wird sich dies auf das Kind übertragen. Haben die Eltern akzeptiert, dass das Inhalieren ihr Kind davor bewahrt, ständig Infektionen zu bekommen und dass es dem Kind so ermöglicht wird, den Kindergarten oder die Schule zu besuchen, wird dies auch die Einstellung des Kindes positiv beeinflussen.

Auch die Mechanismen der jeweiligen Asthma-Inhaler sind sehr unterschiedlich. Worauf sollten die Eltern achten?

Es gibt die Druckgasinhaler mit Selbstauslöser, bei denen das Kind aber schon in der Lage sein muss zu erkennen, ob der Inhaler ausgelöst hat oder nicht. Bei den Druckgasinhalern wäre ein akustischer Auslöser oder eine Art Anzeige, die bestätigt, dass die Inhalation geklappt hat, aber sehr wünschenswert, momentan gibt es das noch nicht. Ebenso wichtig wäre eine Art Zählwerk, das Angaben zur Restfüllmenge macht. Dies würde verhindern, dass weiter inhaliert wird, obwohl kein Wirkstoff mehr im Inhaler ist.

Weiter gibt es die Pulverinhaler und auch hier ist eine Anzeige, ob die Inhalation effektiv war bzw. eine feine Anzeige der Restfüllmenge wünschenswert. Es gibt Inhalatoren mit groben Zählwerken die irreführende Angaben machen. Das kann sogar zu Asthmaanfällen führen, weil die Kinder zwar Inhalieren, aber nicht bemerken, dass der Inhaler bereits leer ist.

In einem aktuellen Fall hat das Kind zwar bemerkt, dass es beim Sport Asthmasymptome bekam und auch nächtliche Symptome auftraten, es ist jedoch nicht darauf gekommen, dass dies die Folge eines entleerten Inhalers sein könnte, bis es dann zum Anfall kam. Es wäre wünschenswert, dass die Industrie hier mehr Lösungen bereitstellt. In der Zwischenzeit empfehle ich den Eltern, sich im Kalender zu notieren, wann der Inhalator erstmals eingesetzt wird oder das Datum auf das Gerät zu schreiben, damit sie einen Überblick haben, wann er zur Neige geht.

Die Auswahl an Inhalatoren ist riesig und, je nach Kind und Alter, muss man den richtigen Inhaler mit der richtigen Ausstattung einsetzen.

Es gibt aber jetzt auch ein Betamimetikum in Kombiunation mit einem Steroid, das 24 Stunden wirksam ist und das für Kinder mit schwerem Asthma gedacht ist. Damit ist eine Pulverinhalation nur noch einmal am Tag nötig, was insbesondere bei den etwas älteren Kindern, ab 12 Jahren und Jugendlichen sehr gut angenommen wird und die Compliance erheblich erhöht. Am besten kombiniert man es mit dem Zähneputzen, denn das wird in Deutschland wirklich sehr zuverlässig praktiziert. Ein guter Tipp ist deshalb das Inhaler in den Zahnputzbecher zu stellen.

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