Asthmaschulung für Kinder und Jugendliche

Dr. med. Gerd Schauerte, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung e.V.

Asthmaschulung für Kinder und Jugendliche: Alltagshilfe durch die AGAS

Die Asthmaschulung ist eingebettet in ein ganzheitliches Therapiekonzept, was ist hier wichtig?

Die Asthmatherapie beruht auf zwei wesentlichen Säulen, der medikamentösen Therapie und hier gibt es wirklich gute risikoarme Medikamente, die man auch langfristig einnehmen kann und meist auch muss. Auch hier spielt wieder die Akzeptanz eine Rolle. Die Patienten müssen sich einfach damit abfinden, dass bei Asthma eine langfristige Therapie nötig ist, die auch regelmäßig überprüft und angepasst werden muss. Regelmäßig bedeutet bei Asthma, alle drei Monate sollte ein Arztbesuch erfolgen, bei dem die Therapie kritisch reflektiert wird. In der Zwischenzeit müssen die verordneten Medikamente wie angesprochen eingenommen werden, kurz gesagt: Die Therapietreue ist ausschlaggebend für den Erfolg!

Ziel der Überprüfung ist es, den Medikamentenbedarf so zu justieren, dass eine Symptomfreiheit erreicht wird und gleichzeitig die Bewegungsfreiheit und der Handlungsspielraum nicht eingeschränkt sind. Es soll nicht so sein, dass ein Patient sagt, es gehe ihm gut, solange er keinen Sport macht und keine Treppen steigt. Deshalb muss die richtige Dosis für die Medikamente immer wieder angepasst werden.

Die zweite wichtige Säule der Asthmabehandlung ist die Auslöservermeidung. Z.B. können allergene Auslöser wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare zu einer Verschlechterung des Asthmas führen. Andere Auslöser für Asthma sind z.B. Infekte, kalte Luft und Nebelwetterlagen. Es ist Teil der Asthmatherapie, diese Auslöser möglichst zu vermeiden und mögliche Strategien, z.B. zu einer Hausstaubmilbensanierung, werden auch in den Schulungen behandelt. 

Dazu gehört auch das Thema Kommunikation. Wenn ein Kind z.B. auf Katzen allergisch reagiert und es bekommt eine Einladung von einem Kind, das eine Katze als Haustier hält, muss es ja wissen, wie es die Situation positiv handhaben kann und auch diese Situationen werden in den Asthmaschulungen durchgespielt. Für den Erfolg der Asthmatherapie ist das genauso wichtig, wie die medikamentöse Therapie.

Wichtig ist, dass sowohl die Medikamenteneinnahme als auch die Auslöservermeidung zu festen Ritualen im Tagesablauf werden, die in Fleisch und Blut übergehen wie das tägliche Zähneputzen und nicht dauernd hinterfragt werden!

Die AG Asthmaschulung arbeitet auch mit Schulungsorganisation für andere chronische Erkrankungen zusammen…

Den Anfang im Bereich Patientenschulungen hat die Diabetes Schulung gemacht. In den 80er Jahren wurden dann die ersten Asthmaschulungen aufgelegt, da Asthma und Neurodermitis oft gemeinsam auftreten und die Asthmaschulungen erfolgreich waren, hat man auch für Neurodermitis Schulungsprogramme mit entsprechenden Standards entwickelt, zuständig ist die Arbeitsgemeinschaft die Neurodermitis-Schulung (AGNES), mit der wir sehr eng kooperieren und im Februar 2015 zum 12. Mal unsere Jahrestagung gemeinsam abhalten. Seit einigen Jahren ist auch die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie –Training und Edukation (AGATE) dazu gestoßen, die Trainingsprogramme für Menschen mit Anaphylaxie entwickelt hat. Mittlerweile hat sich übergreifend das Kompetenznetz Patientenschulungen (KomPas) gebildet. KomPas setzt den Fokus auf chronische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, d.h. nicht allein auf das Thema Allergien und hat gemeinsame Standards für Patientenschulungen im Kindes- und Jugendalter entwickelt.

Welche zukünftigen Ziele hat die AG Asthmaschulung, wo wünschen Sie sich Unterstützung?

Was wir uns wünschen ist die Integration der 2 bis 5-jähreigen Kinder in die DMPs, damit die Finanzierung der Schulungen durch die Kassen gesichert ist. Bis dies erreicht ist, wünschen wir uns, dass mehr Einzelkostenanträge gestellt werden, damit der Bedarf deutlich wird.

Ein weiteres wichtiges Anliegen der AG Asthmaschulung ist, dass man auch in ländlichen Gebieten Strukturen schafft, die es den Patienten ermöglichen, an den Asthmaschulungen teilzunehmen. Dafür müssen wir die "Lücken" im System definieren und andere Angebote, z.B. mobile Schulungsteams schaffen.

Grundsätzlich werden wir daran arbeiten, das "Disease Management Programm Asthma" stärker in den Köpfen der Ärzte und Politiker zu verankern. Wichtig ist es klarzumachen, dass zur Behandlung von Asthma auch heutzutage mehr gehört, als die medikamentöse Behandlung und dass die Asthmaschulungen ein wichtiger Faktor sind, der allen Kindern und Jugendlichen mit Asthma zugutekommen sollte.

Auch von den Krankenkassen wünschen wir uns hier gerne mehr Unterstützung, denn sie profitieren ja auch davon, wenn die Patienten nach der Schulung besser mit dem Asthma zurechtkommen.

Herr Dr. Schauerte, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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