Bäckerasthma

Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der Abteilung für Allergologie und Rhinologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Was tun bei Bäckerasthma? Symptome, Diagnose und Therapieoptionen

Wie stellen Sie die Diagnose für Bäckerasthma?

Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese. Der Patient sollte genau berichten, wann seine Beschwerden auftreten, wie genau sie aussehen und unter welchen Umständen sie wieder zurückgehen. Da es sich beim Bäckerasthma um eine Allergie vom Soforttyp (Typ 1) handelt, d.h. die Symptome treten unmittelbar nach Allergenkontakt auf, ist die Anamnese in der Regel schon sehr aufschlussreich.

Die weitere Diagnose erfolgt dann über einen Hauttest, den Prick-to-Prick Test und über einen Bluttest, den sogenannten RAST.

Für den Hauttest nutzen wir sogenanntes "natives Material" d.h. wir bitten die Patienten, das Mehl aus ihrer Backstube mitzubringen. Das Mehl wird dann von uns in eine Kochsalzlösung eingebracht, die Haut wird für den Prick-to-Prick Test eingeritzt und die mit Mehl versetzte Kochsalzlösung wird auf die eingeritzte Haut aufgebracht. Nach ca. 20 Minuten zeigt sich dann eine Hautreaktion, vorausgesetzt, es liegt eine Allergie gegen das Mehl vor.  

Ziel ist es, das spezifische IgE für das auslösende Allergen zu ermitteln, d.h. das entsprechende Mehl zu identifizieren. Untersucht wird jedoch auch ob eine Pollenallergie oder eine Allergie gegen Hausstaubmilben vorliegt, denn Allergien gegen Pollen und Milben sind die beiden häufigsten Allergien und können ebenfalls für die Symptome verantwortlich sein. Auch gegen das Enzym α-Amylase, das dem Mehl oft zugesetzt wird, weil es den Teig luftiger macht, kann eine Allergie bestehen – dies ist bei ca. 10 Prozent der Bäcker der Fall. Dabei würde es sich aber um zusätzliche Allergien handeln, die mit dem Bäckerasthma nichts zu tun haben.

Sind die Ergebnisse dieser Tests nicht eindeutig, greifen wir in Dresden zum Nasalen Provokationstest (NPT), den ich selbst entwickelt habe und auf den ich ein Patent halte. Bei diesem Test wird der Mehlstaub direkt in die Nase appliziert. Damit wird die Situation in der Backstube simuliert und wenn sich hierauf eine direkte Reaktion zeigt, besteht eine Allergie – der NPT ist deshalb der aussagefähigste Test denn die allergische Reaktion wird rhinomanometrisch gemessen.

Was bedeutet die Diagnose Bäckerasthma für den Patienten?

Früher war die Diagnose "Bäckerasthma" häufig gleichbedeutend mit der Aufgabe des Berufs. Dies ist heute nicht unbedingt der Fall. Wichtig ist es zunächst, bestimmte Karenzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören Absauganlagen in der Backstube oder auch andere Vorgehensweisen bei der Verarbeitung der Mehle. So kann es z.B. schon helfen, wenn das Mehl von den LKW’s in Säcken geliefert wird und nicht über Einfüllschächte durch die  Fenster, denn dann ist die Staubentwicklung geringer. Auch dass der Bäcker bei der Arbeit am Backtrog einen Mundschutz trägt ist eine sinnvolle Maßnahme.

Die Berufsgenossenschaft der Bäcker unterstützt bei diesen Maßnahmen und führt auch Schulungen für die Bäcker durch, die dabei helfen, den direkten Kontakt mit dem Allergen in der Backstube zu meiden. Auch der DAAB bietet Schulungsmöglichkeiten an und ich empfehle meinen Patienten immer, diese Schulungsmöglichkeiten wahrzunehmen. In den meisten Fällen lässt es sich vermeiden, dass die Bäcker ihren Beruf aufgeben müssen, denn oft sind Bäckereien ja Familienunternehmen, die vom Vater auf den Sohn vererbt werden, und die Existenz ganzer Familien hängt vom Fortbestand der Betriebe ab. Nur wenn all diese Maßnahmen und auch die Therapie nicht helfen, muss man doch Umschulungsmaßnahmen in Erwägung ziehen.   

Wie gehen Sie vor bei der Therapie von Bäckerasthma?

Grundsätzlich wäre die beste kausale Therapie eine Karenz, d.h. ein Verzicht auf jeglichen Kontakt mit dem allergieauslösenden Mehl. Ist dies aus den erwähnten Gründen nicht möglich, ist die Therapie der Wahl beim Bäckerasthma die Immuntherapie, auch Spezifische Immuntherapie (SIT) genannt, die den gefürchteten Etagenwechsel verhindern kann. Dabei werden geringe Dosen des spezifischen Allergens in langsam aber stetig steigender Dosierung über drei bis vier Jahre subkutan, d.h. unter die Haut, gespritzt. Mit dieser Immuntherapie stärkt man das Immunsystem und es kommt zur Bildung von IgG-Antikörpern. Diese Antikörper führen zu einer Immunisierung des Organismus gegen das jeweilige Allergen und das Auftreten allergischer Symptome wird so verhindert. Therapiebegleitend ist eine symptomatische Behandlung mit dem neuen Anti-IgE-Wirkstoff Omalizumab möglich.

Für eine erfolgreiche Therapie ist es immer am besten, wenn die Patienten in einem frühen Stadium der Krankheit zur Behandlung kommen. Konkret heißt das, so lange die Patienten noch ausschließlich rhinitische Beschwerden haben ist eine SIT in der Regel erfolgreicher, als wenn der Etagenwechsel zum Allergischen Asthma bereits vollzogen ist.

Hinzu kommt noch die symptomatische Therapie, dazu gehören tägliche Nasenspülungen mit einer Salzlösung am Abend, um die Mehlstäube aus der Nase zu spülen und die Schleimhäute abzuhärten. Bei Bedarf können topisch wirksame Nasentropfen oder Augentropfen hinzukommen. Zusätzlich ist eine medikamentöse Behandlung mit Antihistaminika möglich.

Zur symptomatischen Therapie kann begleitend auch die Akupunktur gehören, die über einen Zeitraum von ca. 6 bis 12 Wochen zweimal wöchentlich durchgeführt wird. Akupunktur wirkt schleimlösend und verbessert Symptome wie eine laufende Nase oder auch Asthmasymptome. Man kann dann auf Nasentropfen etc. verzichten. Die primäre kausale Therapie bei Bäckern ist jedoch nicht die Akupunktur, sondern die Immuntherapie, denn die Akupunktur ist beim Bäckerasthma nur zu 50 bis 60 Prozent erfolgreich. 

Frau Dr. Hauswald, herzlichen Dank für dieses Interview!

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