Adipositas Folgeerkrankungen

Dr. Andreas Hellmann, Vorsitzender des Bundesverbands der Pneumologen (BdP) und Internist, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie und Umwelt- und Sportmedizin in Augsburg

Adipositas und Folgeerkrankungen wie Asthma etc.: Wie hängt das zusammen?

Führt denn eine Reduzierung des Übergewichtes bei den Kindern auch zu einer Verbesserung der Asthma-Symptome?

Diese Frage wurde in der Studie nicht abgeklärt. Aber man kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass eine Reduktion der Adipositas auch mit einer Besserung der Asthmasymptome einhergeht. Außerdem ist die Einschränkung der Leistungsfähigkeit bei dicken Kindern so immens, dass sich allein dafür bereits eine Gewichtsreduktion lohnt. Hinzu kommt, dass sich so auch das Risiko an anderen Erkrankungen, wie z.B. Diabetes, senkt.

Man muss allerdings wissen, dass Abnehmen allein die entzündlichen Aktivitäten der Fettzellen nicht unterbindet, sondern nur reduziert. Durch die Gewichtsreduktion sind zwar die Fettzellen weniger stark gefüllt, aber ihre Anzahl reduziert sich nicht, da sie genetisch bedingt ist. Deshalb lassen sich diese "leeren" Fettzellen auch so leicht neu "auffüllen".

Auch das Herz-Kreislauf-Risiko sinkt nicht unbedingt proportional zu den Kilos, wenn ein adipöser Mensch abnimmt. Das gelingt nur durch Bewegung und deshalb möchte ich nochmals betonen, wie wichtig Bewegung in diesem Zusammenhang ist. In Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es sogar so, dass leicht Übergewichtige, die sich bewegen, ein geringeres Risiko haben, als diejenigen, die sich nicht bewegen. Diäten werden deshalb aus meiner Sicht völlig überschätzt.

Wie wirkt sich denn Adipositas bei Erwachsenen auf Erkrankungen wie z.B. Asthma aus?

Auch bei Erwachsenen hat das Übergewicht negative Auswirkungen. Eine mögliche Auswirkung ist z.B. das Schnarchen, denn der weiche Gaumen wird bei adipösen Menschen sozusagen mit Fett umlagert. Wenn im Schlaf die Entspannung eintritt, verschließen sich die Atemwege im Rachen. Es kommt dann zur Schlafapnoe, einer Erkrankung des weichen Gaumens. Bei der Schlafapnoe wird die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn vermindert, z.T. sogar minutenlang. Dadurch entsteht Stress und Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall können die Folge sein. Die Ursache der Schlafapnoe und der genannten Folgeerkrankungen ist aber die Adipositas.

Ist denn das Abnehmen über Diäten für Erwachsene mit Adipositas eher angeraten als für übergewichtige Kinder?

Nein, denn nur ganz wenige adipöse Patienten schaffen es dauerhaft, ihre Ernährung umzustellen und wenn es dann einmal "mit einem durchgeht", sind alle Bemühungen zunichte gemacht. Deshalb lautet auch bei älteren Patienten unsere Empfehlung, sich regelmäßig zu bewegen. Genau wie die Kinder schon ihren Schulweg zur Bewegung nutzen können, sollten die Erwachsenen dies für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen tun. Man kann ja auch mal drei Stationen zu früh aus der Straßenbahn aussteigen oder bestimmte Wege mit dem Fahrrad zurücklegen. Es hilft mehr, den Kalorienverbrauch zu erhöhen, als Kalorien durch Diäten einzusparen und wenn man die Bewegung dann auch noch in den Alltag einbaut, zeigt dies oft schon eine gute Wirkung. Zusätzliche sportliche Aktivitäten wären natürlich ideal, aber die Erfahrung zeigt, dass das einfach nicht bei jedem funktioniert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Hometrainer im Keller – die meisten nutzen ihn einfach nicht dauerhaft, weil es keinen Spaß macht. Der Spaßfaktor ist beim Sport aber entscheidend und deshalb ist es oft wirkungsvoller, Bewegung einfach in den Alltag einzubauen. Man verliert kaum Zeit und bewegt sich doch.

Zusammenfassend kann man sagen: Die volkswirtschaftlichen Schäden, die das Übergewicht durch die damit einhergehenden Folgeerkrankungen anrichtet, sind enorm. Allein die Anzahl der Diabetes-Erkrankungen, die durch Adipositas verursacht werden, ist wie ein "Tsunami", der unser Gesundheitssystem zur Explosion bringen kann. Dabei wären all diese Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, Schlafapnoe und die Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt vermeidbar. Hinzu kommen die extremen Verschleißerkrankungen wie Arthrose des Kniegelenks und des Hüftgelenks und die Versteifung der Wirbelsäule, der Bewegungsapparat ist überlastet.

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