Vocal Cord Dysfunction Asthma

Dr. med. habil. Johannes Schulze, Stellv. Leiter des Schwerpunkts Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität

Vocal Cord Dysfunction? Asthma? Unterschiede bei Symptomen und Therapie

Bei chronischen Erkrankungen sind psychische Probleme häufig eine Folge der Erkrankung. Ist dies bei der Vocal Cord Dysfunction auch der Fall?

In unseren Untersuchungen haben wir nicht ermittelt, ob sich die psychischen Probleme als Folge der VCD entwickeln. Dies wäre durchaus plausibel, da die Erkrankung mit Gefühlen von Bedrohung und Angst einhergeht.

Es könnte aber auch sein, dass eine ängstliche Persönlichkeit  die Entwicklung der VCD begünstigt. Eine Untersuchung aus Denver legt diese Vermutung nahe, aber diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt.

Die Symptome von Vocal Cord Dysfunction und Asthma ähneln einander, wie geht man bei der Diagnose vor?

Erste Hinweise auf eine mögliche Vocal Cord Dysfunction findet man oft bereits in der Anamnese. Typisch für VCD sind die anfallsweise Atemnot und die Lokalisierung der Beschwerden im Kehlkopfbereich.

Zur Diagnostik gehört bei uns jedoch auch immer eine Laryngoskopie, das ist eine Spiegelung des Kehlkopfes. Da die Patienten sich bei der Untersuchung im Ruhezustand befinden, sieht man bei der Spiegelung in der Regel eine normale Kehlkopffunktion. Deshalb versuchen wir, entweder durch eine Laufbelastung oder durch einen Methacholintest, einen VCD-Anfall auszulösen. Danach führen wir erneut eine Laryngoskopie durch. Mit dem Einsatz des Methacholintests zur VCR-Diagnose haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, aber wenn der spezifische Auslöser der Anfälle bekannt ist, z.B. Parfüms, Zigarettenrauch etc., kann man auch direkt mit diesen Auslösern provozieren.

Manchmal findet man durch die Laryngoskopie auch anatomische Veränderungen, wie z.B. Verengungen des Kehlkopfes oder der Stimmbänder vor, die dann operativ zu beheben sind.

Wie therapiert man die Vocal Cord Dysfunction?

Das Wichtigste bei der Vocal Cord Dysfunction ist eine frühe Diagnose und eine rechtzeitige Behandlung. Gerade dann, wenn man die VCD im Anfangsstadium behandeln kann, besteht eine sehr gute Chance, dass sie sich wieder verliert.

Problematisch ist es dann, wenn die Vocal Cord Dysfunction nicht als solche erkannt wird und der Patient stattdessen auf "schweres Asthma" behandelt wird. Wenn man versucht, die VCD mit den entsprechenden Asthmatherapien zu bekämpfen, auch unter Einsatz von Kortison, wird man damit nicht erfolgreich sein. Patienten mit Vocal Cord Dysfunction sprechen auf eine Asthmatherapie nicht an, die VCD bleibt quasi "unbehandelt" und kann sich chronifizieren.

Hilfreich für unsere Patienten und fast schon Teil der Therapie ist die Diagnose selbst. Bei einer Laryngoskopie mit Videountersuchung können die Patienten die Untersuchung zum einen unmittelbar miterleben oder auch im Nachhinein anschauen. Das ist eine sehr große Hilfe für die Patienten, denn sie sehen, was genau bei einem VCD-Anfall passiert und verlieren so die Angst vor dem Anfall. Die Patienten wissen dann, dass das Zusammengehen der Stimmbänder der Auslöser für ihre Probleme ist und dass sie aktiv gegensteuern können.  

Ansonsten richtet sich die Therapie der VCD nach der Ursache der Erkrankung. Liegt eine chronische Rhinitis oder eine Chronische Sinusitis und kommt es zu einem Postnasal-Drip-Syndrom, das die Vocal Cord Dysfunction auslöst, wird man die Grunderkrankung behandeln. Das gleich gilt für den gastroösophagealen Reflux.

Findet man keine Grunderkrankung, wird man zur Therapie der Vocal Cord Dysfunction eine Kombination von Entspannungsverfahren einsetzen. Diese sollten sich insbesondere auf den Bereich des Kehlkopfes, des Halses, der Schultern und des Brustkorbes konzentrieren und werden am Besten in Zusammenarbeit mit einem Sprachtherapeuten durchgeführt. Durch die Entspannungsübungen werden zum einen neue Anfälle verhindert und zum anderen wissen die Patienten im Falle eines erneuten Anfalls dann genau, was sie tun können, um die Anspannung zu lösen und den Anfall zum Abklingen zu bringen.

Wenn diese Maßnahmen nicht greifen und dies ist bei ca. 10 bis 15 Prozent der Patienten der Fall, würde man als nächsten Schritt eine Gesprächs- oder Familientherapie in Erwägung ziehen, um eventuellen Gründen für eine Somatisierung auf die Spur zu kommen.


Herr Dr. Schulze, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:
1)    Vocal cord dysfunction in adolescents, Schulze J, Weber S, Rosewich M, Eickmeier O, Rose MA, Zielen S., Pediatr Pulmonol. 2012 Jun; 47(6):612-9. doi: 10.1002/ppul.21622. Epub 2012 Mar 13. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22415978
2)    Quality of life for adolescents with vocal cord dysfunction, Schulze J, Weber S, Oddo S, Rosewich M, Rose MA, Zielen S., Pneumologie. 2012 Oct; 66(10):596-601. doi: 10.1055/s-0032-1310105. Epub 2012 Aug 7., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22872594

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