Asthmaschulung für Kinder und Jugendliche

Dr. med. Gerd Schauerte, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung e.V.

Asthmaschulung für Kinder und Jugendliche: Alltagshilfe durch die AGAS

Wie ist denn die Resonanz der Betroffenen auf das Angebot der Asthmaschulung?

Die Entscheidung, eine Asthmaschulung zu machen, fällen ja die Eltern. Die Eltern müssen also zunächst einmal akzeptieren, dass ihr Kind mit Asthma eine chronische Erkrankung hat, die man regelrecht managen muss und die nicht irgendwann wieder weggeht. Diese Akzeptanz muss bei den Eltern da sein und natürlich ebenso bei den Kindern, denn erst dann entsteht die Bereitschaft, sich ernsthaft mit dem Asthma auseinanderzusetzen. Nach meiner Beobachtung besteht da schon eine gewisse Hürde – man würde eben lieber zum Arzt gehen, ein Medikament einnehmen und damit „geheilt“ sein. Asthma bronchiale ist jedoch eine chronische Erkrankung und den Umgang damit muss man 1. Lernen und 2. Üben. Es ist wichtig zu verstehen, was beim Asthma bronchiale im Körper passiert und die Bereitschaft dafür, das zu akzeptieren, entwickelt sich nicht bei allen Eltern in gleichem Maße und gleich schnell.

Hinzu kommt: Eine Asthmaschulung bedeutet für jede Familie auch eine Investition an Zeit und damit eine gewisse Überwindung. Schließlich muss man für eine Asthmaschulung schon mehrere Nachmittage und auch mal einen Tag am Wochenende opfern.

Aber: Alle diejenigen, die an den Asthmaschulungen teilgenommen haben, sind begeistert und geben an, dass die Asthmaschulung ihnen beim Umgang mit der Erkrankung sehr weitergeholfen hat. Auch die Sicherheit im Umgang mit der Asthmaerkrankung im Alltag wächst durch die Asthmaschulung und es kommt deutlich seltener zu Krankenhausaufenthalten. Viele Eltern berichten im Nachhinein, dass die Kinder nach der Asthmaschulung deutlich weniger in der Schule fehlen und das bedeutet auch für die Eltern weniger Ausfallzeiten wegen der Krankheit ihrer Kinder. Nicht vergessen sollte man, dass durch den sicheren Umgang mit dem Asthma auch die Lebensqualität deutlich steigt. Die Kinder wissen, was vor sich geht und haben weniger Angst vor Atemnot oder einen möglichen Asthmaanfall. Teil der Asthmaschulung sind auch konkrete Tipps für den Alltag, d.h. die Kinder lernen z.B., wie sie sich auf sportliche Aktivitäten vorbereiten können.

Wie viele Asthma-Schulungen werden denn pro Jahr durchgeführt?

Pro Jahr schulen wir bundesweit ca. 20.000 Kinder bzw. deren Familien. Dabei werden ca. 50 Prozent im ambulanten Setting geschult und 50 Prozent in der Reha. Damit erreichen wir ca. 40 Prozent der Kinder mit Asthma bronchiale.

Da ist eigentlich noch viel „Luft nach oben“ – warum werden die Asthmaschulungen nur von 40 Prozent der Betroffenen genutzt?

Da spielen mehrere Gründe eine Rolle. Zum einen merkt man schon, dass die Kollegen, die selbst Asthmaschulungen durchführen, deutlich mehr Kinder und Jugendliche erreichen, als die anderen. Bei Ärzten die selbst nicht an Patientenschulungen für Asthma beteiligt sind, hat man manchmal das Gefühl, dass die Empfehlung für die Schulung nicht in gleichem Maße ausgesprochen wird. Im Grund gehört die Empfehlung für die Asthmaschulung aber zur Therapie, die sich an die Diagnose anschließen sollte und so ist dies auch in der Asthma-Leitlinie festgelegt.

Zum anderen gibt es Regionen, wie z.B. das ländliche Bayern, wo eine Patientenschulung zu Asthma in unmittelbarer Nähe nicht geboten werden kann. Wenn die Eltern zur Schulung dann bis zu 40 km anreisen müssten, ist dies schon ein Hinderungsgrund. In diesen Fällen würde sich eher ein Aufenthalt in einer Rehaklinik anbieten, bei dem kompakt alle Informationen vermittelt werden.

Ein weiteres Angebot sind die Asthma-Camps des CJD Berchtesgaden. CJD steht für Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands, und dort werden Kinder und Jugendliche in 14 Tagen umfassend zum Umgang mit dem Asthma geschult und ebenfalls die Eltern, wenn sie bereit sind, mitzukommen. Dazu gehören auch sportliche Aktivitäten und viele Tipps für den Alltag.

Für schwer asthmakranke Kinder und Jugendliche, bei denen die ambulanten Möglichkeiten erschöpft sind und die aufgrund des Asthmas mit großen Schwierigkeiten in Schule und Alltag konfrontiert sind, bietet das CJD auch eine Art „Internatsaufenthalt“ für die Dauer eines Schuljahres an. Bei diesen Aufenthalten können die Kinder die Grund- oder Mittelschule, aber auch Realschule oder Gymnasium besuchen, was in vielen Fällen zu Hause nicht mehr möglich wäre, und werden umfassend medizinisch und psychologisch betreut. Kinder mit einem schweren Asthma, bei denen zusätzlich z.B. Leistungsstörungen oder Verhaltensstörungen auftreten oder die familiäre Probleme haben, haben so die Möglichkeit eine optimale Betreuung und das nötige Rüstzeug für den Umgang mit dem Asthma zu bekommen.

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