Bäckerasthma

Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der Abteilung für Allergologie und Rhinologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Was tun bei Bäckerasthma? Symptome, Diagnose und Therapieoptionen

Allergien beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen in hohem Maße. Bei Berufsallergien kommt jedoch noch hinzu, dass die Erwerbsgrundlage bedroht ist. Deshalb stellt sich bei der Diagnose Bäckerasthma die Frage nach den Konsequenzen für die weitere Ausübung des Berufs und möglichen Therapieoptionen. Dr. Bettina Hauswald, Leiterin der Abteilung für Allergologie und Rhinologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden verfügt über die Symptome und ihre langjährige Erfahrungen bei der Therapie von Bäckerasthma. Mit MeinAllergiePortal sprach sie über ihre Vorgehensweise.

Frau Dr. Hauswald, wie häufig ist aus Ihrer Sicht das Bäckerasthma unter den Bäckern?

Bei 4 Prozent der Bäcker kommt es zunächst zur Entwicklung einer allergischen Rhinitis auf Mehl. Wie bei allen Allergien, ist auch hier die Tendenz leider steigend. Allein an Heuschnupfen sind in Deutschland aktuell 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung erkrankt. Bis zum Jahr 2030 rechnet man hier mit einem Anstieg auf 40 Prozent! Hinzu kommt dass 10 Prozent der Deutschen an Allergischem Asthma bronchiale leiden und zusätzlich 8 Prozent an einem Atopischen Ekzem. Betroffen vom Bäckerasthma sind übrigens auch Pfefferküchler.

Gar nicht so selten leiden Bäcker zuerst an einer Rhinitis allergica. Bleibt diese unbehandelt, kann es zum Etagenwechsel, d.h. zu einem Asthma bronchiale kommen. Manche Patienten entwickeln zusätzlich noch ein Atopisches Ekzem - man spricht dann von einem Atopischen Trias. Möglich ist auch eine zusätzliche Pollinose - konkret haben 60 Prozent der von Bäckerasthma Betroffenen eine Zweitallergie, oft eine Graspollenallergie. Über die Pollenallergien kann es dann auch zu Kreuzallergenitäten kommen.

Atopische Ekzeme können, müssen aber nicht zusätzlich zu den rhinitischen Beschwerden auftreten. Wenn, dann findet man die Hautveränderungen in der Regel da, wo die Haut in Kontakt mit den Mehlen kommt, also an den Händen und an den Handgelenken.

Um welche Art Allergie handelt es sich beim Bäckerasthma?

Das Bäckerasthma gehört zum Krankheitsbild Rhinitis allergica und ist eine inhalative Allergie, d.h. genau wie bei der Pollenallergie oder bei der Allergie auf Hausstaubmilben oder Schimmelpilze erfolgt der Kontakt der Nasenschleimhäute mit dem Allergen über die Luft.

Innerhalb der Rhinitis Allergica gehört das Bäckerasthma zu den persistierenden Allergien. Damit werden Allergien bezeichnet, die über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen über vier Tage die Woche anhalten. Auch die Haustaubmilbenallergie, die Allergie auf Schimmelpilze und alle Allergien auf Tierhaare gehören zu perennialen, ganzjahrig auftretenden Allergien. Im Gegensatz hierzu ist die Pollenallergie eine intermittierende Rhinitis allergica-Form, da sie saisonal nur im jeweils relevanten Pollenflugzeitraum auftritt.

Welche Allergene in welchen Getreidesorten können ein Bäckerasthma auslösen?

Die Hauptallergene bei den Bäckern sind die Proteine in Weizenmehl und Roggenmehl, wobei die Allergene des Roggens noch aggressiver sind als die des Weizens. Es gibt unter den Bäckern aber auch allergische Reaktionen auf Hafer und Gerste.  

Auch neue Mehle, die heutzutage häufig beigemischt werden, wie z.B. Lupinenmehl, spielen mittlerweile eine Rolle – man kann auch ausschließlich auf Lupinenmehl allergisch reagieren.

In diesem Zusammenhang muss man auch das Sojamehl erwähnen. Beim Sojamehl kommt noch hinzu,  dass Patienten mit einer Birkenpollenallergie oft eine Kreuzallergenität auf Soja entwickeln, und Birkenpollen sind das zweithäufigste Allergen nach Gräserpollen. Auch dadurch kann es zu Beschwerden in der Backstube kommen, es kommt aber auch zu Beschwerden nach dem Besuch asiatischer Restaurants, weil Sojaprodukte dort häufig verwendet werden.

Durch welche Symptome äußert sich ein Bäckerasthma?

Man nennt das Krankheitsbild zwar "Bäckerasthma", aber am Anfang haben die betroffenen Bäcker zunächst rhinitische Beschwerden. Als typische Beschwerden beschreiben die Bäcker oft einen starken Niesreiz mit regelrechten Niesattacken, dann "läuft" die Nase "wässrig" und schließlich "geht die Nase zu". Man nennt das auch die "nasale Trias" – die Symptome können hintereinander auftreten oder auch parallel. Hinzu können noch Beschwerden an den Augen kommen, wie Augenjucken, Augentränen und Augenrötung oder auch Asthmaanfälle.

Oft berichten meine Patienten, dass die Beschwerden beginnen, wenn sie montags in die Backstube kommen und die Beschwerden von Stunde zu Stunde schlimmer werden. Wenn sie dann am Abend nach Hause kommen bessern sich die Symptome. Im Verlauf der Woche bauen sich die Beschwerden dann regelrecht auf und werden mit jedem Tag gravierender, weil ja bereits eine gewisse Adaption stattgefunden hat. Beim Bäckerasthma handelt es sich, wie z.B. beim Heuschnupfen, um eine Allergie vom Soforttyp. Das bedeutet 1 bis 5 Minuten nach dem Allergenkontakt kommt es bereits zu Beschwerden.  

Wenn der Bäcker im gleichen Haus wohnt, in dem er auch seine Backstube hat, was ja gar nicht so selten der Fall ist, gerade bei Familienbetrieben, bessern sich die Symptome auch über Nacht nur wenig, denn das feine Mehl geht auch durch die Ritzen.

Wie schnell entwickelt sich ein Bäckerasthma?

Die rhinitischen Beschwerden beim Bäckerasthma können sich innerhalb von zwei bis fünf Jahren entwickeln. In manchen Fällen kann es jedoch auch noch nach acht und mehr Jahren zu einem Bäckerasthma kommen. Man ist nicht vor der Erkrankung gefeit, nur weil man lange als Bäcker arbeitet und keine Beschwerden hatte. Die Sensibilisierung entsteht erst über den Kontakt mit dem Mehl.

Wenn aber schon in der Kindheit eine Pollenallergie besteht, kann man von einer gewissen Prädisposition ausgehen und die Berufswahl Bäcker sollte man sich überlegen. Ein Pollenallergiker muss nicht zwangsläufig ein Bäckerasthma entwickeln, wenn er als Bäcker arbeitet, aber ausschließen lässt sich das auch nicht. Oft kommen die Eltern, wenn sie eine Bäckerei besitzen und wollen ihr Kind in der 8. Klasse auf mögliche Allergien testen lassen. Sie hoffen, dass einer Bäckerlehre nichts mehr im Wege steht, wenn der Test negativ ausfällt. Leider ist aber ein negativer Test in der Kindheit keine Garantie dafür, dass ein junger Mensch, der permanent mit Mehlen in Berührung kommt, von einem Bäckerasthma verschont bleibt.

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